Wirtschaft

Exporte in die USA fallen: Autoindustrie besonders betroffen – wo es Hoffnung gibt

Deutschlands USA-Exporte geraten unter Druck: Zölle, politische Drohkulissen und neue Unsicherheit im transatlantischen Geschäft treffen besonders die Industrie. Doch die Zahlen zeigen mehr als nur einen Rückgang – sie deuten auf einen Strukturbruch hin. Wie stabil ist der USA-Handel noch?
20.01.2026 12:07
Aktualisiert: 20.01.2026 12:07
Lesezeit: 3 min
Exporte in die USA fallen: Autoindustrie besonders betroffen – wo es Hoffnung gibt
Container werden am Überseehafen umgeschlagen: Deutschlands Exporte in die USA brechen ein (Foto: dpa).

USA-Exporte brechen ein – neue Unsicherheit wegen Grönland

Wegen des Zollstreits mit US-Präsident Donald Trump sind die deutschen USA-Exporte 2025 um fast zehn Prozent eingebrochen. Vor allem die Autobranche leidet unter dem Konflikt, der mit neuen Zolldrohungen Trumps im Grönland-Streit weiter zu eskalieren droht. Ökonomen rechnen mit zusätzlichen Belastungen für deutsche Unternehmen. Das gelte sogar dann, wenn es gelinge, den Streit um die Arktisinsel beizulegen, um den auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gerungen wird.

Der Rückgang der USA-Exporte dürfte nicht der letzte gewesen sein, sagt Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. "Der US-Markt dürfte auf absehbare Zeit für deutsche Exporteure kein Wachstumsmarkt mehr sein, sondern ist zum Risikogeschäft mutiert."

Die Hoffnung, dass mit dem Zolldeal zwischen USA und EU von Sommer 2025 wieder mehr Stabilität im transatlantischen Handel entstehen würde, sei spätestens mit Trumps neuen Drohungen im Grönland-Streit geplatzt. "Spätestens jetzt ist klar: Die USA sind bis auf weiteres kein verlässlicher Handelspartner und Absatzmarkt mehr."

Niedrigster Exportüberschuss mit USA seit Corona

Im vergangenen Jahr mussten deutsche Unternehmen in ihrem wichtigsten Exportland deutliche Einbußen hinnehmen. Von Januar bis November gingen Waren im Wert von rund 135,8 Milliarden Euro in die USA, knapp ein Zehntel (9,4 Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum, wie neue Daten des Statistischen Bundesamt zeigen. Die Importe aus den USA nach Deutschland stiegen dagegen um 2,2 Prozent auf 86,9 Milliarden Euro.

Der Exportrückgang und das Importplus ließen den Exportüberschuss Deutschlands mit den USA in den ersten elf Monaten 2025 auf 48,9 Milliarden Euro sinken. "Dies ist der niedrigste Wert für diesen Zeitraum seit dem Pandemiejahr 2021", erklärten die Statistiker. Im Vorjahreszeitraum 2024 hatte der Überschuss noch ein Rekordhoch von 64,8 Milliarden Euro erreicht. Trotz der schwächeren Entwicklung blieben die USA das Land, mit dem Deutschland den weltweit höchsten Handelsbilanzüberschuss erzielte.

Rückläufige USA-Exporte: Herbe Einbußen für Autobauer

Besonders stark traf es die deutsche Autoindustrie im US-Geschäft. Der Wert der exportierten Autos und Autoteile brach von Januar bis November 2025 um 17,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum ein auf 26,9 Milliarden Euro. Auch der Export von Maschinen in die USA ging zurück – um 9 Prozent auf gut 24 Milliarden Euro. Die Ausfuhren von Pharmazeutika legten dagegen leicht zu: plus 0,7 Prozent auf 26,2 Milliarden Euro.

IMK-Ökonom Dullien erwartet, dass die deutschen USA-Exporte weiter unter Druck bleiben – selbst, wenn die Zölle im Grönland-Streit abgewendet werden. Unternehmen könnten heute nicht mehr sicher wissen, welche Zollsätze und Bedingungen für die Exporte in die USA schon in der kommenden Woche gelten.

Deutsche Exporte in die USA: Mit Grönland-Konflikt droht Eskalation

Erst am Samstag hatte Trump unter Verweis auf den Grönland-Konflikt zusätzliche Zölle ab Februar gegen Deutschland und sieben weitere europäische Staaten angekündigt. Die gestaffelten Zölle von 10 Prozent ab 1. Februar und 25 Prozent ab 1. Juni sollen so lange gelten, bis eine Einigung über den "vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands" erzielt sei, so Trump.

Nun droht eine Verschärfung des Konflikts: Die EU erwägt, ausgesetzte EU-Zölle auf US-Waren im Wert von 93 Milliarden Euro wieder in Kraft zu setzen. Brüssel könnte zudem weitreichende Strafmaßnahmen verhängen – die "Handels-Bazooka" gegen wirtschaftliche Nötigung. Das im Sommer ausgehandelte Zollabkommen mit den USA liegt bereits auf Eis.

Handelspolitisch ist die EU ein Schwergewicht: Die 27 Mitgliedstaaten exportierten von Januar bis November 2025 Waren im Wert von rund 516 Milliarden Euro in die USA, die Importe lagen bei fast 326 Milliarden Euro. Damit bleibt auch der USA-Handel für Europa ein zentraler Faktor.

China wird zum wichtigsten deutschen Handelspartner

Der Handelsstreit verändert bereits die globalen Warenströme. Weil die deutschen USA-Exporte schrumpften, ist China zum wichtigsten deutschen Handelspartner aufgestiegen. Von Januar bis November 2025 lag die Summe der Importe und Exporte im Handel mit der Volksrepublik bei rund 231 Milliarden Euro. Die USA kamen auf 222,8 Milliarden Euro.

Dirk Jandura, Präsident des Exportverbands BGA, kritisierte: "Trump sägt am Ast, auf dem er sitzt". Weitere Strafzölle würden beide Seiten treffen. "Die Folge ist, dass sich unsere Händler von den USA abwenden und nach alternativen Absatzmärkten suchen. Die USA bleiben ein für uns sehr wichtiger Markt, aber nichts ist für die Ewigkeit."

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