Finanzen

Überschuldung: Wie Sie finanzielle Probleme gezielt in den Griff bekommen

Wenn das Konto dauerhaft ins Minus rutscht, hilft oft kein Sparkurs mehr. Wer Schulden abbauen will, braucht Klarheit, Mut und einen Plan. Doch wo beginnt man, wenn das finanzielle Chaos überhandnimmt – und wie lässt sich Überschuldung ohne professionelle Hilfe bewältigen?
31.07.2025 12:21
Lesezeit: 4 min
Überschuldung: Wie Sie finanzielle Probleme gezielt in den Griff bekommen
Überschuldung: Wer zu viele Schulden hat, muss im Alltag oft auch bei kleinen Anschaffungen viel rechnen (Foto: pixabay.com/loufre).

Überschuldung: Wie Sie finanzielle Probleme gezielt in den Griff bekommen

Stecken Sie in einer Schuldenfalle? Ein Ausweg ist – besonders bei überschaubaren Beträgen – oft eigenständig möglich. Ein gründlicher Kassensturz kann ein erster Schritt aus der Überschuldung sein.

Ratenkäufe, Immobilienkredite oder ein per Darlehen finanziertes Fahrzeug: Schulden gehören zum Alltag vieler Menschen. Problematisch wird es jedoch, wenn Tilgung nicht mehr gelingt – sprich, wenn Einkommen und Vermögen dauerhaft nicht ausreichen, um Forderungen zu begleichen. Genau dann liegt eine Überschuldung vor. "Die Gründe dafür sind so verschieden wie die Menschen selbst", erklärt Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg. Trotzdem lassen sich einige typische Ursachen für eine Überschuldung identifizieren.

Dazu gehören laut Föller insbesondere Einkommensausfälle, gesundheitliche Probleme, Trennung oder Scheidung sowie der Todesfall eines Mitverpflichteten. "Die vielzitierte unwirtschaftliche Haushaltsführung, Stichwort Konsumverhalten, ist nur in den seltensten Fällen die Ursache einer Überschuldung", betont Föller. Diese Einschätzung stützt sich zum Teil auf den jährlichen Überschuldungsreport des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Im Report 2024 war Arbeitslosigkeit in etwa 17,5 Prozent der Fälle der Hauptgrund für eine Beratung. Rechnet man Krankheit (etwa 13 Prozent) sowie Trennung oder Scheidung (knapp 10 Prozent) hinzu, ergibt sich: Fast 40 Prozent der Überschuldung entstehen aus Ereignissen, die kaum beeinflussbar sind.

Immerhin bei rund jedem zwölften Fall (etwa 8,3 Prozent) ist das Konsumverhalten der Auslöser der Überschuldung.

Überschuldung? Beratung nutzen, bevor Geldsorgen eskalieren

Doch wer in die Schuldenspirale gerät, tut das meist nicht plötzlich. Es gibt Frühwarnzeichen. "Das kann etwa ein ständig genutzter Dispokredit sein", erläutert Sally Peters, geschäftsführende Direktorin des iff. Dieser Kredit ist vergleichsweise teuer – ein klares Zeichen, dass das Einkommen nicht mehr ausreicht. Weitere Warnsignale sind Rückstände bei Mietzahlungen oder Energieversorgern. "Beides kann schnell existenzgefährdend sein", warnt Peters.

Häufen sich unbezahlte Rechnungen, ist rasches Handeln entscheidend. Doch wie lässt sich eine Überschuldung abbauen? "Nahezu jede Schuldnerberatungsstelle bietet offene Sprechstunden oder Telefonsprechstunden an, die sollte man nutzen", rät Peters. Die Anlaufstellen geben praktische Hinweise. Erste Hilfe gibt es auch auf dem Infoportal der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (BAG SB).

Finanzübersicht verschaffen: Einnahmen, Ausgaben und Schulden auflisten

Wichtig ist, sich in einem ersten Schritt einen Überblick über die eigene Finanzlage zu verschaffen. Das heißt: Einfach mal auflisten, welche Schulden man hat, wie viele Zinsen darauf anfallen und wann das Geld spätestens zurückgezahlt sein muss.

Im nächsten Schritt geht es darum, sich Einnahmen und regelmäßige Ausgaben wie Miete oder Lebensmitteleinkäufe genauer anzuschauen. Welche Ausgaben sind ein Kann, welche ein Muss? Wo lässt sich sparen? Mit einem Haushaltsbuch, in dem man regelmäßig alle Ausgaben im Detail notiert, kann man schnell herausfinden, an welcher Stelle Ausgaben gesenkt werden können. Ein solches Haushaltsbuch lässt sich ganz traditionell mit Stift und Papier führen - oder aber über eine App.

