Wirtschaft

Zwischen Rabatt und Risiko: Was am Black Friday wichtig ist

30, 40 oder sogar 50 Prozent: Rund um den Black Friday sind Preisreduzierungen kaum zu übersehen. Es sind die Tage, an denen sich Kunden in Deutschland vor Sonderangeboten kaum retten können. Der sogenannte Black Friday fällt in diesem Jahr auf den 29. November. Was muss man über die große Rabattaktion wissen?
27.11.2024 15:08
Lesezeit: 3 min

Zum Aktionstag Black Friday bieten viele Händler zahlreiche Produkte zu reduzierten Preisen an. In den vergangenen Jahren hat es sich etabliert, dass bereits in den Tagen und Wochen vorher mit Sonderangeboten gelockt wird. Einige Geschäfte werben auch mit anderen Bezeichnungen wie Black Week oder Black Deals. Seinen Ursprung hat der Black Friday, für dessen Bezeichnung es mehrere mögliche Erklärungen gibt, in den USA. Dort markiert der Brückentag nach Thanksgiving, dem vierten Donnerstag im November, den Beginn des Weihnachtsgeschäftes.

Black Friday: Wie gut sind die Rabatte?

Studien zufolge betrage die durchschnittliche „Rabattquote“ für Konsumenten sechs Prozent, sagt Markus Münter, Professor ab der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. „Das Verrückte ist, dass einige tatsächlich 15 oder 20 Prozent sparen und andere wiederum sogar draufzahlen – ausgelöst durch eine von den Unternehmen herbeigeführte Preisintransparenz.“ Bei manchen Produkten sei ein Vergleich zu früheren Preisen gar nicht möglich, da sie nur in dieser speziellen Woche angeboten würden und sonst gar nicht erhältlich seien.

Laut einer repräsentativen Befragung der Unternehmensberatung PwC werden nur Rabatte von mindestens 50 Prozent als gutes Angebot angesehen. Die Kunden sind demnach anspruchsvoller geworden. Im vergangenen Jahr wurden Artikel mit 38 Prozent Preisnachlass als Schnäppchen wahrgenommen.

Was müssen Kunden beachten?

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz mahnt zu Vorsicht am Black Friday. „Nicht alles ist auch ein wahres Schnäppchen“, sagt die Juristin Andrea Steinbach vom Fachbereich Digitales und Verbraucherrecht. Eine „kleine Mogelei“ sei zum Beispiel, den Sonderpreis der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) des Herstellers gegenüberzustellen. „Die hoch angesetzte UVP verlangt aber kaum noch ein Händler. Tolle Rabatte schmelzen dann ganz schnell wieder zusammen.“

Untersuchungen großer Vergleichsplattformen hätten durchschnittliche Rabatte um die fünf oder sechs Prozent festgestellt. „Ich möchte diesen Rabatt nicht kleinreden, er bleibt aber doch hinter der Erwartungshaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher zurück“, meint Steinbach. „Man sollte deshalb Preise im Voraus prüfen. So kann man sichergehen, dass es sich am Black Friday um ein echtes Schnäppchen handelt.“

Preisvergleiche in mindestens zwei Suchmaschinen könnten sich zudem ziemlich lohnen. „Denn, so zeigten Tests, es gibt nicht die eine beste Suchmaschine“, betont die Expertin. Erst wenn sich ein Sonderangebot mit Suchen in zwei Preissuchmaschinen nicht unterbieten lasse, könnte sich der Klick auf den „Kaufen“-Button lohnen.

Wie beliebt sind die Aktionstage in Deutschland?

Das Interesse an den Rabattaktionen rund um den Black Friday ist groß. 46 Prozent der Online-Shopper möchten auf Schnäppchenjagd gehen, das sind drei Prozentpunkte weniger als 2023. Dies geht aus einer Umfrage des Kölner Handelsforschungsinstituts IFH hervor, die im Auftrag des Handelsverbandes Deutschland (HDE) gemacht wurde.

Laut der PwC-Umfrage sind vor allem Produkte aus dem Bereich Elektronik und Technik sowie Kleidung besonders beliebt. Im Schnitt wollen Kunden 277 Euro ausgeben, im Vorjahr waren es noch 281 Euro.

Für einige verlieren die Tage um den Black Friday jedoch offensichtlich ihren Reiz. Umfragen von Kantar und IFH zeigen: Viele Menschen geben an, sie nicht zu brauchen oder seltener zu nutzen, weil sie bei Portalen wie Temu und Shein das ganze Jahr über günstig einkaufen können.

Wie wichtig ist der Black Friday für den Handel?

Neben den Adventssamstagen zählen die Verkaufstage rund um den Black Friday zu den wichtigsten des Jahres für den Einzelhandel in Deutschland. Der HDE rechnet in diesem Jahr mit einem Gesamtumsatz in Höhe von 5,9 Milliarden Euro. Das ist etwa so viel wie im Vorjahr.

Der Preiswettkampf setzt den Handel jedoch auch unter Zugzwang. Die Unternehmen können es sich kaum leisten, den Black Friday zu ignorieren und nicht mitzumachen. Dies ist jedoch nicht das einzige Problem. Der Black Friday nehme wertvolle Weihnachtsumsätze vorweg, in den Wochen vor und nach den Aktionstagen sinken die Umsätze deutlich, sagt Gerrit Heinemann, Handelsexperte von der Hochschule Niederrhein. Deswegen könne sich eigentlich abgesehen vom Lebensmittelsektor kein Händler mehr dem Black Friday entziehen.

Durch die hohen Rabatte können die Unternehmen zwar ihre Umsätze erheblich steigern, dies ist häufig jedoch mit einem deutlichen Margenverlust verbunden. Teilweise führe dies sogar zu Verlusten, so Heinemann. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Kearney verlieren Einzelhändler in Deutschland durch falsche Preisstrategien bei den Rabattaktionen bis zu 300 Millionen Euro Profit.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen Flucht in die Endlichkeit: Wie ein überforderter Anleihemarkt den Bitcoin-Kurs treibt
24.10.2026

Das US-Finanzministerium kauft seine eigenen Schulden zurück, damit sie überhaupt noch jemand haben mag, und der Bitcoin hat das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW X5 im Test: Warum die fünfte Generation alles anders macht
24.10.2026

Fast 100.000 Euro Einstiegspreis, bis zu 845 Kilometer elektrische Reichweite und ein Auftritt, der kaum zu übersehen ist: Mit dem neuen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kokain am Arbeitsplatz: Wenn ausgerechnet die besten Mitarbeiter abhängig werden
24.10.2026

Kokain ist längst keine Droge mehr, die nur auf Partys konsumiert wird. Immer häufiger erreicht der Konsum auch den Arbeitsalltag....

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Diese Branchen könnten den KI-Hype schlagen
24.10.2026

Die Börsen brechen Rekorde, doch der Höhenflug steht auf wackligen Beinen. Wenige Technologiekonzerne treiben die Kurse, während...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien im Fokus, während die Wall Street im Minus bleibt
23.10.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Warum Technologiewerte und Rohstoffe die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
23.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...