Technologie

Trump droht mit Chip-Zöllen: Apple und TSMC weichen nach USA aus

Donald Trump bringt mit seiner Zoll-Drohung die Halbleiterbranche unter Druck – doch der Präsident zeigt auch gleich einen Ausweg: Investitionen in den USA. Apple und andere Konzerne ziehen mit, Milliarden werden umgeschichtet, Arbeitsplätze versprochen. Doch was wie ein Deal klingt, könnte die Industrie vor neue Probleme stellen – und für Unternehmer eine wirtschaftspolitische Zeitenwende markieren.
08.08.2025 08:43
Lesezeit: 3 min

Trump droht mit Chip-Zoll von 100 Prozent: zeigt gleichzeitig Ausweg

US‑Präsident Donald Trump sprach schon lange von hohen Zöllen auf Chip‑Importe und nennt jetzt deren Höhe: 100 Prozent. Das Beispiel Apple zeigt jedoch, wie man der Abgabe mittels US‑Investitionen entkommt.

Donald Trump hat 100 Prozent Zölle auf Chip‑Importe in die USA angedroht – und sofort einen Weg erläutert, sie zu umgehen. Firmen müssten sich für Investitionen in den Vereinigten Staaten entscheiden, um davon ausgenommen zu sein, wie der US‑Präsident bei einem Auftritt mit Apple‑Chef Tim Cook sagte.

Trump nannte die Ausnahme eine "gute Nachricht für Unternehmen wie Apple". Cook kündigte kurz zuvor an, die Investitionen in den USA um 100 Milliarden Dollar zu erhöhen. Mit dem Geld soll in den kommenden vier Jahren vor allem die Produktion von Bauteilen ausgebaut werden. Apple hatte im Februar bereits US‑Investitionen von 500 Milliarden Dollar verkündet.

Halbleiter‑Zölle ohne Ausnahmen für große Anbieter dürften quer durch die Bank die Preise für Elektronik in den USA erhöhen – denn die weitaus meisten Chips werden in Asien gefertigt. Vor allem die High‑Tech‑Chipsysteme für das iPhone und andere Smartphones stammen fast ausschließlich aus Taiwan vom Auftragsfertiger TSMC. Dieser kündigte jedoch bereits Investitionen von 165 Milliarden Dollar in US‑Fabriken für einige Halbleiter an.

Branchenbeobachter werten Trumps Ankündigung unterm Strich als gute Nachricht für viele große Anbieter, die sich dank Investitionszusagen Hoffnungen machen können, nicht betroffen zu sein. Trump hatte bereits seit längerer Zeit Chip‑Zölle in Aussicht gestellt – und es wurde auch nicht ausgeschlossen, dass sie schlicht alle Halbleiter treffen, die nicht in den USA hergestellt werden.

Apple verstärkt US-Engagement: Milliardenprogramm soll Produktion sichern

Apple hat im Jahr 2025 sein US‑Investment auf 600 Milliarden Dollar erhöht und dabei das American Manufacturing Program vorgestellt. Damit fördert der Konzern aktiv Lieferketten innerhalb der Vereinigten Staaten, etwa durch Partnerschaften mit Corning in Kentucky und GlobalWafers America in Texas, sowie durch Initiativen zur Chipfertigung mit TSMC, TI und anderen – was für Unternehmenslenker im produzierenden Gewerbe richtungsweisend ist. Zeitgleich reagierte die Finanzwelt positiv auf die Zollankündigung Trumps: Aktien von TSMC, Samsung und Apple legten deutlich zu, da sich mit US‑Produktionsversprechen Zollfreiheit abzeichnete – ein Hinweis darauf, wie stark Investitionsentscheidungen Markterwartungen beeinflussen. Diese Entwicklung zeigt Führungskräften in Unternehmen, dass strategische Kapitalbindung im Inland nicht nur regulatorische Risiken mindern, sondern auch Marktwert und Branchenvertrauen stärken kann. Unternehmer sollten daher prüfen, inwiefern eigene Produktion oder Zuliefernetzwerke in Ländern mit Zollexemptionsprogrammen, wie den USA, künftig einen Wettbewerbsvorteil bedeuten könnten.

Zolldrohung statt Subventionen

In den USA und Europa versucht man schon seit Jahren, mehr Chip‑Produktion zurück in den Westen zu holen. Der vorige US‑Präsident Joe Biden – und im Zuge dessen auch die EU‑Kommission – setzten dafür auf milliardenschwere Subventionen.

Trump bezeichnet das als Geldverschwendung und hält Zölle für den besseren Weg. Der Bau einer Chipfabrik verschlingt Milliarden Dollar und dauert Jahre. Die Abwanderung der Branche nach Asien wurde durch jahrzehntelange Subventionen dortiger Regierungen befördert.

Glasscheibe mit Gold‑Ständer für Trump

Apple kündigte an, in den kommenden Jahren 20.000 Mitarbeiter in den USA neu einzustellen, vor allem in Forschung und Entwicklung. Die Investitionen sollen auch bisherigen US‑Zulieferern wie dem Glaskonzern Corning zugutekommen. So sollen künftig alle iPhones und Apple‑Uhren weltweit mit Glas aus den USA bestückt werden. Aus der Corning‑Fabrik in Kentucky kam schon das Spezialglas für das erste iPhone 2007.

Cook überreichte dem US‑Präsidenten auch ein Souvenir: eine runde Scheibe Corning‑Glas mit Apple‑Logo und einer Inschrift. Der Ständer dafür stamme aus Utah – "und es ist 24‑Karat‑Gold", sagte der Apple‑Chef. Trump hat ein Faible für Gold und ließ auch Wände im Oval Office im Weißen Haus mit Gold‑Deko verzieren.

Trump lässt bei US‑Produktion von iPhones locker

Cook gelang es offenkundig, Trump davon zu überzeugen, dass das iPhone vorerst nicht in den USA gefertigt wird. Derzeit wird die Mehrheit der in den USA verkauften iPhones aus Indien geliefert – und Trump forderte stattdessen eine US‑Produktion. Nun zeigte er sich einsichtig: Apple lasse viele Bauteile in den USA fertigen – und die Produktionslinien befänden sich anderswo. Basierend auf Cooks Investitionszusagen erklärte Trump: "Apple kommt nach Amerika zurück."

Branchenexperten betonen, dass das aus vielen Gründen kaum realistisch sei. Denn der Großteil der Lieferketten der Elektronik‑Industrie verlagerte sich über Jahrzehnte nach Asien. Cook betonte schon vor Jahren, in den USA – anders als in Ländern wie China – fehlten genügend Fachkräfte. Ein Analyst schätzte, dass ein in den USA hergestelltes iPhone rund 3.500 Dollar kosten müsste.

Zweifel am großen Wurf

"Ich bin sehr skeptisch", sagte Analyst Patrick Moorhead im US‑Sender CNBC auf die Frage, ob Apple nun einen bedeutenden Teil der Wertschöpfungskette in die USA verlagern werde. Der langjährige Branchenanalyst und heutige Investor Gene Munster sah darin einen Deal: "Trump bekommt die Schlagzeile, und Cook bekommt die Zölle erlassen".

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