Finanzen

Thyssenkrupp-Aktie steigt: Sparten beim Industriekonzern sollen eigenständiger agieren

Die Thyssenkrupp-Aktie zieht an – doch was steckt hinter dem Konzernumbau? Der Traditionskonzern will seine Struktur radikal ändern. Ist das der Beginn einer neuen Ära?
26.05.2025 18:17
Lesezeit: 2 min

Thyssenkrupp-Sparten sollen eigenständiger agieren – doch nicht vollständig

Der Industriekonzern Thyssenkrupp arbeitet weiter an seiner Neuausrichtung: Nach dem Umbau der Stahl- und Marinesparte sollen in den nächsten Jahren auch die übrigen drei Geschäftsbereiche in eine eigenständige Struktur überführt werden. Künftig solle die Thyssenkrupp AG als strategische Konzernführung mit eigenständigen Geschäftseinheiten agieren, erklärte das Unternehmen in Essen. Mehrheitliche Beteiligungen an den Sparten wolle man dennoch beibehalten.

Noch in diesem Jahr soll der Vorstand das Konzept, das unter dem Titel „Zukunftsmodell“ läuft, dem Aufsichtsrat präsentieren. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung über die Pläne zur Umwandlung in eine Holding berichtet.

"Im Zentrum der Strategie steht die schrittweise Verselbstständigung sämtlicher Geschäftsbereiche von Thyssenkrupp und die Öffnung für externe Beteiligungen", teilte das Unternehmen mit. Erste Schritte wie der Verkauf eines Minderheitsanteils an Thyssenkrupp Marine Systems und das geplante Joint-Venture im Stahlbereich seien bereits erfolgt. Die Börse reagierte positiv: Am Montag stieg die Thyssenkrupp-Aktie bis zum späten Nachmittag um rund 8,2 Prozent auf 9,34 Euro.

IG Metall: Wandel nur unter klaren Bedingungen

Von IG Metall und Arbeitnehmervertretungen kam vorsichtige Zustimmung. Einer strategischen Neuausrichtung wolle man sich nicht verschließen, erklärten IG Metall und Konzernbetriebsrat gemeinsam. Gleichzeitig fordere man, dass die Veränderungen unter bestimmten Leitlinien ablaufen, „um Perspektiven für die betroffenen Bereiche zu sichern und langfristige Arbeitsplätze zu schaffen“.

Die Arbeitnehmervertretung kritisierte, bisher nicht angemessen in die Pläne einbezogen worden zu sein. „Wir erwarten, dass Thyssenkrupp hier nachbessert und die Vorhaben den zuständigen Gremien umfassend und zeitnah vorlegt.“

„Ein zerschlagener Konzern, der schrittweise an die Börse gebracht wird – ohne tragfähige Zukunftsbilder für Belegschaften und Standorte – ist für uns nicht akzeptabel“, sagte Jürgen Kerner, stellvertretender Aufsichtsratschef und zweiter Vorsitzender der IG Metall. „Wir fordern verbindliche Aussagen zu Beschäftigungssicherung und Standortgarantien. Kündigungen aus betrieblichen Gründen lehnen wir strikt ab.“

Auch Material- und Automobilsparten im Fokus

Künftig sollen laut Unternehmen auch die Bereiche Werkstoffe und Autoteile börsenfähig gemacht werden. Die Eigenständigkeit folge, sobald die Voraussetzungen dafür gegeben seien. Das noch junge Segment „Decarbon Technologies“, in dem Thyssenkrupp seine CO2-senkenden Technologien bündelt, solle ebenfalls eigenständig aufgestellt werden, „sobald der Markt für grüne Technologien dynamischer wird“.

Abgesehen vom Stahl-Joint-Venture plane Thyssenkrupp grundsätzlich, bei Erreichen der Börsenreife Mehrheitsbeteiligungen zu behalten. Ziel sei die Etablierung eines schlanken, agilen Industriekonzerns mit klarer Struktur. Die Thyssenkrupp AG solle dabei als steuernde Konzernholding agieren, deren Beteiligungen eigenverantwortlich arbeiten.

