Finanzen

Silberpreis bleibt hinter Gold zurück – kommt jetzt die Aufholjagd?

Während Gold auf neue Rekorde zusteuert, bleibt Silber deutlich zurück. Doch gerade diese Differenz könnte Anlegern eine historische Chance bieten – denn die Geschichte zeigt: Wenn Silber aufholt, dann schnell und kräftig. Was Investoren jetzt wissen müssen.
14.05.2025 08:13
Lesezeit: 3 min

Silberpreis hinkt hinterher

Während Goldpreis auf Rekordjagd ist, hinkt Silber deutlich hinterher. Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis um rund 25 Prozent gestiegen, während Silber lediglich etwas über zehn Prozent zulegen konnte. Auch im Jahresvergleich verblasst die Performance von Silber: Gold hat in den letzten zwölf Monaten um 41 Prozent zugelegt, Silber dagegen nur um 22 Prozent – eine respektable Entwicklung, die jedoch im Glanz des „gelben Metalls“ verblasst.

Einige Marktbeobachter sehen gerade in dieser Differenz eine Chance. Die Geschichte zeigt, dass der Silberpreis der Entwicklung von Gold häufig mit Verzögerung folgt. Das könnte auch diesmal der Fall sein – sofern sich historische Muster wiederholen.

Silber – Edelmetall mit Doppelfunktion

Silber ist eine besondere Anlageklasse mit zwei Gesichtern: Einerseits zählt es zu den klassischen „sicheren Häfen“ – ähnlich wie Gold – und wird in Zeiten geopolitischer Unsicherheit oder wirtschaftlicher Instabilität nachgefragt. Andererseits ist Silber eine stark industrienahe Ware. Mehr als die Hälfte der globalen Nachfrage nach Silber kommt aus dem industriellen Sektor. Diese Doppelfunktion macht Silber empfindlicher gegenüber Konjunkturdaten als Gold.

So ist es kaum verwunderlich, dass Silber am 2. April, als US-Präsident Trump neue Zölle ankündigte, massiv unter Druck geriet. Gold hingegen konnte von der gestiegenen Unsicherheit profitieren. Doch sobald sich die wirtschaftliche Lage wieder stabilisiert, kann Silber zumeist rasch aufholen.

Historisches Ungleichgewicht – ist Silber zu billig?

Das derzeitige Verhältnis zwischen Gold- und Silberpreis ist historisch hoch. Eine Unze Gold entspricht derzeit mehr als 100 Unzen Silber – das langfristige Durchschnittsverhältnis liegt dagegen bei 68. Barron’s (ein Ableger des Wall Street Journal) sieht darin eine mögliche Überbewertung von Gold oder eine extreme Marktverzerrung im Vorfeld wirtschaftlicher Verwerfungen.

Im Frühjahr 2021 lag das Verhältnis noch bei 66, vor einem Jahr bei 77. Solche Extremwerte könnten auf eine bevorstehende Rezession hindeuten – oder auf eine massive Unterbewertung von Silber. Sollte es zu einer Rückkehr zum historischen Mittelwert kommen, könnten sich verschiedene Szenarien ergeben: Eine Preiskorrektur bei Gold, eine starke Preisrallye bei Silber – oder ein gleichzeitiger Absturz beider Edelmetalle.

Ein Blick zurück zeigt, dass solche Ungleichgewichte bereits mehrfach Wendepunkte markierten. Im März 2020, auf dem Höhepunkt der Pandemie-Panik, erreichte das Verhältnis 113. In den zwölf Monaten danach stieg der Goldpreis um acht Prozent – Silber hingegen um beeindruckende 73 Prozent.

Auch nach der Finanzkrise 2008 oder dem Markteinbruch 2016 folgten Phasen extremer Divergenz, die später von einer starken Silberhausse ausgeglichen wurden.

Gold bleibt im Vorteil – vorerst

Trotz aller historischen Parallelen: Experten bei Goldman Sachs bleiben skeptisch. Ihrer Einschätzung nach wird Silber auch weiterhin hinter Gold zurückbleiben. Gründe seien eine rückläufige Nachfrage aus der chinesischen Solarindustrie, die Rezessionsgefahr und starke Goldkäufe durch Zentralbanken.

Ihre Prognose: Der Goldpreis wird bis Jahresende 3.700 US-Dollar pro Unze erreichen – und bis Mitte 2026 auf 4.000 Dollar steigen. In einem Extremszenario, das eine politische Schwächung der US-Notenbank und Änderungen in der globalen Goldreserve-Strategie umfasst, könnte Gold sogar auf 4.500 Dollar klettern.

Dennoch gilt: Auch wenn Silber nicht mithalten kann, könnte es von der generellen Aufwertung der Edelmetalle profitieren. In diesem Fall stiege der Preis für beide – Gold stärker, Silber verzögert, aber möglicherweise dynamischer.

Wie man in Silber investieren kann

Wer in Silber investieren möchte, hat mehrere Optionen. Der größte ETF in Europa ist der WisdomTree Physical Silver, dessen Kurs in den letzten drei Monaten um 15,4 Prozent gestiegen ist. Weitere beliebte Produkte sind iShares Physical Silver und Invesco Physical Silver.

Alternativ können Anleger in Silberminen-Aktien oder entsprechende ETFs investieren. So legte etwa der Global X Silver Miners UCITS ETF, der auch in Europa verfügbar ist, im vergangenen Jahr um 25,4 Prozent zu.Silber bleibt volatil – doch gerade darin könnte für risikobewusste Investoren das Potenzial liegen.

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