Ferrari Luce bringt Elektromobilität in die Luxusklasse
Ferrari vollzieht einen strategischen Wendepunkt und präsentiert erstmals ein rein elektrisch angetriebenes Modell. Kann der Ferrari Luce die Erwartungen wohlhabender Käufer erfüllen und gleichzeitig die Markenidentität bewahren? Das fragen sich unsere Kollegen von Finance.si.
Ferrari zählt seit Jahrzehnten zu den begehrtesten Automarken weltweit. Das 1939 von Enzo Ferrari gegründete Unternehmen steht für Geschwindigkeit, Exklusivität und technologische Spitzenleistung. Bislang galt es als undenkbar, dass ein Ferrari ohne die charakteristischen Acht- oder Zwölfzylindermotoren auskommt. Genau das ändert sich nun. Der italienische Hersteller mit seiner traditionsreichen Formel-1-Historie und insgesamt 15 Weltmeistertiteln kündigt eine grundlegende Neuausrichtung an. Das erste vollelektrische Modell trägt den Namen Luce. Der Einstiegspreis für den Ferrari Luce liegt bei rund 550.000 Euro. Die offizielle Premiere ist für den kommenden Monat in Rom angekündigt. Damit positioniert sich das Modell etwa 100.000 Euro über dem SUV Purosangue. Branchenkenner aus dem Umfeld des Unternehmens halten eine Abweichung von bis zu zehn Prozent nach oben oder unten für möglich. Ferrari selbst äußerte sich dazu bislang nicht.
Ferrari setzt beim Elektro-Ferrari auf Exklusivität statt Volumen
Mit dem Ferrari Luce verfolgt das Unternehmen eine klare Strategie. Das erste vollelektrische Modell soll bewusst im obersten Preissegment angesiedelt werden. Bereits beim Hybridmodell SF90 Stradale sammelte Ferrari erste Erfahrungen mit elektrifizierten Antrieben. Vorstandschef Benedetto Vigna setzt weiterhin auf das Prinzip, dass Wert wichtiger ist als Stückzahl. Ziel bleibt es, die Exklusivität der Marke für eine besonders zahlungskräftige Kundschaft zu sichern. Gerade im Luxussegment stellt der Elektroantrieb jedoch eine Herausforderung dar. Die Wertentwicklung gebrauchter Elektrofahrzeuge sorgt bei wohlhabenden Käufern weiterhin für Unsicherheit. Viele erwarten von einem Supersportwagen nicht nur Fahrleistung, sondern auch eine stabile oder steigende Wertentwicklung. Ferrari reagiert darauf mit einem breiten Angebot. Kunden sollen weiterhin zwischen klassischen Verbrennungsmotoren, Hybridantrieben und vollelektrischen Modellen wählen können, solange die für Ferrari typischen Fahreigenschaften erhalten bleiben.
Der Purosangue hat seit seiner Einführung im Jahr 2022 eine Schlüsselrolle im Portfolio eingenommen. Das Modell erschloss neue Kundengruppen jenseits klassischer Zweisitzer und trug dazu bei, die durchschnittlichen Verkaufspreise zu erhöhen. Gleichzeitig begrenzt Ferrari die Produktion bewusst auf etwa 20 Prozent der jährlichen Gesamtfertigung, um die Exklusivität zu wahren.
Ferrari Luce kombiniert Leistung, Design und neue Technologien
Technisch setzt der Ferrari Luce neue Maßstäbe für die Marke. Das unter der internen Bezeichnung F222 entwickelte Fahrzeug verfügt über fünf Türen und Allradantrieb. Die Systemleistung beträgt 1.129 PS beziehungsweise 830 Kilowatt. Die Batterie mit einer Kapazität von 122 Kilowattstunden ermöglicht eine Reichweite von bis zu 530 Kilometern. Grundlage bildet eine 880-Volt-Plattform. Der gesamte Antriebsstrang wurde von Ferraris eigenen Ingenieuren entwickelt, wobei Technologien aus der Formel 1 einflossen. Erstmals kündigte Ferrari das Modell am 9. Oktober an. Ursprünglich trug es den Namen Elettrica, der am 9. Februar durch Luce ersetzt wurde. Vorstandsvorsitzender John Elkann erklärte, der ursprüngliche Name sei zu einschränkend gewesen. Luce stehe für mehr als nur einen elektrischen Antrieb. Das Fahrzeug sei ein besonders komplexes Projekt, das genau dadurch seinen einzigartigen Charakter erhalte.
Auch beim Design geht Ferrari neue Wege. Jony Ive und Marc Newson vom Designstudio LoveFrom waren maßgeblich beteiligt. Ive gilt als prägende Figur hinter den ikonischen Apple-Produkten und arbeitete eng mit Steve Jobs zusammen. Im Innenraum kommen hochwertige Materialien zum Einsatz. Dazu zählen Glas, polierter und matter Stahl sowie verstärktes Glas. Die Gangwahl erfolgt über einen Glashebel. Trotz moderner Technologie bleibt Ferrari bei physischen Bedienelementen auf dem Armaturenbrett, um das Fahrerlebnis in den Mittelpunkt zu stellen. Die Gestaltung folgt konsequent funktionalen Prinzipien. Verzierungen wurden bewusst reduziert, um Ablenkung zu vermeiden und eine zeitlose Ästhetik zu sichern. Ergänzt wird das Konzept durch widerstandsfähigen, eloxierten Aluminium. Die Instrumente orientieren sich optisch an der Luftfahrt, insbesondere an klassischen Hubschraubern.
