Politik

Herkules-Aufgabe bewerkstelligen: 16 Arbeitsgruppen für schwarz-rote Koalitionsverhandlungen

256 Politiker sollen jetzt das inhaltliche Programm einer künftigen schwarz-roten Regierung ausarbeiten – und das möglichst zügig. Die Gefahr, sich zu verheddern, wird mal wieder evident.
13.03.2025 09:18
Aktualisiert: 13.03.2025 09:50
Lesezeit: 2 min
Herkules-Aufgabe bewerkstelligen: 16 Arbeitsgruppen für schwarz-rote Koalitionsverhandlungen
Gespräche auf allen Ebenen: Saskia Esken, SPD-Bundesvorsitzende, Friedrich Merz, der Kanzlerkandidat und CDU-Bundesvorsitzende, Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender sowie Lars Klingbeil, SPD-Fraktions- und Bundesvorsitzender nach den Sondierungsgesprächen. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

CDU, CSU und SPD wollen mit 16 Arbeitsgruppen in ihre vertieften Verhandlungen über eine künftige Koalition starten. Die drei Parteien legten die Besetzung der Fach-AGs fest, denen jeweils 16 Personen angehören – sieben von der SPD, sechs von der CDU und drei von der CSU. Damit sollen insgesamt 256 Politikerinnen und Politiker aus Bund, Ländern und dem Europaparlament über die Inhalte eines schwarz-roten Regierungsprogramms beraten. Beginnen sollen die Koalitionsverhandlungen an diesem Donnerstag in der CDU-Zentrale.

Angepeilt wird, dass die Beratungen der AGs zehn Tage dauern sollen. Um die Verzahnung soll sich eine Steuerungsgruppe kümmern. Als Grundlage für die Verhandlungen hatten sich Union und SPD in Sondierungsgesprächen auf zentrale Punkte verständigt, es sind aber noch zahlreiche Fragen zu klären.

Die Aufstellung der SPD

Bei der SPD sind von den Ministerinnen und Ministern des bisherigen Ampel-Kabinetts alle entweder in einer AG oder in der Hauptverhandlungsgruppe dabei – mit Ausnahme von Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt. Auch Kanzler Olaf Scholz bleibt weiterhin außen vor. Er hatte gleich nach der Wahlniederlage erklärt, sich an der Bildung einer neuen Regierung nicht zu beteiligen.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verhandelt zum Beispiel mit in der AG "Gesundheit und Pflege". Innenministerin Nancy Faeser ist dagegen nicht in der AG "Inneres", sondern der für "Bürokratieabbau und Staatsmodernisierung". Von den SPD-Ministerpräsidenten sitzt Alexander Schweitzer (Rheinland-Pfalz) in der AG "Wirtschaft, Industrie, Tourismus". Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) und Anke Rehlinger (Saarland) sind in der Verhandlungsgruppe.

Die Aufstellung der CDU

Für die CDU sitzt kein Ministerpräsident in einer AG, Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer gehört aber zur Verhandlungsrunde. Generalsekretär Carsten Linnemann ist in der AG "Arbeit und Soziales", Fraktionsvize Jens Spahn in der Wirtschafts-AG. Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin und CDU-Vize Karin Prien verhandelt in der AG "Bildung, Forschung, Innovation", der CDU-Landeschef in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, in der AG "Digitales".

Die Aufstellung der CSU

Die CSU schickt neben Bundestagsabgeordneten eine ganze Riege bayerischer Kabinettsmitglieder - von Innenminister Joachim Herrmann in der AG "Innen, Recht, Migration und Integration" über Verkehrsminister Christian Bernreiter in der Verkehrs-AG bis zu Sozialministerin Ulrike Scharf in der AG "Arbeit und Soziales". Für die Agrar-AG wurde auch der CSU-Wunschkandidat für das Amt des Bundesagrarministers, Bayerns Bauernpräsident Günther Felßner, benannt.

Die Themengebiete

Für die Arbeitsgruppen haben die Parteien Fachbereiche gebündelt. So kommt in der AG zu ländlichen Räumen, Landwirtschaft und Ernährung auch das Gebiet Umwelt dazu. Eine andere AG vereint "Familie, Frauen, Jugend, Senioren und Demokratie", eine andere "Kommunen, Sport und Ehrenamt". Während es in der amtierenden Regierung ein eigenständiges Bauministerium gibt, wird dieser Bereich in der AG "Verkehr und Infrastruktur, Bauen und Wohnen" abgedeckt.

Ampel-Verhandlungen hatten 22 Arbeitsgruppen

Zum Vergleich: Bei den Koalitionsverhandlungen für die Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP hatte es 22 AGs gegeben, die aber unterschiedlich groß waren. Pro Partei waren es damals rund 100 Verhandler. Bei den Verhandlungen für die schwarz-rote Koalition 2018 waren es etwa 200 Verhandler in 18 AGs

Paralleles Ringen um Finanzpaket

Parallel zum Start der Koalitionsverhandlungen bemühen sich Union und SPD darum, ihr vereinbartes riesiges Finanzpaket für Verteidigung und Infrastruktur voranzubringen. Ebenfalls am Donnerstag wollen die Fraktionen dafür drei Grundgesetzänderungen noch in den alten Bundestag einbringen. Für die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit werden die Stimmen der Grünen benötigt, mit denen aber noch schwierige Verhandlungen darüber laufen.

Offen ist auch, wann und wie das Bundesverfassungsgericht über Klagen aus AfD und Linkspartei entscheidet, die sich gegen das Vorgehen noch im alten Bundestag wenden - statt den neugewählten zu befassen. Union und SPD wollen die Schuldenbremse für höhere Verteidigungsausgaben lockern und ein schuldenfinanziertes Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Investitionen in die Infrastruktur schaffen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BASF in China: Mega-Werk in Zhanjiang eröffnet – Wachstumschance oder riskante Wette?
25.03.2026

Der Chemieriese BASF setzt voll auf Expansion: Mit der offiziellen Eröffnung des neuen Verbundstandorts in Zhanjiang nimmt der...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Hammer 2026: Steigende Preise und Zins-Schock durch Iran-Krieg
25.03.2026

Immobilienkäufer stehen vor einer Doppelbelastung: Erstmals seit 2022 ziehen die Preise wieder an (+3,2 %), während der Iran-Krieg die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kalter Krieg um Energie: Risiko für die deutsche Wirtschaft – was Unternehmen jetzt ändern müssen
25.03.2026

Energie ist längst keine bloße Betriebskostenfrage mehr, sondern ein geopolitischer Machtfaktor. Wer jetzt nicht umdenkt, riskiert mehr...

DWN
Finanzen
Finanzen Rückenwind für die Ryanair-Aktie: Konkurrenz unter massivem Kostendruck
25.03.2026

Die Ryanair-Aktie profitiert von einem klaren Kostenvorsprung und einer nahezu schuldenfreien Bilanz im europäischen Billigflugmarkt. Doch...

DWN
Politik
Politik Reformstau unter Merz: Wackelt Schwarz-Rot nach der SPD-Wahlschlappe?
25.03.2026

Nach bitteren Wahlniederlagen und bei trüber Wirtschaftslage wächst der Druck auf die Regierung in Berlin. Während Kanzler Friedrich...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sterbender Einzelhandel: Tausende Geschäfte verschwinden aus deutschen Innenstädten
25.03.2026

Seit der Corona-Lockdowns verschärft sich die Krise des deutschen Einzelhandels weiter. Die Anzahl der Geschäfte soll 2026 sogar auf ein...