Trumps Krieg gegen den Iran könnte in Bürgerkrieg und Atomdrohungen enden
Im besten Fall endet der Krieg im Nahen Osten mit einer neuen Führung in Teheran, die amerikanische Forderungen akzeptiert und ihre Drohungen gegen Israel sowie andere Nachbarstaaten beendet. In diesem Szenario würde der Iran seine Konfrontationspolitik deutlich zurückfahren und außenpolitisch weniger konfrontativ auftreten.
Gleichzeitig könnte das Land wieder stärker in die internationale Ordnung eingebunden werden. Sanktionen könnten schrittweise gelockert werden, was dem Iran wirtschaftlich neue Spielräume eröffnen würde. Vor allem der Export von Öl und Gas könnte dadurch wieder an Bedeutung gewinnen.
Im schlechtesten Fall droht jedoch das Gegenteil. Der Krieg gegen den Iran könnte ein politisches Machtvakuum hinterlassen, das zu einem chaotischen Zerfall des Staates führt. Eine solche Entwicklung würde nicht nur den Iran destabilisieren, sondern auch den gesamten Nahen Osten erschüttern. Besonders kritisch wäre dabei der Umgang mit dem hochangereicherten Uran, über das der Iran derzeit verfügt.
Szenarien zwischen Stabilisierung und regionalem Chaos
Präsident Donald Trump verfügt offenbar über keinen klar erkennbaren Plan für ein Ende des Krieges gegen den Iran. Wann der Konflikt beendet werden könnte, bleibt daher völlig offen. In Washington kursieren Zeiträume von fünf oder sechs Wochen, teilweise auch länger. Eine überzeugende Erklärung für diese Zeitangaben gibt es bislang nicht.
Die möglichen Entwicklungen reichen von einer vorsichtigen Stabilisierung bis hin zu extremen Krisenszenarien. Diese Spannbreite erinnert an den Titel des Sergio-Leone-Films „Der Gute, der Böse und der Hässliche“. Auch im Konflikt mit dem Iran stehen mehrere sehr unterschiedliche Zukunftsbilder nebeneinander. Ihr Ausgang ist derzeit kaum vorhersehbar.
Am positiven Ende dieses Spektrums steht ein Iran, der wieder stärker in die internationale Gemeinschaft integriert wird. Sanktionen könnten gelockert werden, wodurch das Land mehr Öl und Erdgas auf den Weltmarkt bringen könnte. Für die globalen Energiemärkte hätte eine solche Entwicklung erhebliche Bedeutung. Auch europäische Staaten würden von stabileren Energiepreisen profitieren.
Gefahr eines unkontrollierten Zerfalls
Ein solcher Staat müsste dabei nicht zwingend demokratisch sein. Denkbar wäre auch ein autoritäres System, das politisch stabil bleibt, aber außenpolitisch kooperationsbereiter auftritt. In diesem Fall könnten neben China und Russland auch westliche Staaten wieder enger mit Teheran zusammenarbeiten. Für viele Regierungen wäre Stabilität wichtiger als ein demokratischer Wandel.
Am anderen Ende des möglichen Entwicklungsspektrums steht jedoch ein deutlich düsteres Szenario. Eine blutige Bürgerkriegsphase im Iran könnte entstehen, begleitet von großen Flüchtlingsbewegungen in der gesamten Region. Ein solcher Konflikt würde den ohnehin angespannten Nahen Osten weiter destabilisieren. Die geopolitischen Folgen wären kaum absehbar.
Besonders brisant ist dabei eine andere Gefahr. Der Iran verfügt über rund 440 Kilogramm hochangereichertes Uran. Diese Menge würde nach Schätzungen ausreichen, um etwa zehn Atombomben zu produzieren. Sollte der Staat im Zuge eines Machtkampfes auseinanderbrechen, könnte die Kontrolle über dieses Material verloren gehen.
