Rekordwachstum dank generativer KI
Kaum gegründet, schon ein Star: Das schwedische Start-up Lovable zählt zu den heißesten Jungunternehmen Europas – und vielleicht weltweit. Die 2023 gegründete Firma erreichte bereits im Februar 2025 ein jährliches wiederkehrendes Umsatzvolumen (ARR) von 17 Millionen US-Dollar. Ein Wert, den vergleichbare SaaS-Start-ups erst nach mehreren Jahren erzielen.
Das Beeindruckende: Das Team besteht aus gerade einmal 15 Mitarbeitenden. Der Grund für den Erfolg? Eine revolutionäre KI-Plattform, mit der selbst Laien vollständige Apps allein per Texteingabe entwerfen können – den gesamten Code erzeugt die KI im Hintergrund.
Programmieren ohne Entwickler – Vibe Coding als neue Disziplin
Das Prinzip wird in der Tech-Szene als „Vibe Coding“ bezeichnet – ein Begriff, geprägt vom früheren Tesla-KI-Chef Andrej Karpathy. Gemeint ist die Programmierung via KI-Dialog statt durch manuelles Codieren.
Lovable bringt damit ein Versprechen auf den Punkt, das seit Jahren durch die Branche geistert: Softwareentwicklung ohne Programmierkenntnisse. Zu den Konkurrenten zählen Plattformen wie Replit oder Cursor – doch keine wächst so schnell wie Lovable.
Das Unternehmen setzt auf eine Kombination der Sprachmodelle von OpenAI, Google Gemini und Anthropic – und schafft so eine generative Plattform, die Softwareprojekte allein aus textlicher Beschreibung aufsetzt.
Von der Nebenidee zum Kapitalmagneten
Gründer Anton Osika gilt als zentraler Erfolgsfaktor. Mit nur 34 Jahren hat er bereits mehrere Start-ups aufgebaut, darunter „Sana“ und „Depict“. Letzteres wurde von bekannten Fonds wie Tiger Global oder Y Combinator finanziert. Osika begann Lovable ursprünglich als internes Tool bei Depict, nannte es „GPT Engineer“ – und landete einen viralen Hit auf GitHub.
Nach nur einem Tweet auf X wurde sein Projekt über Nacht zur meistverfolgten KI-Code-Plattform. Heute zählen über 30.000 Nutzer weltweit zu den zahlenden Kunden. Im Februar 2025 schloss Lovable eine weitere Finanzierungsrunde über 15 Millionen Dollar ab – angeführt vom skandinavischen VC Creandum.
Gefahr durch Erfolg? Sicherheitsbedenken wachsen
Doch je größer die Euphorie, desto lauter die Kritik. Cybersecurity-Experten warnen: KI-generierter Code birgt erhebliche Risiken – von Sicherheitslücken bis zu unzureichender Datenarchitektur. Selbst OpenAI musste kürzlich einräumen, dass selbst ihre besten Modelle einen Großteil der Programmieraufgaben nicht fehlerfrei lösen können.
Sharar Manas, Gründer des Sicherheitsunternehmens Backslash Security, sieht eine besorgniserregende Entwicklung: „Die Geschichte zeigt, dass Sicherheit stets hinterherhinkt – bei Cloud, Open Source und DevOps. Jetzt beschleunigen wir erneut, und wieder ist die Absicherung nicht vorbereitet.“
Deutschland und Europa: Infrastrukturen als Schlüssel
Gerade für Deutschland ist die Entwicklung brisant. Einerseits birgt sie Potenziale für KMUs, die ohne Tech-Personal digitale Produkte entwickeln könnten. Andererseits droht ein massiver Vertrauensverlust, wenn KI-generierte Software fehleranfällig bleibt.
Der EU-Markt wächst weiterhin: Im ersten Quartal 2025 stiegen die Verkäufe batterieelektrischer Fahrzeuge um über 26 Prozent – trotz Teslas Schwäche. Lovable profitiert vom europäischen Bekenntnis zu technologischer Souveränität und Investitionsoffenheit.
Lovable ist mehr als ein Start-up – es ist ein Signal
Die Geschichte von Lovable markiert einen Wendepunkt. Nicht nur, weil ein Mini-Team einen Millionenumsatz erzielt – sondern weil es zeigt, was generative KI in der Softwareentwicklung leisten kann. Und was nicht. Die kommenden Jahre werden darüber entscheiden, ob Vibe Coding zur Massenbewegung wird – oder zum Sicherheitsrisiko. Europas Industrie steht vor der Wahl: mitgestalten oder abgehängt werden.