Wirtschaft

Die abgestürzten Börsenstars: Was tun, wenn die Raketen landen?

Die Illusion der Dauer-Rendite zerplatzt – Anleger zwischen politischem Versagen und technologischer Ernüchterung
01.05.2025 08:18
Lesezeit: 3 min
Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..
Die abgestürzten Börsenstars: Was tun, wenn die Raketen landen?
Verlorene Hoffnungen: Der Absturz von Börsenlieblingen wie Novo Nordisk, Nibe und Tesla zwingt Anleger zur Neuausrichtung ihrer Strategien. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Der Hype ist vorbei – was bleibt, ist Unsicherheit. Die einstigen Börsenlieblinge Novo Nordisk, Nibe und Tesla haben dramatisch an Wert verloren. Hunderttausende Kleinanleger stehen nun vor der Frage: Halten, verkaufen oder sogar nachkaufen?

In Zeiten massiver Marktverzerrungen durch Notenbanken, geopolitischer Brüche und technologische Machtkämpfe werden Investoren zunehmend zwischen Hoffnung und Realität zerrieben. Besonders betroffen: Aktien, die von politischen Versprechen, spekulativen Visionen oder einem technologischen Heilsversprechen lebten – und nun auf dem harten Boden der Realität angekommen sind.

Novo Nordisk: Ein Pharmariese am Scheideweg

Der dänische Pharmakonzern galt lange als Wachstumswunder – getragen vom Hype um Diabetes- und Adipositasmedikamente. Doch nun ist die Aktie um 60 Prozent gefallen. Der Grund: Der US-Konkurrent Eli Lilly zieht in Studien davon, und die Märkte zweifeln an der Vormachtstellung der Dänen. Die Bewertung von Novo ist nun auf einem historischen Tiefstand – und für einige Investoren ein klassischer „Value Call“.

Anders Bruzelius, Manager beim skandinavischen Fonds Tellus Fonder, bleibt gelassen: „Die fundamentalen Rahmenbedingungen haben sich nicht radikal geändert. Es ist ein Bewertungsfall – kein Zusammenbruch des Geschäftsmodells.“ Seine Botschaft: Wer bereits investiert ist, sollte nicht panisch verkaufen, sondern abwarten. Ein Einstieg für Neuinvestoren? „Nur bei neuen, positiven Signalen“, so der Fondsprofi.

Noch optimistischer ist SEB-Stratege Esbjörn Lundevall: „Die Märkte unterschätzen Novo Nordisk dramatisch.“ Mit einem Kursziel von 850 Dänischen Kronen – mehr als eine Verdopplung – wird Novo zur Kaufgelegenheit erklärt. Der Pharmakonzern könnte also ein typischer Fall von Marktübertreibung nach unten sein.

Nibe: Der grüne Traum, der politisch verdunstet

Der schwedische Wärmepumpenhersteller Nibe hat es besonders hart getroffen. Vom Allzeithoch aus verlor die Aktie rund 70 Prozent. Der Grund liegt nicht nur in operativen Problemen – sondern vor allem in der Politik.

„Die Politik hat getäuscht“, sagt Lundevall. Erst wurden mit großem Pathos Investitionen in die Energiewende angekündigt – dann folgte der Rückzug. Förderungen blieben aus, Märkte brachen ein, Investitionen liefen ins Leere. Der Börse ist klar: Die Wärmepumpenindustrie wurde zum Spielball politischer Willkür.

Die Aktie bleibt hoch bewertet, sagt SEB. Eine Halteempfehlung mit Tendenz zum Tausch – vorzugsweise gegen Novo Nordisk. Ein klares Urteil: In einem Umfeld, in dem politische Zusagen nichts mehr zählen, verliert der grüne Technologietraum seine Strahlkraft.

Doch nicht alle schreiben Nibe ab. Bruzelius bleibt vorsichtig optimistisch: „Der Markt könnte sich erholen, wenn die Energieinfrastrukturprojekte in Europa ernsthaft anlaufen.“ Noch ist es aber zu früh für einen Einstieg. Ein klares Signal aus dem Q1-Bericht ist erforderlich – sonst bleibt die Aktie im Wartemodus.

