Wirtschaft

Pharma-Aktien am Wendepunkt: Bringt 2026 eine Trendwende?

Nach schwachen Kursjahren rückt der Gesundheitssektor wieder in den Fokus internationaler Investoren. Stehen Pharma-Aktien vor einer Neubewertung oder bleibt die Erholung nur kurzfristig?
24.01.2026 16:00
Lesezeit: 3 min
Pharma-Aktien am Wendepunkt: Bringt 2026 eine Trendwende?
Pharma-Aktien rücken nach Jahren schwacher Entwicklung wieder in den Fokus, gestützt durch nachlassende politische Risiken und attraktive Bewertungen (Foto: dpa) Foto: AndreyPopov

Pharma-Aktien: Wird 2026 das Jahr der Gesundheitsaktien?

Nach mehreren Jahren mit deutlichen Kursverlusten mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende bei Gesundheitsaktien. Der Sektor hat in den vergangenen Jahren insgesamt schwach abgeschnitten und sowohl 2023, 2024 als auch 2025 schlechter performt als der globale MSCI-Index. Besonders im vergangenen Jahr belasteten politische Signale aus den USA die Branche.

Ankündigungen der Trump-Administration reichten von Kürzungen der Forschungsförderung über den Abbau von Zuschüssen im Rahmen von Obamacare bis hin zu regulatorischen Hürden für Impfstoffhersteller und setzten die Kurse unter Druck. Inzwischen verdichten sich jedoch Hinweise darauf, dass sich der politische Ton gegenüber dem Sektor abschwächt.

Politische Entspannung stützt die Kurse von Pharma-Aktien

Im September 2025 schloss Pfizer eine Vereinbarung mit der US-Regierung zur Senkung der Preise für verschreibungspflichtige Medikamente, was bei vielen Investoren für Beruhigung sorgte. Am 6. Januar dieses Jahres wies zudem ein Berufungsgericht den Versuch der Trump-Administration zurück, die Forschungsbudgets des National Institute of Health zu kürzen. Auch diese Entscheidung löste Kursgewinne bei mehreren Pharma- und Biotech-Unternehmen aus.

Parallel dazu zeigen Daten von Factset, auf die sich Blackrock bezieht, dass 80 Prozent der US-Gesundheitsunternehmen ihre Gewinnprognosen zuletzt nach oben angepasst haben. Die zuvor fallenden Kurstrends haben sich in den vergangenen Monaten entsprechend gedreht. Seit August legte der MSCI World Health Care Index um 15,9 Prozent zu, während der Nasdaq-Biotech-Index um 29,8 Prozent stieg.

Großbanken sehen Aufholpotenzial

Vor diesem Hintergrund wächst die Erwartung, dass 2026 ein Jahr der Erholung für Gesundheitsaktien werden könnte. Mehrere internationale Großbanken und Finanzhäuser äußern sich zunehmend optimistisch. Nach Einschätzung von Binky Chadha, globaler Chefstratege der Deutschen Bank, ist der Sektor übermäßig abgestraft worden.

Die Belastungen durch das sogenannte One-Big-Beautiful-Bill-Gesetz und den Rückbau von Obamacare-Zuschüssen seien bereits weitgehend in den Kursen eingepreist. Die Kursrückgänge seien stärker ausgefallen, als es die fundamentalen Risiken rechtfertigten. Entsprechend ist die Deutsche Bank in dem Sektor übergewichtet und rechnet mit einer Gegenbewegung.

Pharma-Aktien: Positives Momentum laut Strategen

Auch andere Institute teilen diese Einschätzung. Die Gesundheitsbranche stand zum Jahreswechsel auf der Liste der aussichtsreichsten Anlagechancen der Danske Bank für 2026. Chefstratege Frank Øland sprach von einem positiven Momentum und sieht weiterhin attraktives Potenzial.

Zugleich verwies er darauf, dass der Sektor trotz politischer und regulatorischer Unsicherheiten in den USA fundamental stark aufgestellt sei. Hohe Gewinnmargen und ein solides Wachstum der Erträge sprächen für die Branche, auch wenn eine breite Risikostreuung weiterhin wichtig bleibe.

