Politik

Mehr Flexibilität für Kliniken: Bundestag verabschiedet Anpassungen zur Krankenhausreform

Der Bundestag hat nach monatelangen Verhandlungen weitreichende Änderungen an der umstrittenen Krankenhausreform beschlossen. Das Parlament nahm den Gesetzentwurf der Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) an, um den Kliniken und Planungsbehörden mehr Spielraum bei der Umsetzung vor Ort zu geben. Damit reagiert die aktuelle schwarz-rote Koalition auf die Kritik an der ursprünglichen „Revolution“, die Ende 2024 noch unter der Vorgängerregierung und dem damaligen Minister Karl Lauterbach (SPD) auf den Weg gebracht worden war.
06.03.2026 15:52
Lesezeit: 2 min

Ziele und Instrumente der Reform

Die Reform verfolgt das Ziel, den finanziellen Druck auf die bundesweit rund 1.700 Kliniken zu senken und eine stärkere Spezialisierung bei komplizierten Eingriffen zu erzwingen. Grundlage hierfür sind neue „Leistungsgruppen“, die medizinische Behandlungen präziser definieren als bisherige Abteilungen. Nur Kliniken, die einheitliche Qualitätsvorgaben bei Fachpersonal und Ausstattung erfüllen, dürfen diese Leistungen mit den Krankenkassen abrechnen. Hintergrund der Maßnahmen sind chronische Finanznöte, Personalengpässe und die Tatsache, dass etwa ein Drittel der 470.000 Betten zuletzt unbelegt blieb. Zudem steigen die Ausgaben der gesetzlichen Kassen für Kliniken in diesem Jahr voraussichtlich auf 120 Milliarden Euro.

Die wichtigsten Neuerungen und Ausnahmen

Mit dem nun verabschiedeten Änderungsgesetz wird die Umsetzung flexibler gestaltet. „Viele Regelungen der Krankenhausreform waren für die Häuser und Planungsbehörden vor Ort nicht praxistauglich umsetzbar“, begründete Ministerin Warken die Anpassungen. Die wesentlichen Änderungen im Überblick:

  • Ausnahmeregelungen: Länder können Kliniken befristet erlauben, Leistungsgruppen anzubieten, auch wenn diese die Qualitätskriterien noch nicht erfüllen. Diese Ausnahmen können um bis zu drei Jahre verlängert werden.

  • Fristen: Die Umstellungen bei der Vergütung greifen ein Jahr später als geplant und sollen bis 2030 abgeschlossen sein.

  • Struktur: Statt 65 wird es nun 61 Leistungsgruppen geben.

  • Finanzielle Unterstützung: Der Bund erhöht seinen Anteil am Unterstützungsfonds für die Neuaufstellung der Kliniken von 25 Milliarden auf 29 Milliarden Euro bis zum Jahr 2035.

  • Patientenservice: Für radiologische Termine über die Hotline 116 117 gilt künftig eine maximale Wartezeit von drei Wochen. Zudem wird der „Bundes-Klinik-Atlas“ in die Regie des Gemeinsamen Bundesausschusses überführt.

Geteiltes Echo und scharfe Kritik

Während die Deutsche Krankenhausgesellschaft die erreichte Planungssicherheit begrüßt und die gesetzlichen Krankenkassen von einem „tragfähigen Kompromiss“ sprechen, kommt von der Opposition und Patientenvertretern heftiger Widerstand.

Grünen-Experte Janosch Dahmen warnte vor einer „faktischen Rückabwicklung“ und betonte, dass Routine bei komplexen Eingriffen Leben rette. Die AfD kritisierte die Entstehung eines „bürokratischen Monstrums“, während die Linke die Sorge vor dem Aus bedarfsnotwendiger Krankenhäuser äußerte. Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz zeigte sich enttäuscht über die „verwässerte Strukturreform“.

Das Gesetz muss abschließend noch den Bundesrat passieren. Da die Länderinteressen in den letzten Verhandlungen bereits berücksichtigt wurden, gilt eine Zustimmung dort als wahrscheinlich. Ministerin Warken betonte abschließend die Notwendigkeit des Wandels: „Weder haben wir das Fachpersonal noch das Geld, die Strukturen so zu belassen, wie sie sind.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Großbritannien: Britischer Premierminister Starmer kündigt Rücktritt an
22.06.2026

Der Labour-Chef Keir Starmer hatte sich zuletzt von einer Krise zur nächsten gehangelt. Auslöser der jüngsten Zuspitzung war eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditklemme 2026: Wird Finanzierung zum Problem?
22.06.2026

Nicht der abgelehnte Kredit ist das größte Risiko für Deutschlands Mittelstand – sondern der Antrag, der gar nicht mehr gestellt wird....

DWN
Politik
Politik Auf dem Weg zur Volkspartei? Wie es für die Linke weitergeht
22.06.2026

Neues Spitzenduo, alte Streitfragen und viel Wut auf Schwarz-Rot: Die Linke will mit Protesten Millionen bewegen. Kann sie wirklich zur...

DWN
Politik
Politik Russische Zentralbankchefin auf mysteriöse Weise verschwunden
22.06.2026

Die russische Zentralbankchefin Elvira Nabiullina ist seit fast drei Wochen nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. Nun machen...

DWN
Politik
Politik Kliniksterben: Marienhospital insolvent - Jede zweite Klinik vorm Aus
22.06.2026

Marienhospital in Stuttgart vorm Aus: So könnte es jeder zweiten Klinik im Land ergehen. Was der Chef des Krankenhausverbands zur...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
22.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...

DWN
Politik
Politik Litauen-Brigade: Verteidigungsminister Pistorius hält Verpflichtungen für möglich
22.06.2026

Für die neue Brigade in Litauen setzt die Bundeswehr auf Freiwillige. Doch weil sich nicht genügend Freiwillige für die Litauen-Brigade...

DWN
Politik
Politik Politikerbeleidigung: Merz hat als Kanzler keine Strafanträge gestellt
22.06.2026

Wie reagiert der Bundeskanzler auf Beleidigungen im Netz? Früher als Oppositionsführer stellte Friedrich Merz diverse Strafanzeigen wegen...