Politik

Anti-Trump-Plan: Halbe Milliarde Euro für Forschungsfreiheit in Europa

Während US-Präsident Trump den Druck auf Hochschulen erhöht, setzt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf gezielte Anreize für Wissenschaft, um die Forschungsfreiheit in Europa zu stärken. Dafür stellte sie neue Maßnahmen vor.
08.05.2025 09:47
Lesezeit: 1 min

Forschungsfreiheit: Wissenschaftler mit Geld nach Europa locken

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will mit einem Millionenpaket in Höhe von 500 Millionen Euro gezielt mehr Forscherinnen und Forscher nach Europa holen. "Wir müssen die richtigen Anreize setzen", sagte sie in ihrer Ansprache an der Pariser Universität Sorbonne. Das Programm soll von 2025 bis 2027 laufen und Europa als Standort für internationale Wissenschaft attraktiver machen. Der Vorschlag fällt in eine Zeit, in der US-Präsident Donald Trump mit wachsendem Druck auf amerikanische Universitäten reagiert.

Von der Leyen betonte, dass die Forschungsfreiheit und Investitionen in freie Wissenschaft zunehmend hinterfragt würden. "Was für eine gigantische Fehleinschätzung." Sie kündigte an, die Forschungsfreiheit rechtlich fest verankern zu wollen. Konkrete gesetzliche Regelungen nannte sie jedoch zunächst nicht.

Langfristige Förderung als Anreiz für Wissenschaft

"Wer sich für Europa entscheidet, wird besser bezahlt und bekommt längerfristige Verträge", so von der Leyen. Für Spitzenforscher seien Stipendien mit einer Laufzeit von sieben Jahren vorgesehen. Darüber hinaus solle laut von der Leyen die Einreise erleichtert und der Zugang zum europäischen Wissenschaftsmarkt beschleunigt werden. Auch die Vermarktung von Forschungsergebnissen solle optimiert werden, um Anreize für Wissenschaft weiter zu stärken.

In den Vereinigten Staaten hat Präsident Trump bereits in den ersten Monaten seiner zweiten Amtszeit mehrere Budgetkürzungen und Personalabbau in der Forschung beschlossen. Besonders betroffen sind renommierte Hochschulen, denen er eine politisch linksliberale Ausrichtung unterstellt. Dies gilt als direkter Angriff auf die Forschungsfreiheit in den USA.

Macron warnt vor Gefährdung der Wissenschaftsfreiheit

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nutzte die Vorstellung des europäischen Programms, um Trumps Haltung scharf zu kritisieren. "Es gibt keine Demokratie, die lange Bestand hat, wenn es keine freie, offene Wissenschaft gibt."

Macron machte deutlich, dass ohne objektive Fakten keine offene Gesellschaft bestehen könne. Es dürfe nicht geschehen, dass Politiker willkürlich festlegen könnten: "Das ist wahr, das ist falsch", erklärte er. "Wir glauben nicht an ein Entscheidungsmodell, das nur auf dem Diktat einiger weniger beruht." Die Wahrung der Forschungsfreiheit sei für Demokratien zentral.

Macron appellierte schließlich direkt an US-Forschende: "Wenn Sie die Freiheit lieben, kommen Sie nach Europa. Helfen Sie uns, unsere Forschungsfreiheit zu verteidigen, hier zu forschen und besser zu werden. Helfen Sie uns, unsere Zukunft durch Wissenschaft zu gestalten."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Rentenerhöhung 2026: Renten steigen um 4,24 Prozent
30.04.2026

Bald fließt mehr Geld auf die Konten der Rentnerinnen und Rentner. Ihre Bezüge werden spürbar angehoben. Weichen zur künftigen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen OpenAI unter Kostendruck: Microsoft verliert Exklusivrechte
30.04.2026

OpenAI gerät im KI-Markt unter wachsenden Druck und stellt die enge Partnerschaft mit Microsoft neu auf. Wie weit kann sich der...

DWN
Politik
Politik Moskau: Selenskyj provoziert Atomkrieg
29.04.2026

Das russische Außenministerium hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj das Heraufbeschwören eines Atomkriegs vorgeworfen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Märkte uneinheitlich, während Händler auf Quartalszahlen warten
29.04.2026

Spannung an der Wall Street: Was Anleger jetzt wissen müssen

DWN
Politik
Politik Gesundheitsreform auf dem Weg: Das sind die wichtigsten Änderungen
29.04.2026

Die Bundesregierung hat die Gesundheitsreform auf den Weg gebracht. Der Gesetzesentwurf bringt für Versicherte zahlreiche Änderungen –...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Warum die Notenbank plötzlich umschwenken könnte
29.04.2026

Die EZB steht vor einer heiklen Leitzinsentscheidung, die die Märkte nervös macht. Eine Zinserhöhung im Juni gilt plötzlich als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bitumenpreis in Europa steigt: Iran-Krieg verteuert Straßenbau
29.04.2026

Der Iran-Krieg treibt den Bitumenpreis nach oben und verschärft die Kostenlage in Europas Bauwirtschaft. Wie stark können steigende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland verliert Zuversicht: AfD nutzt Stimmungskrise
29.04.2026

Deutschlands Wirtschaft verliert erneut an Zuversicht, während schwache Konjunkturdaten und der Aufstieg der AfD den Druck auf die...