Panorama

Deutsche Bahn: Warum die Generalsanierung Jahre dauern wird

Unpünktlich, überlastet, marode: Die Bahn steckt fest. Die Bundesregierung will mit Milliarden gegensteuern – doch selbst optimistische Stimmen rechnen mit vielen weiteren Jahren voller Baustellen, Umleitungen und Ausfällen. Interne Pläne zeigen: Die angekündigte Sanierung wird nicht nur teuer, sondern auch deutlich später greifen als geplant. Was das für Bahnreisende bedeutet – und warum es kein schneller Ausweg ist.
24.04.2025 07:23
Lesezeit: 3 min
Deutsche Bahn: Warum die Generalsanierung Jahre dauern wird
Trotz Milliarden-Investitionen bleibt die Bahn die kommenden Jahre über unzuverlässig und unpünktlich. (Foto: dpa) Foto: Stefan Sauer

Marode Infrastruktur, verspätete Züge

Unpünktliche Züge, marodes Schienennetz: Die Deutsche Bahn steckt in einer Krise – und Union sowie SPD bereiten Bahnkunden auf weitere schwierige Jahre vor. "Es wird noch Zeit in Anspruch nehmen, bis die Bahn deutlich zuverlässiger und mit mehr Kapazitäten auf der Schiene unterwegs sein wird", sagte Isabel Cademartori, verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion der Deutschen Presse-Agentur. "Etwas anderes zu behaupten, wäre Augenwischerei."

Die bundeseigene Bahn habe zwar mit Milliardeninvestitionen den weiteren Verfall des maroden Netzes im vergangenen Jahr vorerst bremsen können. Aber eine echte Trendwende werde noch viele Jahre in Anspruch nehmen, sagte Unions-Fraktionsvize Ulrich Lange (CSU) der dpa. "Für die Bahnkunden bedeutet das ganz offen gesprochen, dass sie auch in den kommenden Jahren noch mit vielen Baustellen rechnen müssen. Und Baustellen bedeuten Einschnitte bei der Pünktlichkeit."

Zeitplan der Generalsanierung wackelt

Noch unter der alten Bundesregierung hat die Bahn die sogenannte Generalsanierung gestartet. Bis Anfang der 2030er Jahre sollen dabei mehr als 40 bedeutende Schienenkorridore umfassend modernisiert werden. Start war im vergangenen Jahr auf der Riedbahn – zwischen Frankfurt und Mannheim –, die dafür rund fünf Monate gesperrt worden war. In diesem Jahr soll die Strecke zwischen Berlin und Hamburg folgen.

Doch der Zeitplan für weitere Korridore könnte sich in den nächsten Jahren erneut verschieben. Die Nachrichtenplattform "The Pioneer" zitiert aus internen Unterlagen, wonach vor allem ab 2027 geplante Sanierungen erst später durchgeführt werden sollen. Die Bahn bestätigte die dort genannten Strecken nicht. "Konkrete Festlegungen werden erst nach Abstimmung mit dem Bund sowie der Bahn- und Baubranche getroffen", teilte der Konzern auf Anfrage mit.

Gleichwohl verwies die Bahn auf den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD, demzufolge die Sanierung der Hochleistungskorridore fortlaufend überprüft und angepasst werden soll. Für die Bahn gelte darüber hinaus, "die Ressourcen der Bauindustrie zu berücksichtigen sowie die Stabilität von Umleitungsverkehren zu gewährleisten", hieß es. Dass es zu Verschiebungen kommt, ist also durchaus absehbar.

Verfall des Netzes vorerst gebremst

2024 waren mehr als ein Drittel aller Fernzüge unpünktlich. Das liegt nicht nur – aber auch – am überlasteten und maroden Schienennetz. Schon unter der Vorgängerregierung waren deshalb viele zusätzliche Milliarden Euro bereitgestellt worden, um die Infrastruktur nach und nach wieder leistungsfähig zu machen.

Mit diesen Investitionen konnte die Bahn den weiteren Verfall des Netzes im vergangenen Jahr zumindest teilweise stoppen. Der Zustand der Infrastruktur ist weiterhin beklagenswert, wie aus dem jüngsten Netzzustandsbericht des Konzerns hervorgeht. Doch erstmals seit 2021 hat er sich nicht weiter verschlechtert.

