Pharma-Aktien: Wird 2026 das Jahr der Gesundheitsaktien?
Nach mehreren Jahren mit deutlichen Kursverlusten mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende bei Gesundheitsaktien. Der Sektor hat in den vergangenen Jahren insgesamt schwach abgeschnitten und sowohl 2023, 2024 als auch 2025 schlechter performt als der globale MSCI-Index. Besonders im vergangenen Jahr belasteten politische Signale aus den USA die Branche.
Ankündigungen der Trump-Administration reichten von Kürzungen der Forschungsförderung über den Abbau von Zuschüssen im Rahmen von Obamacare bis hin zu regulatorischen Hürden für Impfstoffhersteller und setzten die Kurse unter Druck. Inzwischen verdichten sich jedoch Hinweise darauf, dass sich der politische Ton gegenüber dem Sektor abschwächt.
Politische Entspannung stützt die Kurse von Pharma-Aktien
Im September 2025 schloss Pfizer eine Vereinbarung mit der US-Regierung zur Senkung der Preise für verschreibungspflichtige Medikamente, was bei vielen Investoren für Beruhigung sorgte. Am 6. Januar dieses Jahres wies zudem ein Berufungsgericht den Versuch der Trump-Administration zurück, die Forschungsbudgets des National Institute of Health zu kürzen. Auch diese Entscheidung löste Kursgewinne bei mehreren Pharma- und Biotech-Unternehmen aus.
Parallel dazu zeigen Daten von Factset, auf die sich Blackrock bezieht, dass 80 Prozent der US-Gesundheitsunternehmen ihre Gewinnprognosen zuletzt nach oben angepasst haben. Die zuvor fallenden Kurstrends haben sich in den vergangenen Monaten entsprechend gedreht. Seit August legte der MSCI World Health Care Index um 15,9 Prozent zu, während der Nasdaq-Biotech-Index um 29,8 Prozent stieg.
Großbanken sehen Aufholpotenzial
Vor diesem Hintergrund wächst die Erwartung, dass 2026 ein Jahr der Erholung für Gesundheitsaktien werden könnte. Mehrere internationale Großbanken und Finanzhäuser äußern sich zunehmend optimistisch. Nach Einschätzung von Binky Chadha, globaler Chefstratege der Deutschen Bank, ist der Sektor übermäßig abgestraft worden.
Die Belastungen durch das sogenannte One-Big-Beautiful-Bill-Gesetz und den Rückbau von Obamacare-Zuschüssen seien bereits weitgehend in den Kursen eingepreist. Die Kursrückgänge seien stärker ausgefallen, als es die fundamentalen Risiken rechtfertigten. Entsprechend ist die Deutsche Bank in dem Sektor übergewichtet und rechnet mit einer Gegenbewegung.
Pharma-Aktien: Positives Momentum laut Strategen
Auch andere Institute teilen diese Einschätzung. Die Gesundheitsbranche stand zum Jahreswechsel auf der Liste der aussichtsreichsten Anlagechancen der Danske Bank für 2026. Chefstratege Frank Øland sprach von einem positiven Momentum und sieht weiterhin attraktives Potenzial.
Zugleich verwies er darauf, dass der Sektor trotz politischer und regulatorischer Unsicherheiten in den USA fundamental stark aufgestellt sei. Hohe Gewinnmargen und ein solides Wachstum der Erträge sprächen für die Branche, auch wenn eine breite Risikostreuung weiterhin wichtig bleibe.
Attraktive Bewertungen im Branchenvergleich
Ähnlich argumentieren die Strategen der Bank of America, die angesichts niedriger Bewertungen und vergleichsweise guter Perspektiven zu einem Einstieg in Gesundheitsaktien raten. Auch der Schweizer Vermögensverwalter Julius Bär sieht den Sektor aufgrund attraktiver Bewertungsniveaus und positiver Gewinnschätzungen im Fokus.
Zum Jahresende 2025 lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Gesundheitsaktien im MSCI World Index bei 21,8, während der Gesamtindex mit einem KGV von 24,04 bewertet war. Beim erwarteten Gewinn, gemessen am Forward-KGV, betrug die Bewertung 17,9 für Gesundheitsaktien gegenüber 19,9 für den Gesamtmarkt.
Auswahl einzelner Titel rückt in den Fokus
Der Gesundheitssektor ist breit gefächert und bietet eine große Auswahl an Einzeltiteln. Investoren, die den Markt eng verfolgen, setzen dabei zunehmend auf spezialisierte Pharma- und Biotech-Unternehmen. Die Fondsmanagerinnen Ellinor Hult und Astrid Samuelsson von Healthinvest nannten zuletzt unter anderem Genmab, Beone Medicines, Sobi und New Amsterdam Pharma als interessante Werte.
Auch die Schweizer Großbank UBS hebt Genmab in einer Analyse zu europäischen Pharma- und Biotech-Aktien hervor. Biotech-Unternehmen seien zwar volatiler als große Pharmakonzerne, könnten aber bei positiven Studienergebnissen oder Zulassungen starke Kursbewegungen zeigen.
Biotech-Aktien als Chance mit erhöhtem Risiko
UBS verweist darauf, dass einzelne Ereignisse bei Biotech-Unternehmen eine überdurchschnittliche Kursdynamik auslösen können. Mit dem richtigen Auslöser sei es möglich, unabhängig vom gesamtwirtschaftlichen Umfeld deutliche Kursgewinne zu erzielen. Für 2026 sehen die Analysten insbesondere bei Genmab, UCB und Zealand Pharma entsprechende Chancen.
Auch Fondsmanagerin Benedicte Bakke von der norwegischen Bank DNB identifizierte zuletzt zwei potenzielle Gewinner für 2026. Sie rechnet beim US-Biotech-Unternehmen Disc Medicine und beim belgischen Konzern UCB mit einer soliden Umsatzentwicklung und positiven Impulsen für die Aktienkurse.
Pharma-Aktien: Bedeutung für Anleger und Unternehmen in Deutschland
Für deutsche Anleger und Unternehmen ist die Entwicklung der Pharma-Aktien ebenfalls relevant. Deutschland verfügt mit seiner starken Pharma- und Biotech-Branche über enge Verbindungen zu internationalen Kapitalmärkten und globalen Forschungstrends.
Eine Erholung des Sektors könnte nicht nur deutsche Börsenwerte stützen, sondern auch Investitionen, Kooperationen und Standortentscheidungen beeinflussen und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Gesundheitsstandorts Deutschland stärken.