Erste Kontakte zwischen Geheimdiensten
Zwischen diesen beiden Extremen existiert eine Vielzahl möglicher Entwicklungen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, dass erste diplomatische Kontakte entstehen. Hinweise darauf sind inzwischen aufgetaucht und werden in Washington aufmerksam verfolgt. Noch ist jedoch unklar, wie belastbar diese Signale tatsächlich sind.
Nach Informationen der New York Times sollen Vertreter des iranischen Geheimdienstes über den Geheimdienst eines Drittstaates Kontakt zur amerikanischen CIA aufgenommen haben. Ziel dieser Kontakte sei es gewesen, mögliche Bedingungen für ein Ende des Krieges auszuloten. Ob daraus echte Verhandlungen entstehen, bleibt offen.
Die amerikanische Regierung reagiert auf diese Kontakte allerdings mit Skepsis. In Washington bezweifeln viele Verantwortliche, dass Geheimdienstvertreter verbindlich für einen Staat sprechen können, dessen politische Führung derzeit unklar ist. Mehrere mögliche Nachfolger von Ayatollah Ali Khamenei wurden bereits getötet.
Machtkampf um die Nachfolge in Teheran
Durch diese Situation ist unklar, wer im Iran derzeit überhaupt in der Lage wäre, verbindliche politische Entscheidungen zu treffen. Das Machtgefüge im Land befindet sich in einer besonders instabilen Phase. Rivalisierende Gruppen innerhalb des Systems versuchen offenbar, ihre Position zu sichern.
Israel griff zuletzt ein Gebäude in der heiligen Stadt Qom an, in dem der sogenannte Expertenrat über die Wahl eines neuen religiösen Führers beraten hatte. Dieser Rat ist formal für die Bestimmung der obersten politischen Autorität des Landes zuständig. Der Angriff verschärfte die Unsicherheit innerhalb der iranischen Führung.
Wie viele Menschen bei dem Angriff ums Leben kamen und welche Folgen dies für den weiteren Verlauf des Auswahlprozesses hat, ist derzeit unklar. Bislang wird lediglich ein möglicher Kandidat namentlich genannt. Dabei handelt es sich um Mojtaba Khamenei, den Sohn des getöteten religiösen Führers.
Wann Trump den Krieg als gewonnen erklären könnte
Entscheidend für die weitere Entwicklung des Konflikts ist eine andere Frage. Unter welchen Bedingungen würde Präsident Trump erklären, sein Ziel erreicht zu haben, und den Krieg politisch als Erfolg darstellen. Diese Frage bestimmt maßgeblich den Handlungsspielraum der amerikanischen Regierung.
Dabei verlangt Trump offenbar nicht, dass der Iran zu einer Demokratie wird. Eine solche Forderung spielt auch in seinen Gesprächen mit Russland unter Präsident Wladimir Putin keine zentrale Rolle. Für Washington stehen strategische Interessen im Vordergrund.
Auch die Staaten am Persischen Golf verfolgen derzeit andere Prioritäten. Für sie stehen vor allem die unmittelbare Bedrohung durch Raketenangriffe sowie mögliche Engpässe bei der Lebensmittelversorgung im Mittelpunkt. Die Stabilität der Region ist für sie entscheidend.
Versorgungssorgen in den Golfstaaten
Rund 80 bis 90 Prozent der Lebensmittel in den Golfstaaten werden per Flugzeug oder Schiff importiert. Wenn Transportwege durch militärische Angriffe oder Sicherheitsrisiken unterbrochen werden, kann dies schnell zu Versorgungsproblemen führen. Die wirtschaftlichen Folgen wären für viele Staaten erheblich.
Deshalb wäre ein Regimewechsel im Iran aus Sicht Washingtons nicht zwingend notwendig, um einen politischen Erfolg zu verkünden. Entscheidend könnte vielmehr sein, dass ein neues iranisches Machtzentrum stabil und berechenbar auftritt. Für die USA wäre vor allem die außenpolitische Linie entscheidend.
