Finanzen

Goldpreis-Rekordhoch: Gelbes Edelmetall erstmals über 4.700 US-Dollar – Silberpreis ebenfalls mit Allzeithoch

Ein neues Goldpreis-Rekordhoch: Das gelbe Edelmetall durchbricht eine historische Marke nach der anderen, der Silberpreis zieht mit. Geopolitische Spannungen und die US-Zinspolitik treiben die Flucht in sichere Häfen. Doch wie stabil ist dieser Trend wirklich? Und sollten Anleger nun Gold kaufen?
20.01.2026 09:31
Lesezeit: 3 min
Goldpreis-Rekordhoch: Gelbes Edelmetall erstmals über 4.700 US-Dollar – Silberpreis ebenfalls mit Allzeithoch
Goldpreis-Rekordhoch ist ein Spiegel der Weltlage (Foto: iStockphoto.com/kuppa_rock). Foto: kuppa_rock

Neues Goldpreis-Rekordhoch über 4.700 US-Dollar

Ein neues Goldpreis-Rekordhoch ist am Dienstag im frühen Handel in den Fokus der Anleger gerückt: Der Preis für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) Gold stieg zeitweise um bis zu 1,2 Prozent auf 4.725,49 Dollar – damit kostete das Edelmetall erstmals mehr als 4.700 US-Dollar. Auch im weiteren Handelsverlauf blieb das Goldpreis-Rekordhoch nahezu intakt: Gegen 9:30 Uhr lag der Preis bei 4.723 Dollar und damit weiterhin 1,1 Prozent im Plus.

Parallel dazu markierte auch Silber einen historischen Höchststand. Der Silberpreis stieg in der Spitze um 0,4 Prozent auf 94,75 Dollar und war damit ebenfalls so teuer wie noch nie. Zuletzt rutschte der Silberpreis allerdings leicht ins Minus und tendiert im frühen Börsenhandel bei 94,55 Dollar rund 0,2 Prozent leichter.

Damit setzt sich die Rekordserie fort: Gold und Silber bleiben angesichts zahlreicher geopolitischer Krisen gefragt. Für viele Investoren gilt das Goldpreis-Rekordhoch als Ausdruck einer Flucht in Sicherheit. Das zeigt sich auch daran, dass der Goldpreis aktuell nicht nur von kurzfristigen Marktschwankungen, sondern zunehmend von politischen Spannungen und Zinserwartungen beeinflusst wird.

Goldpreis: Marke von 4.700 Dollar "geknackt"

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern spielte am Dienstagmorgen vor allem die Politik von US-Präsident Donald Trump eine Rolle. Im frühen Dienstagshandel kletterte der Goldpreis aufgrund anhaltender Trump-Drohungen in diese historischen Sphären. Trumps Grönland- bzw. Zollpolitik belasteten das globale Marktsentiment und lösten eine verstärkte Flucht in sichere Häfen aus.

Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Goldkurs durch den Dollar, der nachgab – ein Faktor, der Edelmetallpreise häufig stützt. Gleichzeitig ging es mit den Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen nach einer markanten Verkaufswelle zunächst bergauf, auf das höchste Niveau seit Ende August.

Auch Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed waren mitverantwortlich. Der Oberste Gerichtshof der USA will sich in dieser Woche mit dem Fall befassen, der Trumps Versuch betrifft, Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen. Das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group zeigt aktuell eine Wahrscheinlichkeit von fünf Prozent an, dass am 28. Januar eine Zinssenkung um 25 Basispunkte verkündet wird.

Am Dienstagmorgen präsentierte sich der Goldpreis aktuell mit steigenden Notierungen. Bis 7.15 Uhr (MEZ) verteuerte sich (gegenüber Freitag) der am aktivsten gehandelte Future auf Gold (Februar) um 123,00 auf 4.718,40 Dollar pro Feinunze. Damit bleibt der Trend klar: Das Goldpreis-Rekordhoch bestätigt den Eindruck, dass Anleger Gold derzeit als stabilen Anker im unsicheren Umfeld suchen.

Gold als Wertanlage: Sichere Bank in Krisenzeiten?

In Krisenzeiten steigt der Goldpreis – und das Goldpreis-Rekordhoch zeigt, wie stark diese Logik derzeit greift. Gold gilt als sogenannter „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten und war im vergangenen Jahr eine der gefragtesten Anlageklassen. Analysten begründen die gestiegene Nachfrage unter anderem mit zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten.

Dabei rückt auch das Goldpreis-Allzeithoch für viele Anleger als Signal in den Vordergrund: Edelmetalle – allen voran Gold – gelten als Schutz in Zeiten politischer Unsicherheiten. Silber wiederum ist zusätzlich ein wichtiges Industriemetall, das für zahlreiche Anwendungen rund um KI, Robotik und Energie benötigt wird.

