Finanzen

DAX-Ausblick: Deutscher Aktienmarkt weiterhin im Zoll-Chaos – Berichtssaison nimmt Fahrt auf

Der weltweite Zollstreit dürfte auch in der kommenden Woche das Geschehen am deutschen Aktienmarkt prägen. "Aktuell ist alles an der Börse politisch", erklärte Jochen Stanzl von CMC Markets. "Die Anleger hoffen darauf, dass die positiven Nachrichten aus dem Tarifstreit nicht abreißen." Danahc sieht es allerdings derzeit nicht aus.
28.04.2025 09:10
Lesezeit: 2 min

DAX-Ausblick: Setzt der deutsche Leitindex seine Erholung fort?

Die Zölle könnten bei den kommenden Konjunkturdaten bereits Einfluss genommen haben und auch die hochlaufende Berichtssaison der Unternehmen entscheidend beeinflussen. Aufgrund des Tags der Arbeit am Donnerstag ist die Handelswoche in Deutschland abermals kürzer; am Freitag wird jedoch wieder gehandelt. Ob der DAX seine jüngste Erholung fortsetzen kann, wird stark von den Zoll-Verhandlungen zwischen den USA und China abhängen. Das unberechenbare Verhalten von US-Präsident Donald Trump erschwert es den Anlegern jedoch, die Lage richtig einzuschätzen. "Aktuell herrscht Unsicherheit darüber, ob und wann beide Seiten wieder miteinander sprechen und welche Zölle nun für was anfallen", sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei Robomarkets. Das Blatt könne sich daher schnell wieder wenden.

Zuletzt hatte US-Präsident Trump im Zollkonflikt etwas moderatere Töne angeschlagen. "Man sollte jedoch keine allzu großen Hoffnungen darauf setzen, dass er von seiner 'America First'-Politik abweicht", sagte Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg. Die laufende Erholung am Aktienmarkt dürfte daher nicht lange anhalten. Auch Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Dekabank, stellte klar, dass die jüngsten Verhandlungen nichts an der grundsätzlichen Agenda von Trump ändern würden. Er wolle die Weltwirtschaft weiterhin stärker zugunsten der USA ausrichten.

Unsicherheiten durch Zoll-Chaos: Leidet auch die US-Wirtschaft darunter?

Die durch den Zollstreit verursachte Unsicherheit könnte auch die US-Wirtschaft belasten. Am Mittwoch wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des ersten Quartals veröffentlicht. Robert Greil, Chefstratege bei Merck Finck, erwartet eine sinkende Wachstumsdynamik in den USA. Auch für Deutschland bleibt der Experte vorsichtiger als der Marktkonsens: "Es wird immer wahrscheinlicher, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge schrumpfen wird", schrieb er mit Blick auf das für denselben Tag erwartete deutsche BIP.

Ein Hoffnungsschimmer für Anleger in Zeiten schwächelnder Konjunktur könnten weitere Zinssenkungen sein. Kürzlich ließen Mitglieder der US-Notenbank Fed aufhorchen, da sie aufgrund von Trumps Zollpolitik einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in den USA befürchten und Zinssenkungen zur Stützung der Wirtschaft nicht ausschließen. Vor diesem Hintergrund wird der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag besonders viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

EZB: Zinssenkung möglich - Hoffnung für Anleger

Im Euroraum spielt der Europäischen Zentralbank eine weiterhin schwächere Inflation in die Karten. Simon Azarbayjani von der Landesbank Hessen-Thüringen, Helaba, geht davon aus, dass dieser Trend anhält. "Der Ölpreis hat zuletzt sehr entlastend gewirkt", bemerkte Azarbayjani. Während die Teuerung im Dienstleistungssektor stärker ansteigt, dürften die Preisanstiege für Güter gemäßigt bleiben. Frische Verbraucherpreisdaten aus der Eurozone stehen ebenfalls am Freitag auf der Agenda.

