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Leben auf einem Eismond? - Astrobiologe auf Spurensuche

Dicke Eiskruste und bis zu minus 200 Grad - klingt nicht gerade angenehm. Warum der Saturnmond Enceladus auf der Suche nach außerirdischem Leben trotzdem vielversprechend ist.
15.06.2025 14:22
Lesezeit: 2 min
Leben auf einem Eismond? - Astrobiologe auf Spurensuche
Der Saturn-Mond Enceladus mit Wasserdampf-Fontänen: „Wo Wasser ist, ist auch Leben möglich“, sagt der Astrobiologe Nozair Khawaja, der ein Forschungsteam an der Freien Universität leitet. (Foto: dpa) Foto: NASA/JPL/Space Science Institute

Leben auf einem Eismond? - Astrobiologe auf Spurensuche

Auf den ersten Blick wirkt der Saturnmond Enceladus eher unspektakulär: Erst ist weitaus kleiner als unser Mond, weit weg und komplett von Eis bedeckt. Doch unter dem gefrorenen Panzer verbirgt sich ein Ozean aus flüssigem Wasser – und damit einer der vielleicht vielversprechendsten Orte im Sonnensystem bei der Suche nach außerirdischem Leben.

„Wo Wasser ist, ist auch Leben möglich“, sagt der Astrobiologe Nozair Khawaja, der ein Forschungsteam an der Freien Universität (FU) leitet. Experimente sollen demnächst zeigen, welche Stoffe sich unter Bedingungen, wie sie auf Enceladus herrschen, bilden können.

Nachweis von flüssigem Wasser war eine Sensation

Saturn ist von der Sonne aus gesehen der sechste Planet hinter Mars und Jupiter. „Früher glaubten Wissenschaftler, dass die Region jenseits des Mars für die Suche nach Leben oder Bedingungen für Leben hoffnungslos sei“, erklärt Khawaja. Es sei zu kalt und gebe zu wenig Sonnenlicht.

Der Nachweis von flüssigem Wasser auf Enceladus sei daher eine kleine Sensation gewesen. Den ersten Hinweis auf einen unterirdischen Ozean gab es 2005, als mehrere Spezialinstrumente Wasserstrahlen und -fontänen am Südpol des Mondes ausmachten. Entlang großer Risse werden Wasserdampf und Eiskörner hunderte Kilometer hoch ins Weltall geschleudert.

Leben oder chemische Reaktionen?

In eingefangenen Eis-Partikeln ließen sich kleine, einfache, aber auch große und komplexe organische – also auf Kohlenstoff basierende – Moleküle nachweisen. „Zum ersten Mal haben wir sehr große organische Moleküle in einem extraterrestrischen Ozean gefunden“, erklärt Khawaja. Das könne darauf hinweisen, dass es auf Enceladus biologische Aktivitäten gibt. Alternativ könnten die Moleküle allerdings auch durch eine hydrothermale Reaktionen entstanden sein.

Im Labor wollen er und sein Team die Bedingungen im Untergrund des Enceladus-Ozeans simulieren und nachvollziehen, was tief unter der Eisschicht passiert. Was würde es bedeuten, wenn es auf Enceladus tatsächlich Leben gibt? Khawaja meint: „Die Entdeckung von extraterrestrischem mikrobiellem Leben würde die Hoffnung wecken, dass Spuren des Lebens vielleicht auch an anderen Orten im Universum verbreitet sind und dort Bedingungen herrschen können, unter denen menschenähnliches Leben möglich ist oder in Zukunft angesiedelt werden könnte.“

Keine Hoffnung auf Enceladus-Männchen

Für Science-Fiction-Fans hat der Wissenschaftler eine enttäuschende Nachricht: Gesucht werde nach einfachen Lebensformen wie Bakterien. Von der Vorstellung vom kleinen grünen Männchen, das Enceladus bewohnt, müsse man sich verabschieden. „Wir suchen nicht nach etwas, das uns ähnlich ist und zwei Augen, eine Nase und Arme hat.“

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