Der neue Goldrausch

Der Handel mit dem Edelmetall boomt. Der Run auf Münzen und Goldbarren ist enorm, Goldhändler berichten von Wartezeiten und vergleichen den Ansturm mit jenem in der Coronazeit. Der Goldpreis stieg allein im vergangenen Jahr um satte 65 Prozent – der größte Jahresgewinn seit 1979. Historisch betrachtet sind solche Preissprünge bei Gold äußerst selten, denn die größten Goldkäufer sind in der Regel Notenbanken und Zentralbanken, die ihre Käufe sorgsam abwägen. Ende 2025 sprangen auch Banken, Fonds und Kleinanleger auf den Zug auf.

Auch Silber zog kräftig an: Bei Silber war das Jahresplus 2025 mit fast 150 Prozent noch deutlich höher; im laufenden Jahr ging es bereits um weitere 31 Prozent nach oben. Allein im Dezember 2025 schoss der Silberpreis um 40 Prozent nach oben. Während der Preis für Gold seit etwa einem halben Jahr kontinuierlich gestiegen ist, hat der Höhenflug beim Silber seit Anfang Dezember deutlich an Tempo gewonnen.

Goldpreis-Rekordhoch: Was bedeutet das für Anleger?

Das aktuelle Goldpreis-Rekordhoch steht damit nicht isoliert, sondern ist das Ergebnis mehrerer Faktoren: geopolitische Unsicherheit, Sorgen um Zinspolitik und Notenbank-Unabhängigkeit sowie eine klare Suche nach Stabilität. In diesem Umfeld wird das Goldpreis-Rekordhoch für viele Marktteilnehmer zum zentralen Bezugspunkt – genauso wie das Goldpreis-Allzeithoch, das immer neue Kursmarken in den Blick rückt.

Zugleich zeigt der Goldkurs, dass Edelmetalle derzeit von einem breiten Stimmungsbild getragen werden. „Venezuela, Grönland, diese von Trump verursachten Unsicherheiten, die treiben das Gold“, so Kindermann. Dazu komme die Aussicht auf fallende Zinsen in den USA.

Damit bleibt das Goldpreis-Rekordhoch ein Spiegel der Weltlage – und für Investoren ein deutliches Zeichen, wie stark Sicherheit aktuell gesucht wird.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs unter Druck: Zollsorgen beschleunigen die Korrektur – was jetzt wichtig wird
20.01.2026

Der DAX-Kurs gerät nach der jüngsten Rekordjagd weiter unter die Räder: Zollsorgen aus den USA drücken auf die Stimmung, während...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Gelbes Edelmetall erstmals über 4.700 US-Dollar – Silberpreis ebenfalls mit Allzeithoch
20.01.2026

Ein neues Goldpreis-Rekordhoch: Das gelbe Edelmetall durchbricht eine historische Marke nach der anderen, der Silberpreis zieht mit....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland: Erzeugerpreise fallen schneller als erwartet
20.01.2026

Die Erzeugerpreise in Deutschland sind erneut spürbar gefallen – und das bereits seit Monaten. Besonders die Energiekosten spielen dabei...

DWN
Politik
Politik Enteignung im Kriegsfall: Norwegens Militär schickt tausende Warnbriefe
20.01.2026

In Norwegen erhalten tausende Bürger Post vom Militär – und der Inhalt ist brisant. Es geht um Häuser, Autos, Boote und Maschinen, die...

DWN
Politik
Politik WEF 2026 Davos: Grönland, Zölle, Machtpoker – Europas Kurs zwischen Diplomatie und Härte
20.01.2026

Beim Weltwirtschaftsforum (WEF) 2026 in Davos wollen Europas Spitzenpolitiker noch vor Trumps Auftritt Akzente setzen. Zwischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Zölle belasten eigene Wirtschaft: 96 Prozent Selbstschaden
20.01.2026

Strafzölle der USA belasten nicht vor allem ausländische Exporteure, sondern die heimische Wirtschaft selbst. Das zeigt eine neue Analyse...

DWN
Politik
Politik EU will technologische Unabhängigkeit: Plan oder Illusion?
20.01.2026

Europa will unabhängiger von Technologien aus den USA und China werden – mit einer neuen Strategie für offene digitale Ökosysteme....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft „Ein Albtraum für den Handel“: EU kontert Trumps Strafzoll-Drohungen
19.01.2026

Donald Trump will mit Strafzöllen Druck auf Europa ausüben – doch kann er sich dabei überhaupt einzelne EU-Staaten herauspicken?...