Politik

EU entwickelt Nato-Alternative zur Koordinierung der Ukraine-Hilfe

Angesichts der drohenden Blockade durch ein US-Veto in Bezug auf die Nato-Militärhilfekoordinierung für die Ukraine arbeitet die EU an einer möglichen Ausweichlösung. Was das genau bedeutet und welche Risiken damit verbunden sind.
19.03.2025 05:57
Lesezeit: 2 min

Ukraine-Hilfe: Neue Task Force als Nato-Alternative

Wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Rede in Kopenhagen mitteilte, wird eine gemeinsame Task Force mit der Ukraine gebildet, um die Beschaffung des ukrainischen Bedarfs zu erleichtern und die militärische Unterstützung zu bündeln.

Diese Aufgabe wird derzeit vom Nato-Ukraine-Kommando NSATU (Nato Security Assistance and Training for Ukraine) in Wiesbaden wahrgenommen. Es wurde im Sommer 2024 auf dem Nato-Gipfel in Washington ins Leben gerufen und ist für die Koordination von Waffenlieferungen und die Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte verantwortlich. Aus der EU-Kommission wurde mitgeteilt, dass die Aktivitäten der neuen Task Force mit der Nato abgestimmt werden und deren Arbeit ergänzen sollen.

US-Militärhilfen und mögliche Auswirkungen auf NSATU

Zuletzt gab es Spekulationen, dass im Falle einer erneuten Unterbrechung der US-Militärhilfe für die Ukraine Washington möglicherweise ein Ende von NSATU verlangen könnte. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump verfolgt das Ziel, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine schnell zu beenden. Ein Aus für das Nato-Engagement in der Ukraine könnte dabei eine der Forderungen Moskaus darstellen.

Details zu den EU-Plänen für die Task Force nannte von der Leyen nicht, betonte jedoch die Notwendigkeit, sich von den USA unabhängiger zu machen. „Wir können nicht länger auf die Sicherheitsarchitektur setzen, auf die wir uns bisher verlassen haben“, sagte die frühere deutsche Verteidigungsministerin. „Das Zeitalter der Einflusssphären und des Machtwettlaufs ist konkret und wahrhaftig zurück.“ In der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts und darüber hinaus werde sich eine neue Weltordnung herausbilden.

Europa muss sich für die Zukunft rüsten

Europa stehe vor einer entscheidenden Weichenstellung, erklärte von der Leyen. „Reagieren wir nur auf jede Herausforderung, kleinschrittig und vorsichtig? Oder sind wir bereit, diese Chance zu ergreifen, ein sichereres Europa zu bauen? Ein wohlhabendes und freies Europa, das in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen?“, fragte sie. Wenn Europa nicht zum bloßen Spielball der Geschichte werden wolle, müsse man jetzt handeln und große Schritte unternehmen. Nur so könne Europa bis 2030 die notwendige Stärke erreichen, um gegen Bedrohungen gewappnet zu sein.

Nato-Koordinierung als Teil der europäischen Strategie

Von der Leyen forderte konkret eine massive Steigerung der Verteidigungsausgaben und das Schließen von militärischen Fähigkeitslücken in Bereichen wie Luft- und Raketenabwehr, Drohnen sowie Künstlicher Intelligenz. Da der Umfang und die Komplexität dieser Projekte die Kapazitäten einzelner Mitgliedstaaten übersteigen, müsse Europa Großprojekte entwickeln und die gemeinsame Beschaffung verstärken.

Ein zentrales Thema, das von der Leyen ansprach, war die verstärkte Unterstützung der Ukraine. „Wir nennen das die Strategie des stählernen Stachelschweins. Wir müssen die Ukraine so stark machen, dass sie für potenzielle Eindringlinge unüberwindbar wird“, erklärte von der Leyen. Zu diesem Zweck wird auch die neue gemeinsame Task Force gegründet.

Europäische Verteidigungsstrategie und künftige Planungen

Die neue Task Force soll Teil der von der EU geplanten Verteidigungsstrategie für die Zukunft sein. Diese wird voraussichtlich am Mittwoch von der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas und Verteidigungskommissar Andrius Kubilius präsentiert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Greg Abel vor Bewährungsprobe: Anleger prüfen Berkshire Hathaway-Aktie
17.05.2026

Die Berkshire Hathaway-Aktie steht nach dem Machtwechsel von Warren Buffett zu Greg Abel vor einer neuen Vertrauensprobe. Kann der Konzern...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Kommission pocht auf Reformen bei ARD und ZDF
17.05.2026

Gehälterdeckel, Beitragsbremse, mehr Sparsamkeit: Eine Enquete-Kommission in Sachsen-Anhalt hat vor der Landtagswahl ehrgeizige Pläne...

DWN
Finanzen
Finanzen Trauringe aus Gold: Nachhaltig und fair Gold kaufen
17.05.2026

Viele Paare wünschen sich Trauringe aus Gold - möglichst hochwertig und langlebig. Doch die Herkunft des Edelmetalls spielt eine...

DWN
Panorama
Panorama Deutsche Bahn startet günstiges Familienticket für Sommerreisen
17.05.2026

Mit einem neuen Familienticket will die Deutsche Bahn Familien in den Sommerferien entlasten. Für unter 100 Euro sind Hin- und...

DWN
Immobilien
Immobilien Marode Gebäude und Brücken: Sanierungsstau in Berlin erreicht neue Dimensionen
17.05.2026

Von der Technischen Universität bis zum Schloss Bellevue: In Berlin häufen sich gravierende Baumängel und kostspielige...

DWN
Technologie
Technologie KI-Arbeitswelt: Wie Algorithmen den Menschen zur Restgröße machen
17.05.2026

Künstliche Intelligenz verspricht Entlastung, Effizienz und neue Chancen. Doch in der KI-Arbeitswelt zeigt sich eine andere Realität:...

DWN
Finanzen
Finanzen Eurokurs schwächelt weiter: Warum Währungsschwankungen für Unternehmen teuer werden
17.05.2026

Der Eurokurs steht seit vielen Monaten unter Druck – und für Unternehmen kann das langsam zum Problem werden. Zwischen geopolitischen...

DWN
Panorama
Panorama Trügerische Sicherheit: Warum Ihr Lieblingspasswort eine Gefahr ist
16.05.2026

Die meisten Internetnutzer wiegen sich in Sicherheit, während sie Hackern die Tür sperrangelweit offen stehen lassen. Obwohl die...