Finanzen

Merck-Aktie und US-Geschäft: Währungsprobleme und Generika belasten Ergebnis

Die Merck-Aktie gerät unter Druck: Schwacher Dollar und Generika bremsen das Wachstum. Anleger müssen sich auf sinkende Gewinne und volatile Märkte einstellen.
05.03.2026 09:53
Aktualisiert: 05.03.2026 09:53
Lesezeit: 3 min

Merck-Aktie unter Druck: Schwacher Dollar und Generika bremsen Gewinn

Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck stimmt Anleger auf schwierigere Zeiten ein. Für die Merck-Aktie dürften die kommenden Monate holprig werden: 2026 erwartet das Unternehmen wegen harter Konkurrenz und eines schwachen US-Dollars einen Gewinnrückgang. Auch beim Umsatz rechnet der Konzern bestenfalls mit einem Niveau auf Höhe des Vorjahres, wie Merck am Donnerstag mitteilte.

Bereits 2025 belasteten negative Währungseffekte das Geschäft. Zwar erzielte Merck operativ etwas mehr Gewinn als im Jahr zuvor. Beim Umsatz musste der Konzern jedoch leichte Einbußen hinnehmen, und unter dem Strich sank der Gewinn. Die Dividende soll dennoch stabil bei 2,20 Euro je Aktie bleiben.

Merck-Aktie: Analysten erwarten sinkende Markterwartungen

Der Ausblick liege unter den bisherigen Markterwartungen, die nun nach unten angepasst werden dürften, schrieb Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan in einer ersten Reaktion.

Die Merck-Aktie im Dax gab daraufhin am Vormittag leicht nach und verlor gut ein halbes Prozent auf 122,25 Euro.

Prognose für 2026: Ergebnis und Umsatz unter Druck

Für das laufende Jahr erwartet Merck ein um Sondereffekte bereinigtes Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 5,5 bis 6,0 Milliarden Euro. Damit würde das operative Ergebnis unter dem Vorjahr liegen.

Der Umsatz dürfte laut Konzern 20,0 bis 21,1 Milliarden Euro erreichen.

Deutlichen Gegenwind erwartet Merck vom schwachen Dollar, der unter US-Präsident Donald Trump deutlich an Wert verloren hat. Dessen aggressive Zollpolitik hat das Vertrauen der Finanzmärkte in die Vereinigten Staaten geschwächt. Für Merck ist das besonders relevant: Rund ein Viertel des globalen Jahresumsatzes erzielt der Konzern in den USA.

Entsprechend stark trifft die Währungsentwicklung die Darmstädter. In den Vereinigten Staaten beschäftigt Merck rund 14.000 Menschen – mehr als am Stammsitz in Darmstadt.

Generika-Konkurrenz belastet Medikament Mavenclad

Zusätzlichen Druck erwartet Merck ab März im Pharmageschäft. Dann könnten US-Umsätze mit dem Multiple-Sklerose-Mittel Mavenclad wegfallen, weil Nachahmerpräparate auf den Markt kommen.

Außerdem berücksichtigt der Ausblick keine möglichen positiven Effekte aus einer US-Marktzulassung des Fruchtbarkeitsmedikaments Pergoveris. Für dieses Medikament läuft derzeit ein Antrag auf beschleunigte Prüfung.

Geschäftsjahr 2025: Währungseffekte drücken Umsatz

Schon im vergangenen Jahr belasteten der schwache Dollar sowie Währungseffekte in Asien die Bilanz. Der Umsatz sank um 0,3 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro.

Organisch – also ohne Wechselkurs- und Portfolioeffekte – wuchs das Geschäft hingegen um 3,1 Prozent. Wachstumstreiber waren das Laborgeschäft und die Pharmasparte. Die auf Halbleitermaterialien spezialisierte Sparte Electronics erzielte dagegen deutlich weniger Umsatz als im Vorjahr.

Konzernweit erreichte Merck ein bereinigtes Ebitda von 6,1 Milliarden Euro, ein Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Unter dem Strich ging der Gewinn jedoch zurück: Der Nettogewinn sank um rund 6 Prozent auf gut 2,6 Milliarden Euro.

Wachstum in Pharma und Labor – Probleme im Elektronikgeschäft

Im Laborgeschäft zog vor allem die Nachfrage nach Produkten für die Arzneimittelproduktion wieder an. Nach dem Nachfrageeinbruch in der Post-Corona-Zeit erholte sich das Geschäft deutlich.

Im Pharmabereich profitierte Merck vor allem von einer starken Nachfrage nach Medikamenten gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen. Zusätzlich trug die Übernahme des US-Krebsspezialisten Springwork Therapeutics zum Wachstum bei.

Im Geschäftsbereich Electronics boomte zwar das Geschäft rund um Künstliche Intelligenz (KI). Gleichzeitig belasteten jedoch anhaltende Verzögerungen bei großen Kundenprojekten.

Führungswechsel bei Merck: Garijo geht zu Sanofi

Belen Garijo, die in weniger als zwei Monaten als neue Chefin zum Pharmakonzern Sanofi wechselt, erklärte zum Abschied:

"Wir haben 2025 erneut unsere Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt - trotz erheblicher geopolitischer Herausforderungen und starker Währungsgegenwinde".

Der Konzern sei mit seinem robusten Portfolio und wichtigen Wachstumstreibern in allen drei Sparten gut aufgestellt "für das kommende Jahrzehnt, in dem ein neues Kapitel für Merck beginnt".

Garijo steht seit Mai 2021 an der Spitze des Dax-Unternehmens. Ende April übergibt sie die Führung an Kai Beckmann, der derzeit noch die Elektronik-Sparte der Darmstädter leitet.

Die spanische Managerin führte Merck durch die Corona-Pandemie, in der der Konzern stark von der hohen Nachfrage der Impfstoffforscher und -hersteller profitierte. Zudem steuerte sie mehrere Übernahmen, zuletzt die milliardenschwere Akquisition des US-Krebsspezialisten Springworks Therapeutics.

Den angekündigten großen Zukauf für die Laborsparte blieb sie jedoch schuldig.

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