Unternehmen

Elon Musks X wird zur Bank: Der Angriff auf das Finanzsystem

Elon Musks Plattform X will mehr sein als ein soziales Netzwerk. Mit eigenen Finanzdiensten und digitaler Geldbörse kündigt sich eine Revolution an – und Europa muss reagieren.
29.06.2025 11:11
Lesezeit: 1 min
Elon Musks X wird zur Bank: Der Angriff auf das Finanzsystem
Elon Musk verwandelt den früheren Kurznachrichtendienst Twitter in eine multifunktionale Super-App für Social Travel, Payments und Investments. (Foto:dpa) Foto: Jennifer Brückner

Ein neuer Schritt Richtung Super-App

Die Social-Media-Plattform X, vormals Twitter und heute im Besitz von Elon Musk, steht vor einem grundlegenden Wandel. Laut CEO Linda Yaccarino soll X künftig auch Investitionen ermöglichen – ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu Musks Vision einer „Everything-App“. In einem Interview mit der Financial Times erklärte Yaccarino: „Sie können zu X kommen und Ihr gesamtes Finanzleben auf diese Plattform bringen.“ Ob es um das Teilen der letzten Restaurantrechnung, das Investieren in Aktien oder das Bezahlen von Rechnungen gehe – X wolle künftig alles vereinen.

Mit dieser Ankündigung reiht sich X in eine wachsende Zahl digitaler Plattformen ein, die weit über ihre ursprüngliche Funktion hinausgehen. Die Integration von Finanzdienstleistungen wird dabei als Schlüssel zur Monetarisierung der riesigen Nutzerbasis verstanden. Auch eine Kredit- oder Debitkarte unter dem Label X sei laut Yaccarino bereits in Arbeit – die Präsentation für die Öffentlichkeit könnte noch in diesem Jahr erfolgen.

X auf den Spuren von WeChat

Die Neuausrichtung erinnert nicht zufällig an das chinesische WeChat-Modell. Die in China weit verbreitete App vereint Chat, Shopping, Bezahlen und Banking in einer einzigen Anwendung. Musk hatte bereits in der Vergangenheit betont, dass X in eine ähnliche Richtung entwickelt werden solle. Bereits angekündigt sind daher: eine digitale Geldbörse, eine eigene Währung und ein Peer-to-Peer-Zahlungssystem – Visa soll als Partner fungieren.

Der Einstieg in den Zahlungsverkehr ist Teil einer umfassenden Strategie. Laut Yaccarino soll X zunächst in den USA ein eigenes Finanzsystem aufbauen, das Nutzern nicht nur den Kauf von Waren, sondern auch das direkte Bezahlen von Content Creators ermöglicht. Die Plattform soll so zur Infrastruktur für digitale Mikrotransaktionen werden.

Regulatorische Hürden als Spielverderber

Doch der Weg zur Super-App ist nicht frei von Hindernissen. Die Financial Times warnt, dass insbesondere der Bereich Finanzdienstleistungen strengen gesetzlichen Anforderungen unterliegt. So müsse X in jedem US-Bundesstaat Einzelgenehmigungen einholen – ein aufwändiger und kostspieliger Prozess. Auch internationale Expansionen würden regulatorische Expertise und verlässliche Partner verlangen.

Was bedeutet das für Deutschland und Europa?

Für deutsche Nutzer und Unternehmen sind die Pläne von X mehr als nur eine Tech-News aus dem Silicon Valley. Sollte X seine Finanzdienste auch in Europa ausrollen, könnte es das traditionelle Bankwesen und Fintech-Unternehmen unter Druck setzen. Regulierer wie BaFin oder die Europäische Zentralbank müssten sich mit einem weiteren globalen Akteur auseinandersetzen, der Technologie, Social Media und Finanzdienstleistungen miteinander verknüpft. Für deutsche Anbieter könnte dies den Startschuss bedeuten, eigene Plattformstrategien zu überdenken – oder schneller als erwartet Marktanteile zu verlieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen DeFi-Hashing nutzt die Rechenleistung künstlicher Intelligenz, um das Vermögen der Nutzer zu mehren.

Major economies are actively promoting the establishment of a unified capital market regulatory framework and plan to strengthen the...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Einkommensteuer-Reform geplant: Wer ab 2027 entlastet werden soll
04.06.2026

Mehr Netto vom Brutto für die Mitte der Gesellschaft: Zum 1. Januar 2027 plant die Bundesregierung eine weitreichende Reform der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Boom im Netz: Onlinehandel koppelt sich von der Konsumflaute ab
04.06.2026

Während die Geschäfte in den Innenstädten unter der Kaufzurückhaltung leiden, boomt das Onlineshopping in Deutschland. Laut dem neuen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM): Krankenstand senken und Fachkräfte halten
04.06.2026

Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) ist für viele Unternehmen noch ein unterschätztes Instrument – obwohl es gesetzlich...

DWN
Panorama
Panorama Millionen von Millionären: Deutschland weltweit auf Rang drei
04.06.2026

Die Reichen werden immer reicher – und ihr Kreis wächst weiter: 2025 zeichnet sich als Rekordjahr für Millionäre ab. Deutschland...

DWN
Technologie
Technologie KI-Boom schlägt Iran-Krieg: Drei Billionen Dollar fluten den Energiemarkt
04.06.2026

Trotz globaler Krisen fließen nie dagewesene Rekordsummen in den Umbau unserer Stromversorgung, während der KI-Boom gleichzeitig fossile...

DWN
Technologie
Technologie Studie: Deutschland verliert zu viele Patente ans Ausland
04.06.2026

Fast jedes dritte deutsche Patent landet in ausländischen Händen. Vor allem die USA sichern sich laut einer Analyse das Know-how,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Trump-Zölle: Wie Washington Europas Exporte ins Visier nimmt
04.06.2026

Donald Trump ist mit seinen alten Zöllen juristisch gescheitert. Nun versucht Washington es erneut und setzt auf den Vorwurf der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen SpaceX will bei Rekord-Börsengang 75 Milliarden Dollar einsammeln
04.06.2026

Die Raumfahrtfirma SpaceX von Tech-Milliardär Elon Musk erzielt bislang vergleichsweise geringe Umsätze und schreibt tiefrote Zahlen....