"Das war zumindest ein kleiner Erfolg, und es waren die notwendigen Schritte in die richtige Richtung", so Cademartori. Dennoch: "Die deutlich teurer als erwartete Sanierung der Riedbahn hat uns erneut deutlich gezeigt, dass wir in der Zukunft effizienter in den Finanzierungsstrukturen werden müssen." Man stecke noch mitten in den Reformbemühungen. Es werde noch einige Jahre dauern, "bis wir umgesetzt haben, was wir den Bahnkundinnen und -kunden schuldig sind".

Neuer Infrastrukturfonds angekündigt

In ihrem Koalitionsvertrag hat die voraussichtliche neue Regierung einen Eisenbahninfrastrukturfonds angekündigt. "Es geht um eine auskömmliche, überjährige Finanzierung von Sanierungs- und Neubauprojekten, die nicht abhängig ist von jedem einzelnen Haushaltsjahr", sagte Lange.

Der Fonds solle gespeist werden aus den Einnahmen, die durch die Trassenpreise erzielt werden – das sind Gebühren für die Nutzung des Schienennetzes, eine Art Schienenmaut – sowie aus Mitteln aus dem Sondervermögen für die Infrastruktur. "Wir reden bei dem Fonds über eine Laufzeit von zwölf Jahren und einen Betrag im dreistelligen Milliardenbereich", betonte der Unions-Fraktionsvize.

Verband fordert rasche Entscheidungen

"Die Bahnkundinnen und Bahnkunden erwarten, dass jetzt schnell die richtigen Weichen gestellt werden", teilte der Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz pro Schiene, Dirk Flege, mit. "Das bedeutet, dass Schwarz-Rot in den ersten 100 Tagen Klarheit schaffen muss, wie der Fonds für die Schieneninfrastruktur aussehen soll." Es brauche eine auf Dauer angelegte Lösung. "Es wäre widersinnig, die Laufzeit auf die des Sondervermögens zu begrenzen", betonte Flege.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Zufall mit System: Die entscheidende Rolle von RNGs im Gaming

Viel mehr als Würfel-Glück: Erfahre, wie Zufallsgeneratoren von Slot-Klassikern bis hin zu KI-Welten für Fairness, Immersion und echten...

DWN
Finanzen
Finanzen ChatGPT geht an die Börse
09.06.2026

Der ChatGPT-Entwickler OpenAI steuert auf die Börse zu. Zugleich macht das Unternehmen aber deutlich, dass es sich für diesen Schritt...

DWN
Politik
Politik Analyse: Nein, es gibt keine Aussicht auf Frieden in der Ukraine
09.06.2026

Weder militärisch noch diplomatisch gibt es eine Aussicht auf einen Waffenstillstand, geschweige denn auf Frieden im Krieg zwischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Außenhandel gewinnt trotz Iran-Unsicherheit an Fahrt
09.06.2026

Chinas Exporte legen erneut kräftig zu. Der Außenhandel bleibt eine zentrale Stütze der Wirtschaft – und verschärft zugleich...

DWN
Politik
Politik EU plant Einreiseverbot für russische Ukraine-Kämpfer
09.06.2026

Ursula von der Leyen will mit neuen Sanktionen den Druck auf Russland weiter erhöhen. Diesmal rücken auch Soldaten in den Fokus – und...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX & Co: Warum sie trotz Kurswachstum nicht jetzt einsteigen sollten
09.06.2026

Das Ende einer neunwöchigen Aufwärtsbewegung der Indizes und die schlechteste Woche für Bitcoin seit 2022.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chefs, Stress und Traurigkeit: Wie unglücklich wir bei der Arbeit sind – und welche Lösungen es gibt
09.06.2026

Viele Beschäftigte sind der Meinung, jederzeit einen neuen Job finden zu können. Trotzdem wechseln nur wenige ihren Arbeitgeber, obwohl...

DWN
Politik
Politik Irland gerät wegen Russland-Exporten unter Druck
09.06.2026

Ein irisches Werk liefert offenbar Aluminiumoxid an einen russischen Konzern, dessen Produkte laut Recherchen in der Rüstungsindustrie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entlassungswelle: Kurz und schmerzhaft – wie Kündigungen in Deutschland ablaufen
09.06.2026

Kündigungen in Deutschland nehmen stark zu und viele Arbeitnehmer trifft eine Entlassung überraschend, schnell und oft ohne Abfindung....