Wirtschaft

Straße von Hormus im Krisenmodus: Irans Drohungen setzen Ölpreis-Entwicklung unter Druck

Die Drohungen der iranischen Revolutionsgarde erhöhen den Druck auf eine der wichtigsten Energierouten der Welt und treiben die Spannungen in der Straße von Hormus weiter an. Welche Folgen hätte eine Eskalation für die Ölpreis-Entwicklung, die Schifffahrt und globale Lieferketten?
04.03.2026 17:23
Lesezeit: 4 min
Straße von Hormus im Krisenmodus: Irans Drohungen setzen Ölpreis-Entwicklung unter Druck
Die Drohungen der iranischen Revolutionsgarde gegen Schiffe in der Straße von Hormus erhöhen die Risiken für den globalen Ölhandel und beeinflussen zunehmend die Ölpreis-Entwicklung (Foto: dpa) Foto: Morteza Akhoondi

Drohungen aus Teheran verschärfen die Lage im Persischen Golf

Die iranische Revolutionsgarde droht mit einer drastischen Eskalation im Persischen Golf. In der Straße von Hormus stecken derzeit zahlreiche Tanker fest, während Teheran ankündigt, Schiffe anzugreifen und damit die Ölpreis-Entwicklung massiv nach oben treiben zu wollen.

Iranische Behörden verbreiten über staatliche Medien, dass die Straße von Hormus geschlossen sei. Kämpfer der Revolutionsgarde und Einheiten der Marine würden jedes Schiff angreifen und in Brand setzen, das versuche, die Meerenge zu durchqueren, berichtet der Sender Al Jazeera.

Teheran hat als Vergeltung bereits Energieinfrastruktur von US-Verbündeten auf der Arabischen Halbinsel beschossen. Zugleich kündigten iranische Vertreter an, auch Pipelines ins Visier zu nehmen und damit die Energieversorgung der Region gezielt zu treffen.

„Kein einziger Tropfen Öl wird die Region verlassen und in den kommenden Tagen wird der Ölpreis auf 200 Dollar pro Barrel steigen“, erklärte Ebrahi Dschabari, ein hochrangiger Berater des Kommandeurs der Iranischen Revolutionsgarde, in einer Mitteilung der IRGC auf Telegram.

Schiffe vor der Straße von Hormus und neue Risiken für die Ölpreis-Entwicklung

Durch die Ausweitung der militärischen Spannungen im Nahen Osten sitzen im Persischen Golf und vor der Straße von Hormus derzeit rund 3.200 Schiffe fest. Das berichtet das Logistikportal Splash247 unter Berufung auf Daten der internationalen Schifffahrtsbranche.

Nach Berechnungen des Analysehauses Clarksons Research entsprechen die Kapazitäten dieser Schiffe etwa vier Prozent der weltweiten Transportkapazitäten. Unter den festgesetzten Schiffen befinden sich 112 Öltanker sowie 114 Containerschiffe.

Rund 500 Schiffe warten derzeit in der Nähe der Vereinigten Arabischen Emirate sowie vor der Küste Omans auf eine mögliche Weiterfahrt. Die Situation sorgt in der globalen Schifffahrt zunehmend für Unsicherheit und operative Schwierigkeiten.

Die Blockade zahlreicher Tanker verschärft zugleich die Unsicherheit über die weitere Ölpreis-Entwicklung, da ein erheblicher Teil der weltweiten Energieversorgung durch diese Route transportiert wird.

Transportkosten steigen und beeinflussen die Ölpreis-Entwicklung

Die Kosten für den Transport von Rohöl auf einem großen Tanker der Klasse Very Large Crude Carrier mit einer Tragfähigkeit zwischen 200.000 und 400.000 Tonnen sind bereits deutlich gestiegen und spiegeln die wachsenden Risiken in der Region wider.

Die Tagesrate für eine Route vom Nahen Osten nach China hat sich innerhalb kurzer Zeit mehr als verdoppelt. Sie liegt inzwischen bei 423.000 Dollar pro Tag, nachdem sie einen Tag zuvor noch 205.600 Dollar betragen hatte.

Der starke Preisanstieg verdeutlicht die wachsenden Risiken für Reedereien und Energieunternehmen. Viele Unternehmen zögern derzeit, ihre Tanker durch die Krisenregion zu schicken, solange die Sicherheitslage unklar bleibt.