Neben den Hoffnungen auf Zoll-Lösungen und Zinssenkungen wies Thomas Altmann von QC Partners auf die laufenden Gespräche zwischen Russland und den USA zur Beendigung des Ukraine-Kriegs hin. Die Anleger hoffen weiterhin auf einen baldigen Frieden in der Ukraine, so Altmann. Diese Hoffnung könnte nach einem Gespräch von US-Präsident Donald Trump mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Rom am Wochenende gestützt werden.

DAX-Ausblick: Berichtssaison im Fokus

Die Berichtssaison nimmt nun auch in Deutschland richtig Fahrt auf. Im Laufe der Woche veröffentlichen neben zahlreichen Nebenwerten auch viele DAX-Unternehmen ihre Quartalszahlen, darunter auch Volkswagen (VW), Mercedes-Benz, BASF und die Deutsche Bank. Die Unternehmenszahlen der Berichtssaison fallen bislang besser aus als erwartet, berichten die Experten vom Index-Radar. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank zeigte sich jedoch skeptisch: "Derzeit kann kein Unternehmenslenker verlässlich prognostizieren, wie sich das Zoll-Chaos auf die Geschäftslage auswirken wird." Halver rechnet daher damit, dass pessimistische Töne die Unternehmensausblicke dominieren und sowohl Umsatz- als auch Gewinnwarnungen drohen.

Außerdem präsentieren Microsoft, Meta, Amazon und Apple ihre Quartalszahlen. Die großen US-Tech-Giganten mussten zwar aufgrund des Zollkonflikts besonders starke Verluste an der Börse hinnehmen, besitzen aber nach wie vor große Strahlkraft auf den Gesamtmarkt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Bayer-Aktie größter DAX-Gewinner: Milliarden-Vergleich könnte Rechtsrisiken entschärfen
17.02.2026

Ein Milliarden-Vergleich könnte jahrelange Rechtsrisiken bei Bayer entschärfen und dem Bayer-Aktienkurs weiteren Auftrieb verleihen. Doch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zekiwa-Insolvenz: Traditionsmarke in der Krise – Produktion der Zekiwa-Kinderwagen soll weiterlaufen
17.02.2026

Die Zekiwa-Insolvenz trifft eine Traditionsmarke, die Generationen von Familien geprägt hat. Sinkende Geburtenzahlen, steigende Kosten und...

DWN
Politik
Politik Sabotage in der Ostsee: NATO setzt verstärkt auf Unterwasserdrohnen
17.02.2026

Beschädigte Seekabel in der Ostsee rücken autonome Unterwasserdrohnen verstärkt in den sicherheitspolitischen Fokus der NATO-Staaten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrie unter Druck: Warum der Stellenabbau trotz Krise erst am Anfang steht
17.02.2026

Der Stellenabbau in der deutschen Industrie nimmt dramatische Ausmaße an. Hunderttausende Jobs stehen auf dem Spiel, besonders in...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Kursrückgänge bei Tech-Aktien nutzen – rutscht der Bitcoin-Kurs unter 60.000 US-Dollar?
17.02.2026

Technologieaktien stehen unter Druck, mutige Investoren könnten diese Kursrückgänge ausnutzen – und jetzt Tech-Aktien kaufen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ZEW-Konjunkturerwartungen fallen im Februar unerwartet: Trendwende rückt in weite Ferne
17.02.2026

Die aktuellen ZEW-Konjunkturerwartungen sorgen für Stirnrunzeln an den Märkten. Trotz zuletzt wachsender Hoffnungen auf eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niedrige Gasspeicher-Füllstände: Grüne kritisieren Ministerin Reiche – kommt die strategische Gasreserve?
17.02.2026

Deutschlands Gasspeicher-Füllstände sind ungewöhnlich niedrig, während der Winter andauert und politische Debatten an Schärfe...

DWN
Finanzen
Finanzen Südzucker-Aktie rutscht ab: Keine Südzucker-Dividende nach Abschreibungen – und weitere Probleme
17.02.2026

Wegen schwacher Märkte und einer überraschenden Entscheidung des Vorstands fällt die Südzucker-Dividende aus. Den Anlegern gefällt...