Ein solches Szenario würde aus amerikanischer Perspektive bereits als Erfolg gelten. Wichtig wäre vor allem, dass der Iran seine militärischen Drohungen gegenüber Israel und den arabischen Nachbarstaaten einstellt. Dadurch könnte sich die Sicherheitslage im Nahen Osten deutlich entspannen.
Revolutionsgarde als entscheidender Machtfaktor
Die optimistische Variante gilt jedoch als eher unwahrscheinlich. Historisch gesehen werden autoritäre Systeme häufig von neuen autoritären Regimen abgelöst. Auch im Iran könnte ein Machtwechsel daher kaum zu einer liberaleren politischen Ordnung führen.
Die Führung der iranischen Revolutionsgarde ist politisch stark vom Iran-Irak-Krieg zwischen 1980 und 1988 geprägt worden. Dieser Konflikt kostete nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 500.000 und einer Million Soldaten das Leben. Viele heutige Generäle stammen aus dieser Zeit.
Diese Offiziere kontrollieren inzwischen große Teile der Wirtschaft und verfügen über erheblichen politischen Einfluss. Ein Machtverlust würde ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen unmittelbar gefährden. Deshalb ist ein freiwilliger Rückzug aus der Machtstruktur unwahrscheinlich.
Atomprogramm als Überlebensstrategie
Aus diesem Grund könnte sich die Führung der Revolutionsgarde dafür entscheiden, das Atomprogramm weiter voranzutreiben. Die Entwicklung von Atomwaffen könnte noch stärker verborgen werden, etwa in tief unterirdischen Anlagen. Internationale Kontrollen wären dann kaum noch möglich.
In einem solchen Szenario würde der Besitz von Atomwaffen zur wichtigsten Garantie für das Überleben des Regimes werden. Eine solche Strategie erinnert stark an das Vorgehen Nordkoreas. Atomwaffen würden als Abschreckung gegen äußere Eingriffe dienen.
Gleichzeitig könnte das Regime versuchen, seine Kontrolle über die Bevölkerung zu verschärfen. Politische Opposition würde in diesem Fall noch stärker unterdrückt. Die innenpolitische Lage im Iran könnte sich dadurch weiter verschärfen.
Gefahr eines Bürgerkriegs im Vielvölkerstaat
Hinzu kommt ein weiteres strukturelles Risiko. Der Iran ist ein Vielvölkerstaat mit großen ethnischen Minderheiten, darunter Kurden, Aserbaidschaner und weitere Bevölkerungsgruppen. Viele dieser Gruppen verfügen über eigene politische Organisationen. Einige streben seit Jahren größere Autonomie an.
Sollte die zentrale Macht in Teheran geschwächt werden, könnten diese Gruppen versuchen, ihren Einfluss auszubauen. In einzelnen Regionen könnten separatistische Bewegungen entstehen. Die staatliche Kontrolle über das gesamte Territorium würde dadurch geschwächt.
Ein solcher Machtkampf könnte rasch in einen Bürgerkrieg münden. Die Folge wäre eine langanhaltende Instabilität im gesamten Nahen Osten. Für Israel würde ein intern geschwächter Iran zwar eine geringere Bedrohung darstellen.
Auswirkungen auf Europa und Deutschland
Für Europa und insbesondere Deutschland hätte eine weitere Eskalation jedoch erhebliche wirtschaftliche Folgen. Der Krieg gegen den Iran beeinflusst bereits heute Energiepreise, globale Lieferketten und wichtige Handelsrouten im Nahen Osten. Besonders betroffen wäre der Energiemarkt.
Sollte der Konflikt in einen Bürgerkrieg oder eine weitere nukleare Aufrüstung münden, könnten steigende Ölpreise die europäische Wirtschaft belasten. Gleichzeitig könnten neue Flüchtlingsbewegungen entstehen. Die geopolitischen Spannungen würden damit auch für Deutschland spürbar werden.
