Unternehmen

VW-Streik: Mehr als Zehntausend VW-Mitarbeiter im Warnstreik

Mit landesweiten Warnstreiks bei Volkswagen macht die IG Metall gegen die umfangreichen Sparmaßnahmen des Autobauers mobil. An nahezu allen deutschen Standorten unterbrachen am Vormittag mehr als Zehntausend Mitarbeiter zeitweise ihre Arbeit.
02.12.2024 15:12
Aktualisiert: 02.12.2024 15:12
Lesezeit: 2 min
VW-Streik: Mehr als Zehntausend VW-Mitarbeiter im Warnstreik
VW-Zentrale in Wolfsburg: Mehr als Zehntausend VW-Mitarbeiter befinden sich im Warnstreik (Foto: dpa).

Tausende formierten sich zu einem Demonstrationszug durch das Stammwerk und versammelten sich vor dem Vorstandshochhaus. "Streikbereit! Bundesweit!", riefen sie in Sprechchören. In Zwickau und Emden trafen sich die Mitarbeiter zu Kundgebungen vor den Werkstoren, während in Braunschweig über Tausend Beschäftigte durch die Innenstadt marschierten.

VW-Streik: IG Metall warnt vor Eskalation

Der heutige VW-Warnstreik treffe Volkswagen empfindlich, sagte der IG-Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger in Wolfsburg. "Doch das ist nur ein Signal!" Sollte Volkswagen an seinen Forderungen festhalten, werde der Konflikt verschärft. "Wer die Belegschaft ignoriert, riskiert einen Flächenbrand - und wir wissen, wie man diesen entfachen kann!" Die nächste Verhandlungsrunde in einer Woche werde entscheidend, erklärte Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Falls nötig, sei man bereit, "einen Arbeitskampf zu führen, der zu Volkswagen passt".

In Zwickau betonte der IG-Metall-Bezirksleiter Dirk Schulze: "Wir kämpfen entschlossen um jeden Arbeitsplatz." Der Vorstand habe mit seinen Sparplänen "das Feuer bei Volkswagen gelegt". Nun "steht alles in Flammen". Die VW-Warnstreiks dauern pro Schicht etwa zwei Stunden und sollen in jeder Schicht erneut durchgeführt werden. Die IG Metall erhöht damit den Druck in der Auseinandersetzung um Lohnsenkungen, Werksschließungen und Stellenstreichungen. "Dieser Konflikt wurde uns nicht gewünscht – doch wir führen ihn entschlossen, solange der Vorstand nur auf Kürzungen und Entlassungen setzt", sagte Gröger. "Wenn nötig, wird das einer der härtesten Konflikte, den Volkswagen je erlebt hat."

Zu den Auswirkungen auf die Produktion äußerte sich Volkswagen zunächst nicht konkret. Das Unternehmen habe jedoch Maßnahmen getroffen, um die Folgen so gering wie möglich zu halten, erklärte ein Sprecher. Der Streit betrifft die Entlohnung der rund 120.000 Beschäftigten in den Volkswagen-Werken, die einem speziellen Haustarif unterliegen. Zusätzlich betrifft er über 10.000 Mitarbeiter von VW Sachsen, deren Tarif 2021 an den Haustarif angepasst wurde. VW fordert aufgrund der angespannten Konzernlage eine Lohnsenkung von zehn Prozent. Gleichzeitig sind Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen im Gespräch. Die IG Metall lehnt dies strikt ab und verlangt eine Zukunftsperspektive für alle Standorte ohne Kündigungen.

VW weist IG-Metall-Vorschlag zurück

Volkswagen betonte, das Streikrecht der Mitarbeiter zu respektieren, und strebe weiterhin eine einvernehmliche Lösung an. Inhaltlich bleibt der Konzern jedoch hart: Einen Sparvorschlag von IG Metall und Betriebsrat, der Kündigungen und Werksschließungen ausschließt, wies VW erst am Freitag als unzureichend zurück. Volkswagen begründet die geplanten Einschnitte mit hohen Kosten und einer niedrigen Auslastung. Angesichts der schleppenden Nachfrage nach Neuwagen müssten die Sparanstrengungen intensiviert werden. Laut Markenchef Thomas Schäfer seien Werksschließungen unausweichlich.

Am Wochenende endete bei Europas größtem Autobauer die Friedenspflicht, die Arbeitskämpfe untersagte. Der aktuelle Warnstreik ist der größte seit Jahren. Flächendeckende Ausstände an den großen Werken in Westdeutschland gab es zuletzt 2018, als sich laut IG Metall mehr als 50.000 Beschäftigte beteiligten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: „Blaue Welle“ lässt Aktienmärkte steigen – Ölpreise auf Talfahrt
04.11.2026

Erfahren Sie, wie die neuesten politischen Entwicklungen in den USA die Finanzmärkte bewegen und welche Branchen jetzt im Fokus stehen.

DWN
Politik
Politik Stromumlage ab 2031 geplant: Stromverbraucher sollen neue Gaskraftwerke finanzieren
04.11.2026

Elf Kraftwerksprojekte erhalten Geld dafür, Strom für Dunkelflauten bereitzuhalten. Die Kosten sollen auf alle Stromverbraucher umgelegt...

DWN
Technologie
Technologie Digitale Souveränität: Wie Trump Europas Cloud-Abhängigkeit offenlegt
04.11.2026

Europäische Unternehmen speichern ihre Daten in heimischen Rechenzentren und verlassen sich auf deren Sicherheit. Doch der...

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
04.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Die Amerikaner haben uns bislang erfolgreich gespalten
04.11.2026

Russland gilt seit Jahren als Meister der Einflussnahme auf Europa. Doch inzwischen richtet sich der Blick zunehmend auf Washington. Auch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau: 14 Prozent mehr Aufträge im September
04.11.2026

14 Prozent mehr Aufträge im September, vor allem aus dem Inland: Für den Maschinenbau ist das ein Hoffnungsschimmer. Doch der starke...

DWN
Politik
Politik Pleitewelle erwartet: Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Insolvenzen
04.11.2026

Die Finanzlöcher deutscher Krankenhäuser werden immer tiefer: Eine Welle von Klinik-Insolvenzen wird erwartet. Um gegenzusteuern, wollen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie reagiert die EZB? Inflationsrate in Eurozone steigt im Oktober auf 4,0 Prozent
04.11.2026

Die Inflation in der Eurozone ist im Oktober auf den höchsten Stand seit über drei Jahren gestiegen. Damit entfernt sich die Teuerung...