„Die strategische Neupositionierung von Thyssenkrupp verfolgen wir entschlossen weiter“, sagte Vorstandschef Miguel López. Die Eigenständigkeit der Geschäftsbereiche werde unternehmerische Flexibilität, Ergebnisverantwortung und Transparenz für Investoren erhöhen. „Gleichzeitig bleibt die Thyssenkrupp AG in der Kontrolle und partizipiert an der zukünftigen Wertentwicklung.“

Thyssenkrupp-Aktie im Aufwind: Hoffnung für Belegschaft

Der Umbau solle den weltweit knapp 96.000 Beschäftigten von Thyssenkrupp neue Perspektiven eröffnen. „Mit der Schaffung optimaler Entwicklungsbedingungen für die einzelnen Bereiche ermöglichen wir den Menschen bei Thyssenkrupp eine sichere Zukunft“, sagte Personalvorstand Wilfried von Rath.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung reagierte zurückhaltend auf die Mitteilung. Thyssenkrupp müsse als Ganzes zukunftssicher und wettbewerbsfähig bleiben, betonte ein Regierungssprecher. Man stehe hierzu in engem Kontakt mit Geschäftsführung, Arbeitnehmerseite und weiteren Beteiligten. Entscheidungen zur Umstrukturierung lägen in der Verantwortung des Unternehmens.

Die SPD-Opposition kündigte an, das Thema am Mittwoch in den Ausschüssen für Wirtschaft und Arbeit zur Sprache zu bringen.

Die Pläne zur Verselbstständigung beschäftigen Thyssenkrupp seit Jahren. Schon Ex-Chefin Martina Merz hatte die Ausrichtung als „Group of Companies“ forciert, bei der die Sparten eigenständig operieren und die Thyssenkrupp AG als Holding fungiert. Merz wurde im Juni 2023 durch Miguel López abgelöst. Thyssenkrupp entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Thyssen und Krupp-Hoesch. Hauptanteilseignerin ist mit etwa 21 Prozent die Krupp-Stiftung, die sich am Montag nicht zur Neuaufstellung äußern wollte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenschluss: Chipwerte ziehen Nasdaq nach untentitle
27.07.2026

Spannung an der Wall Street: Was Anleger jetzt über die jüngsten Marktbewegungen wissen müssen.

DWN
Panorama
Panorama Cybersicherheit im Urlaub: Diese zehn Fehler machen Sie zum leichten Opfer
27.07.2026

Ein falscher QR-Code, eine überzeugende E-Mail oder ein gestohlenes Smartphone können den Urlaub abrupt beenden. Cyberkriminelle setzen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota steigt bei Cellcentric ein: Wasserstoff-Offensive gemeinsam mit Daimler Truck und Volvo
27.07.2026

Toyota steigt bei Cellcentric ein und mischt den Markt für Brennstoffzellen auf. Gemeinsam mit Daimler Truck und Volvo soll die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisoffensive im Handel: Wie Sie jetzt bei Haushaltswaren und Hörbüchern kräftig sparen können
27.07.2026

Sommerzeit ist Angebotszeit: Während Verbraucher ihre Ausgaben genauer planen, überbieten sich Händler mit attraktiven Preisaktionen....

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie nach Zahlen im Höhenflug: Analysten bleiben gespalten – wie Anleger reagieren sollten
27.07.2026

Die SAP-Aktie überrascht nach den Quartalszahlen mit einer kräftigen Erholung. Während das starke Cloud-Geschäft Anleger begeistert,...

DWN
Politik
Politik Fragen nach dem CSD-Anschlag: Warum war der verurteilte Täter Abdul B. nicht in Haft?
27.07.2026

Nach dem CSD-Anschlag in Berlin richtet sich der Blick nicht mehr nur auf den mutmaßlichen Täter. Auch Gerichte, Strafrecht und...

DWN
Politik
Politik Neuer Verkehrsminister vor gewaltigen Herausforderungen: Die größten Baustellen für Bilger
27.07.2026

Mit Steffen Bilger bekommt das Verkehrsministerium einen erfahrenen Fachpolitiker an die Spitze. Doch der Wechsel allein beseitigt keine...

DWN
Politik
Politik Plant Trump eine Bodenoffensive? Pakistan warnt vor möglichem US-Militäreinsatz im Iran
27.07.2026

Bereitet US-Präsident Donald Trump eine Bodenoffensive im Iran vor? Hinweise aus Pakistan jedenfalls sorgen für Aufmerksamkeit....