Attraktive Bewertungen im Branchenvergleich

Ähnlich argumentieren die Strategen der Bank of America, die angesichts niedriger Bewertungen und vergleichsweise guter Perspektiven zu einem Einstieg in Gesundheitsaktien raten. Auch der Schweizer Vermögensverwalter Julius Bär sieht den Sektor aufgrund attraktiver Bewertungsniveaus und positiver Gewinnschätzungen im Fokus.

Zum Jahresende 2025 lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Gesundheitsaktien im MSCI World Index bei 21,8, während der Gesamtindex mit einem KGV von 24,04 bewertet war. Beim erwarteten Gewinn, gemessen am Forward-KGV, betrug die Bewertung 17,9 für Gesundheitsaktien gegenüber 19,9 für den Gesamtmarkt.

Auswahl einzelner Titel rückt in den Fokus

Der Gesundheitssektor ist breit gefächert und bietet eine große Auswahl an Einzeltiteln. Investoren, die den Markt eng verfolgen, setzen dabei zunehmend auf spezialisierte Pharma- und Biotech-Unternehmen. Die Fondsmanagerinnen Ellinor Hult und Astrid Samuelsson von Healthinvest nannten zuletzt unter anderem Genmab, Beone Medicines, Sobi und New Amsterdam Pharma als interessante Werte.

Auch die Schweizer Großbank UBS hebt Genmab in einer Analyse zu europäischen Pharma- und Biotech-Aktien hervor. Biotech-Unternehmen seien zwar volatiler als große Pharmakonzerne, könnten aber bei positiven Studienergebnissen oder Zulassungen starke Kursbewegungen zeigen.

Biotech-Aktien als Chance mit erhöhtem Risiko

UBS verweist darauf, dass einzelne Ereignisse bei Biotech-Unternehmen eine überdurchschnittliche Kursdynamik auslösen können. Mit dem richtigen Auslöser sei es möglich, unabhängig vom gesamtwirtschaftlichen Umfeld deutliche Kursgewinne zu erzielen. Für 2026 sehen die Analysten insbesondere bei Genmab, UCB und Zealand Pharma entsprechende Chancen.

Auch Fondsmanagerin Benedicte Bakke von der norwegischen Bank DNB identifizierte zuletzt zwei potenzielle Gewinner für 2026. Sie rechnet beim US-Biotech-Unternehmen Disc Medicine und beim belgischen Konzern UCB mit einer soliden Umsatzentwicklung und positiven Impulsen für die Aktienkurse.

Pharma-Aktien: Bedeutung für Anleger und Unternehmen in Deutschland

Für deutsche Anleger und Unternehmen ist die Entwicklung der Pharma-Aktien ebenfalls relevant. Deutschland verfügt mit seiner starken Pharma- und Biotech-Branche über enge Verbindungen zu internationalen Kapitalmärkten und globalen Forschungstrends.

Eine Erholung des Sektors könnte nicht nur deutsche Börsenwerte stützen, sondern auch Investitionen, Kooperationen und Standortentscheidungen beeinflussen und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Gesundheitsstandorts Deutschland stärken.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien im Fokus, während die Wall Street im Minus bleibt
23.10.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Warum Technologiewerte und Rohstoffe die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
23.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Verkauf russischen Goldes seit der Finanzkrise 1998: Weitere Tonnen verschwinden aus den Tresoren
23.10.2026

Die neuesten Daten der russischen Zentralbank zeigen, dass die Verkäufe aus den Goldreserven seit Jahresbeginn bereits 62 Tonnen erreicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum Frankreich weniger Schulden hat als die USA, dafür aber härter bestraft wird
23.10.2026

Die neuesten Eurostat-Daten für das zweite Quartal zeigen, dass die französische Staatsverschuldung im Verhältnis zur...

DWN
Politik
Politik Bundeswehr: Wehrdienst-Fragebogen ignoriert? Dann droht ein Bußgeld
23.10.2026

Seit Januar werden in Deutschland junge Menschen ab 18 von der Bundeswehr zu ihrer Bereitschaft eines möglichen Wehrdiensts angeschrieben....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DWN-Podcast Folge 48: Die Woche im Rückblick – KW 43
23.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Länderfinanzausgleich: Söder will AfD- und Linke-Ländern Geld streichen
23.10.2026

Mit einer sogenannten "Extremismusklausel" will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mögliche von der AfD oder der Linken geführten...