Finanzen strukturieren und Ausgaben optimieren

Ergänzend lohnt es sich, die folgenden sieben Schritte zu beachten, um die eigene finanzielle Situation dauerhaft zu verbessern.

Bestandsaufnahme: Basis strukturierter Finanzen

Starten Sie mit einer umfassenden Analyse Ihrer Einnahmen und Ausgaben. Nur mit vollständiger Transparenz lassen sich echte Einsparpotenziale und finanzielle Ziele erkennen. Haushaltsbuch-Vorlagen oder Apps wie YNAB, Finanzguru oder Money Manager helfen Ihnen dabei – oder auch klassisch per Notizbuch über drei Monate.

Fixkosten und variable Ausgaben im Blick behalten

Unterscheiden Sie klar zwischen fixen Posten (Miete, Strom, Versicherungen) und variablen Ausgaben (Lebensmittel, Freizeit). Häufig verbergen sich auch bei Fixkosten Optimierungsmöglichkeiten – z. B. bessere Verträge oder günstigere Tarife.

Verträge prüfen und optimieren

Kündigen oder optimieren Sie ungenutzte Abos wie Streaming, Fitness oder Handy. Frühere Entscheidungen passen heute oft nicht mehr zur aktuellen Situation. Auch Energie- oder Versicherungsverträge bieten regelmäßig Sparpotenzial.

Energie- und Bankkosten reduzieren

Vergleichen Sie Strom- oder Gastarife regelmäßig – oft gibt es Neukundenboni. Konsolidieren Sie zudem Bankkonten: Ein Hauptkonto bei günstiger Internet-Bank kann Gebühren reduzieren.

Kosten verringern, Schulden abbauen – gezielt und Schritt für Schritt

Wichtig ist für verschuldete Personen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Stattdessen sollte man sich schleunigst mit seinen Finanzen befassen.

Wer im Rahmen der Selbsthilfe seine aufgelisteten eigenen Ausgaben von den Einnahmen abgezogen hat, hat den Betrag, mit dem er oder sie die Schulden tilgen kann. In einem Schuldenplan ist aufzulisten, welche Forderungen am dringendsten zu zahlen sind - zum Beispiel die Rechnung des Strom-Anbieters - und welche weniger Priorität haben. Eine bewährte Orientierung bietet die 50/30/20-Regel:

  • 50 Prozent für Grundbedürfnisse (Miete, Strom, Lebensmittel)
  • 30 Prozent für Freizeit und Wünsche
  • 20 Prozent für Ersparnisse und Schuldenrückzahlung

Mit dieser Struktur erkennen Sie, wie viel Sie in Ihre Überschuldung investieren können und ob Anpassungen nötig sind – etwa beim Tarif oder Wohnort.

Zusätzliche Einnahmen schaffen: Job oder Verkauf nutzen

Um zusätzliche Einnahmen zu erzielen und Schulden rascher zu begleichen, bietet sich ein Nebenjob an. Auch wer Keller oder Dachboden entrümpelt und gut erhaltene Dinge online verkauft, kann die Einnahmen erhöhen und der Überschuldung entgegenwirken. Wichtig ist auch, mit Gläubigern wie Vermietern ins Gespräch zu kommen und offen über die Geldsorgen zu reden. "Auch wenn es abgedroschen klingt", meint Peters, "reden hilft."

Sie rät Überschuldeten, sich eine vertrauensvolle Person an die Seite zu holen. Und wenn der Schuldenabbau allein nicht gelingt, ist professionelle Unterstützung durch eine Schuldnerberatung jederzeit möglich – und nie ein Fehler.

Sparziele automatisieren

Ein weiterer Erfolgsfaktor: automatisierte Sparmethoden mit klaren Zielen. Planen Sie kurz-, mittel- und langfristige Sparziele, richten Sie Daueraufträge ein und visualisieren Sie Ihre Fortschritte – zum Beispiel mit Fotos von Urlaubszielen oder Zwischenbelohnungen.

Durch die Kombination aus Haushaltsbuch, Vertragscheck, Budgetregel, automatischem Sparen und offener Kommunikation mit Gläubigern legen Betroffene eine solide Grundlage, um Überschuldung erfolgreich zu bekämpfen und finanzielle Stabilität zu erreichen.

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