Tesla: Zwischen Hype, Politik und chinesischem Gegenwind

Tesla – einst Symbol der grünen Wende und technologischer Disruption – steht unter massivem Druck. Vom Hoch bei über 450 Dollar fiel die Aktie auf unter 300 – und das binnen weniger Monate. Die Ursache ist vielschichtig: Unsicherheit über die Rolle von Elon Musk in der Politik, chinesische Konkurrenz und eine völlig überhitzte Bewertung.

„Tesla war nie ein klassischer Autobauer, sondern ein technologisches Versprechen“, sagt Bruzelius. Doch dieses Versprechen wird brüchig – autonome Fahrfunktionen bleiben Zukunftsmusik, während BYD und andere Konkurrenten den Preiskampf eröffnen.

Zwar konnte sich die Aktie nach dem letzten Quartalsbericht etwas erholen – doch das Vertrauen ist fragil. Investoren müssen die Tweets von Musk ebenso genau verfolgen wie die Fundamentaldaten. Für professionelle Investoren wie Tellus ist Tesla derzeit kein Thema: „Wir haben alle Magnificent-7-Aktien – nur Tesla nicht“, sagt Bruzelius.

Fazit: Was tun?

In einer Zeit, in der Märkte nicht mehr allein durch Fundamentaldaten, sondern durch geopolitische und politische Verschiebungen getrieben werden, müssen Anleger umdenken.

  • Novo Nordisk bietet Potenzial – aber nur für Geduldige.
  • Nibe ist ein Lehrstück für das Versagen grüner Industriepolitik.
  • Tesla bleibt eine Spekulation auf Elon Musk – mit allen Risiken.

Die Profis setzen auf selektives Halten, strategisches Abwarten – und den Mut zur klaren Trennung von Hoffnung und Realität.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienerwerb: Umfrage offenbart Wissenslücken beim Immobilienkauf
31.08.2025

Der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung kann schnell Hunderttausende Euro kosten, doch viele Menschen kennen wichtige Bedingungen nicht....

DWN
Finanzen
Finanzen Polen setzt auf Atomenergie: Orlen verspricht den Bau des ersten SMR-Reaktor Europas
31.08.2025

Polen baut Europas ersten Small Modular Reactor (SMR) vom Typ BWRX-300. Während Warschau auf Kernkraft setzt, könnte Deutschland bald...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fossiles Heizen: Explodieren die Preise 2027?
30.08.2025

Seit Jahren herrscht ein Kampf in Europa: Wie kann man die klimaschädlichsten Aspekte des Gebäudesektors in Angriff nehmen und...

DWN
Finanzen
Finanzen Wird die Grundsteuer erhöht? Zu viele Ausgaben, zu wenig Einnahmen - deutsche Kommunen vorm finanziellen Kollaps
30.08.2025

Fast neun von zehn Städten und Gemeinden in Deutschland droht in absehbarer Zeit die Pleite, wie der Stadt Moers in NRW. Die Kommunen...

DWN
Technologie
Technologie Atomkraftwerke in Deutschland: Rückbau "läuft auf Hochtouren"
30.08.2025

Seit dem endgültigen Atomausstieg läuft in Deutschland der Rückbau von Kernkraftwerken. Doch wie weit ist dieser Prozess tatsächlich?...

DWN
Finanzen
Finanzen Erneuerbare Energien-ETF: Vergleich – wie Anleger am besten vom globalen Energieumbruch profitieren können
30.08.2025

Der weltweite Energieumbruch verändert Märkte, Technologien und Kapitalströme – und die globale Energiewende ist längst Realität....

DWN
Technologie
Technologie Europas Energie aus dem All: Die Sonne könnte 80 Prozent liefern
30.08.2025

Forscher sehen eine radikale Lösung für Europas Energiekrise: Solarkraftwerke im All sollen bis 2050 vier Fünftel des Bedarfs decken –...

DWN
Technologie
Technologie Retro-Revival: Warum die Kassette ein Comeback erlebt
30.08.2025

Retro ist wieder in – und die Musikkassette steht dabei im Mittelpunkt. Einst totgeglaubt, erlebt sie heute ein überraschendes Comeback....