Politik

Grüne kritisieren Wadephuls Aussage zu Verteidigungsausgaben als "naiv"

Verteidigungsausgaben sollen auf fünf Prozent steigen – ein Vorschlag, der Deutschland spaltet. Doch wie realistisch ist dieses Ziel? Und welche Folgen hätte es für Haushalt und Gesellschaft?
16.05.2025 11:08
Lesezeit: 2 min

Wie viele Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollen künftig in die Verteidigungsausgaben fließen? Außenminister Wadephuls Aussage über eine Anhebung auf fünf Prozent entfacht eine kontroverse Debatte.

Wadephul stützt sich auf Vorschlag von Nato-Generalsekretär Mark Rutte

Die Opposition übt heftige Kritik an Außenminister Johann Wadephul (CDU), der sich für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent der Wirtschaftsleistung ausspricht. Die Grünen sehen darin eine riskante Anbiederung an US-Präsident Donald Trump und fordern stattdessen eine belastbare Planung, die sich an den Beschlüssen des Nato-Gipfels im Juni orientiert. Bereits am Donnerstag hatten sich SPD-Parteichef Lars Klingbeil und Verteidigungsminister Boris Pistorius vorsichtig zu Wadephuls Aussage geäußert.

"Es erscheint doch recht naiv, wenn Außenminister Wadephul meint, er könne sich bei Präsident Trump beliebt machen, indem er ohne Grundlage und entgegen dem Koalitionsvertrag mit großen Zahlen operiert", sagte Grünen-Fraktionsvize Agnieszka Brugger gegenüber der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". "Erforderlich ist vielmehr eine fundierte Planung, die auf den überarbeiteten Verteidigungsplänen der Nato basiert, die in wenigen Wochen beschlossen werden."

Wadephuls Aussage fiel am Donnerstag, als er bei einem Nato-Treffen in der Türkei Trumps Forderung nach höheren Verteidigungsausgaben unterstützte. Seinen Worten zufolge sei dies notwendig. CDU-Politiker Wadephul stützte sich dabei auf einen Vorschlag von Nato-Generalsekretär Mark Rutte, der Militärausgaben in Höhe von 3,5 Prozent und zusätzlich 1,5 Prozent für militärisch nutzbare Infrastruktur wie Schienennetze, Brücken oder Häfen einplant – zusammengenommen fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Doch nicht nur die Opposition, auch die Koalitionspartei SPD reagierte irritiert auf Wadephuls Aussage.

Klingbeil und Pistorius pochen auf Nato-Ziele

SPD-Vorsitzender Klingbeil stellte in Berlin klar, dass laut Koalitionsvertrag die Nato-Fähigkeitsziele der Maßstab seien. Die endgültige Entscheidung hierzu falle beim Nato-Gipfel. "Und dann wird Deutschland diese Ziele erfüllen", so der neue Finanzminister. Innerhalb der Koalition solle man sich strikt an den Koalitionsvertrag halten.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) betonte am Abend: "Wichtiger als bloße Prozentwerte ist, dass die beschlossenen Nato-Fähigkeitsziele rasch, umfassend und termingerecht erreicht werden." Natürlich werde es Diskussionen um drei Prozent oder mehr geben.

Merz sieht Prozentzahlen als "Hilfskonstruktion"

Bundeskanzler Friedrich Merz versuchte am Abend, die aufgeheizte Debatte zu dämpfen. "Diese ganze Diskussion über Prozentzahlen des BIP ist eine Hilfskonstruktion, um grobe Orientierung bei den Verteidigungsausgaben zu bieten", erklärte der CDU-Chef in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner".

Statt Prozentwerten solle der Fokus auf konkreten militärischen Fähigkeiten liegen: "Europa muss in der Lage sein, seinen Kontinent eigenständig verteidigen zu können." Die Forderung von Trump nach fünf Prozent kommentierte Merz ebenso wenig wie Wadephuls Aussage.

Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) äußerte sich gegenüber "Bild": Falls der Nato-Gipfel "eine neue Zielmarke für die Höhe der Verteidigungsausgaben vorgibt, wird dies für uns maßgeblich sein." Weiter sagte er: "Das wurde so vereinbart und ist der Kontext, in dem die Aussage des Außenministers zu verstehen ist."

Linke nennt Pläne zu Verteidigungskosten "Wahnsinn"

Deutliche Ablehnung kam auch von der Linken. "Das ist doch Wahnsinn – wer soll das alles finanzieren? Selbst wenn man die Schuldenbremse außer Kraft setzt, muss es irgendjemand bezahlen", kritisierte Parteichef Jan van Aken im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Für eine europäische oder nationale Verteidigung seien derart hohe Verteidigungskosten nicht nötig. Es sei ungerecht, wenn wegen der Umsetzung von Wadephuls Aussage am Ende kein Geld mehr für Bildung, Pflege oder Infrastruktur vorhanden sei – während die Ärmsten zahlen müssten.

Gleichzeitig wird eingeräumt, dass ein Teil der mit fünf Prozent bezifferten Ausgaben für Infrastruktur auch zivil nutzbar sei – was ohnehin Kosten verursacht hätte. Aktuell sieht das Nato-Ziel bei den Verteidigungsausgaben jährlich mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor. Deutschland erreichte dieses Ziel 2024 knapp – andere Länder wie Italien, Spanien, Belgien oder Luxemburg blieben bisher deutlich darunter.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ESG-Investitionen unter Druck: Was der amerikanische Rückzug für europäische Anleger bedeutet

Die Entscheidung mehrerer grosser amerikanischer Vermögensverwalter, sich aus ESG-bezogenen Investitionsallianzen zurückzuziehen, hat in...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milan Nedeljković als neuer CEO: Warum die BMW-Aktie auf operative Stärke setzt
13.05.2026

Die BMW-Aktie rückt mit Milan Nedeljković in eine neue Bewährungsphase, in der operative Stärke und industrielle Präzision mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hoffnung auf 1.000 Euro zerstört: Unionsfraktion verweigert Arbeitnehmern die Entlastungsprämie
13.05.2026

Die geplante steuerfreie Entlastungsprämie für Arbeitnehmer wird nicht kommen. Nachdem der Bundesrat das Vorhaben bereits gestoppt hatte,...

DWN
Politik
Politik Putin in der Zwickmühle: Russische Wirtschaft verliert an Spielraum
13.05.2026

Putin steht im Ukraine-Krieg zunehmend unter Druck, während Russlands Wirtschaft trotz hoher Öleinnahmen an Stabilität verliert. Kann...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: US-Inflation, Dollar und Renditen bremsen den Goldkurs
13.05.2026

Nach einer starken Vorwoche verliert Gold wieder an Schwung. Ausgerechnet die jüngsten US-Konjunkturdaten sorgen für Gegenwind und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krankheitswelle: Warum die E-Krankschreibung nicht der Sündenbock ist
13.05.2026

Die Rekordzahlen bei den Fehltagen liegen laut aktuellen Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) weniger an der...

DWN
Politik
Politik Mageres Ergebnis nach Nachtsitzung: Koalition vertagt Reform-Details
13.05.2026

Sechs Stunden Verhandlungsmarathon, aber kaum konkrete Beschlüsse: Union und SPD haben sich im Kanzleramt zwar auf einen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VDA warnt: Autoindustrie steht vor massivem Stellenabbau bis 2035
13.05.2026

Die Sorgen um den Wirtschaftsstandort Deutschland wachsen weiter. Während die Autoindustrie tausende Jobs gefährdet sieht, warnen auch...

DWN
Politik
Politik Wahlumfrage in MV: AfD bleibt vorne, SPD holt auf
13.05.2026

Vier Monate vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sorgt eine neue Wahlumfrage für Bewegung im Parteienfeld. Während die AfD klar...