Finanzen

Kosten für Krankenversicherung: Zusatzbeiträge zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöht

Bei den gesetzlichen Krankenkassen sind die Kassen leer. Im ersten Halbjahr 2024 haben sie ein Minus von 2,2 Milliarden Euro eingefahren. Viele Kassen haben dieses Jahr schon ihre Zusatzbeiträge erhöht, einige sogar das zweite Mal. Nächstes Jahr droht zusätzlich eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze. Was das für die Beiträge bedeutet und was Versicherte tun können, erfahren Sie hier.
29.09.2024 06:05
Lesezeit: 3 min

Die Beitragssätze sind in diesem Jahr schon bei 22 Krankenkassen gestiegen, bei 17 von ihnen bereits zum zweiten Mal. Durch die Maßnahme sollen mindestens eine Milliarde Euro zusätzlich den Kassen zufließen, um das Loch von -2,2 Milliarden im ersten Halbjahr 2024 zu stopfen. Betroffen sind insgesamt ca. 7,5 Millionen Mitglieder, die dafür höhere Krankenkassenbeiträge bezahlen müssen.

Warum müssen die Kassen die Beiträge erhöhen?

Eigentlich müssen Krankenkassen erst zum Jahresende veranschlagen, ob ihre zukünftigen Einnahmen im neuen Jahr ausreichen werden, um die Kosten zu decken oder ob ggf. Zusatzbeiträge erhöht werden müssen. Haben sie mehr Geld als benötigt zur Verfügung, sind auch Beitragssenkungen möglich. Dies wird von Jahr zu Jahr normalerweise von Aufsichtsbehörden genehmigt, in den einzelnen Bundesländern oder beim Bund.

Eine Erhöhung der Zusatzbeiträge während des laufenden Jahres ist jetzt neu und weist darauf hin, dass die Krankenkassen sich verkalkuliert haben. Und das ist auch eingetreten. Die Gesamtkosten im ersten Halbjahr 2024 sind um 7,3 Prozent gestiegen, auf insgesamt 161, 3 Mrd. Euro. Die höheren Kosten konnten weder durch niedrigere Verwaltungskosten noch durch höhere Beitragseinnahmen von 5,5 Prozent gedeckt werden. Analysen von Finanztip haben ergeben, dass bei den Betriebskrankenkassen insbesondere die Kosten für Medikamente stark gestiegen sind und die Reserven nicht ausreichend waren, um die Fehlbeträge zu decken. Gesetzlich verlangt wird von den Kassen, dass sie eine Mindestreserve von 20 Prozent der monatlichen Ausgaben halten, ansonsten müssen Beiträge erhöht werden.

Im Jahresverlauf ist es nicht unüblich, dass Krankenkassen zur Jahresmitte knapper bei Kasse sind, denn tendenziell sind die Krankenkosten am Jahresanfang höher. Zusätzliche Einnahmen sind erst durch höhere Zusatzbeiträge wegen Bonuszahlungen und Weihnachtsgeld am Jahresende zu erwarten.

Die Kassen sind also in einer kritischen Lage. Neun der Krankenkassen mit Beitragerhöhungen haben dabei dieses Jahr den Zusatzbeitrag bereits um mehr als einen Prozentpunkt angehoben, was bei einem Durchschnittseinkommen immerhin zu ca. 200 Euro jährlichen Zusatzbelastungen führt. Bei der großen KKH, mit Beitragserhöhungen von 1,8 Prozent, macht das bei einem Einkommen 4.000 Euro über 400 Euro Zusatzbeitrag im Jahr aus.

Reserven wurden auch für den Gesundheitsfonds geplündert

Diesjährig kommt allerdings noch ein zweiter Grund für die klamme Situation der Kassen hinzu. Für die Auflage des geplanten Gesundheitsfonds wurden die Reserven der Krankenkassen in den vergangenen Jahren in Anspruch genommen und Kassen mit hohen Reserven mussten diese abgegeben. Dementsprechend haben sie bei Fehlprognosen nun auch weniger Spielräume.

Was tun bei Beitragserhöhungen?

Wenn Sie von den Beitragerhöhungen betroffen sind, haben Sie eigentlich nur zwei Optionen, wie Sie damit umgehen können. Entweder Sie nutzen die Leistungen Ihrer Krankenkasse besser aus, um die Zusatzkosten zu kompensieren oder Sie wechseln in eine andere Krankenkasse.

Mehr Leistungen in Anspruch nehmen

Informieren Sie sich über die Leistungen Ihrer Krankenkasse und prüfen Sie, ob Sie nicht eventuell einige Leistungen im Bereich der Prävention (z. B. professionelle Zahnreinigung), durch Impfungen oder mögliche Beitragsrückzahlungen zusätzlich in Anspruch nehmen können.

Krankenkasse wechseln

Für den Fall, dass Sie Ihre Krankenkasse eh fast nie in Anspruch nehmen und ziemlich gesund sind, können Sie auch überlegen, in eine günstigere Kasse zu wechseln. Nach dem Gesetz dürfen Sie jährlich Ihre Krankenkasse wechseln und bei einer Beitragserhöhung sowieso immer. Erkundigen Sie sich nach den Beitragssätzen verschiedener Krankenkassen und den entsprechenden Leistungen. Manche Krankenkassen sind schlanker aufgestellt und können bessere Leistungen zu einem günstigeren Tarif anbieten.

Beitragsbemessungsgrenze steigt 2025

Wenn Sie allerdings die Beitragserhöhungen einfach hinnehmen wollen, sollten Sie auch wissen, dass ab 2025 die Beitragsbemessungsgrenze erhöht wird. Die Beitragsbemessungsgrenze gibt an, bis zu welchem Einkommen Krankenkassenbeiträge anteilig zu entrichten sind. Darüber liegende monatliche Einkommen sind dann beitragsfrei. Die Grenze erhöht sich im Januar 2025 von bisher 5175 Euro auf 5531 Euro. Wenn Sie also zu den Gutverdienern gehören und gesetzlich versichert sind, erhöhen sich Ihre Krankenkassenbeiträge ab nächstem Jahr auch aus diesem Grund.

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