Rund die Hälfte aller Versicherer im weltweit größten P&I-Versicherungsclub hat den Versicherungsschutz für Schiffe im Persischen Golf inzwischen zurückgezogen. Ohne entsprechende Versicherungen können viele Schiffe die Region faktisch nicht mehr anlaufen.

Angriffe auf Schiffe und Infrastruktur verschärfen die Krise

Iran hat bei seinen Angriffen bereits mehrere Schiffe, Hafenanlagen und Energieeinrichtungen beschädigt. Mindestens sechs Schiffe sollen getroffen worden sein, darunter die Tanker Stena Imperative, Sea La Donna, Hercules Star, Ocean Electra, Skylight und MKD Vyom. Bei einem Angriff auf einen Hafen in Bahrain wurde ein Hafenarbeiter getötet. Zwei weitere Personen wurden verletzt, während Rettungskräfte versuchten, beschädigte Anlagen zu sichern.

Viele Frachter zwischen Asien und Europa werden deshalb gezwungen sein, den deutlich längeren Weg rund um das Kap der Guten Hoffnung zu nehmen. Dadurch verlängern sich Transportzeiten erheblich und zusätzliche Kosten entstehen. Zugleich steigen die Kosten für Reedereien und Energieunternehmen. Diese höheren Transportkosten können sich auch auf die Ölpreis-Entwicklung auswirken, da längere Routen und höhere Risiken den weltweiten Energiehandel verteuern.

Energiepreise reagieren auf die wachsenden Risiken

Formal gilt die Straße von Hormus bislang nicht als vollständig geschlossen. Dennoch ist der Schiffsverkehr faktisch stark eingeschränkt, da Reedereien und Versicherer die Risiken derzeit als zu hoch einschätzen.

Normalerweise passieren täglich zwischen 80 und 100 große Tanker die Meerenge. Da rund 20 Prozent der weltweiten Rohöl- und Gaslieferungen aus dem Persischen Golf stammen, reagieren die Energiemärkte besonders sensibel auf die Entwicklungen.

Die Preise für Flüssigerdgas an der niederländischen Börse sind infolge der Spannungen erneut gestiegen. Auch die Ölpreise legten zu, da Händler mögliche Lieferunterbrechungen einpreisen und die Ölpreis-Entwicklung entsprechend neu bewerten. Im Containerverkehr ist die Bedeutung der Route deutlich geringer. Lediglich etwa zwei Prozent des weltweiten Containertransportes laufen durch die Straße von Hormus.

Neue Risiken für wichtige Handelsrouten

Die großen Containerreedereien haben neue Aufträge für den Nahen Osten vorerst ausgesetzt. Gleichzeitig beginnen sie damit, Schiffe von Asien nach Europa über die längere Route rund um Afrika umzuleiten. Zusätzliche Risiken entstehen durch Ankündigungen der jemenitischen Huthi-Miliz. Diese erklärte, sie werde umgehend beginnen, Handelsschiffe auf der zentralen Handelsroute durch das Rote Meer anzugreifen.

Damit endet eine fragile Waffenruhe, die seit dem Ende der Angriffe auf Gaza im November 2025 bestanden hatte. Die Angriffe könnten eine weitere wichtige Handelsroute zwischen Asien und Europa destabilisieren. Eine Ausweitung der militärischen Aktionen würde den Druck auf die globale Schifffahrt weiter erhöhen und damit auch die Unsicherheit über die künftige Ölpreis-Entwicklung verstärken.

Steigende Energiepreise als Risiko für Deutschlands Wirtschaft

Für Europa und insbesondere für Deutschland hätte eine dauerhafte Störung der Straße von Hormus erhebliche wirtschaftliche Folgen. Steigende Öl- und Gaspreise würden Energie, Transport und Industrie deutlich verteuern.

Sollten Tanker und Frachtschiffe langfristig über längere Routen ausweichen müssen, würden auch Lieferketten und Frachtkosten steigen. Das würde sich insbesondere auf energieintensive Industrien und exportorientierte Unternehmen auswirken.

Für die deutsche Wirtschaft könnte eine solche Entwicklung zusätzlichen Druck bedeuten. Bereits kleine Störungen auf den globalen Energiemärkten wirken sich häufig spürbar auf Preise und Produktionskosten aus.

Die Lage im Persischen Golf zeigt damit erneut, wie stark geopolitische Konflikte zentrale Handels- und Energierouten beeinflussen können. Für Deutschland bleibt die Stabilität dieser Routen daher von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

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