Wirtschaft

Exxon verhandelt über Rückkehr nach Russland – trotz Sanktionen

Trotz offizieller Sanktionen verhandelt Exxon mit Rosneft über eine Rückkehr zum milliardenschweren Ölprojekt Sachalin-I. Dahinter steckt mehr als nur wirtschaftliches Kalkül.
28.08.2025 11:00
Lesezeit: 1 min
Exxon verhandelt über Rückkehr nach Russland – trotz Sanktionen
ExxonMobil und Rosneft wollen beim Ölprojekt Sachalin-I erneut kooperieren – trotz geopolitischer Spannungen und westlicher Sanktionen. (Foto:dpa) Foto: Julien Warnand

US-Konzern Exxon lotet Comeback bei Sachalin-I aus – Moskau hofft auf Technologie und Kapital

Hinter verschlossenen Türen verhandeln Vertreter des US-Ölkonzerns ExxonMobil mit dem russischen Energieriesen Rosneft über eine Rückkehr zum Förderprojekt Sachalin-I. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, steht Exxon bereits seit Monaten mit dem Kreml-nahem Konzern in Kontakt. Das Gesprächsangebot kam offenbar von Rosneft – in Erwartung einer geopolitischen Entspannung.

Exxon war 1995 mit einem 30-Prozent-Anteil in das Projekt eingestiegen, das drei Ölfelder vor der russischen Pazifikküste umfasst. Neben Rosneft sind weiterhin indische und japanische Unternehmen beteiligt. Nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hatte sich Exxon 2022 offiziell aus Russland zurückgezogen und Investitionen in neue Projekte ausgeschlossen. Die Regierung in Moskau reagierte mit der Verstaatlichung der Vermögenswerte. Für Exxon bedeutete das eine Abschreibung von fast vier Milliarden Dollar.

Politik und Ölinteressen: Washingtons stille Kehrtwende

Interne Quellen berichten nun von erneuten Verhandlungen zwischen Exxon und Rosneft. Sie sollen im Januar an Dynamik gewonnen haben – kurz nachdem Donald Trump ins Weiße Haus zurückgekehrt war. Im Februar kam es zu einem informellen Treffen zwischen Neil Chapman, Vizepräsident von Exxon, und Igor Setschin, dem langjährigen Rosneft-Chef und engen Vertrauten von Präsident Wladimir Putin. Das Gespräch fand im Rahmen amerikanisch-russischer Sondierungen in Saudi-Arabien statt. Setschin steht weiterhin auf der US-Sanktionsliste.

Rosneft erhofft sich durch eine mögliche Wiederbeteiligung Exxons Zugang zu Kapital, Fördertechnologie und Know-how. Die russische Ölindustrie leidet zunehmend unter technischer Rückständigkeit. Laut dem „Wall Street Journal“ wäre eine Rückkehr Exxons an Bedingungen geknüpft – etwa einem Durchbruch im Ukraine-Friedensprozess. Die Gespräche gelten als taktisches Manöver beider Seiten, um Optionen offen zu halten.

Bedeutung für Deutschland

Ein Wiedereinstieg westlicher Konzerne in russische Projekte wie Sachalin-I hätte auch Auswirkungen auf Europa. Deutschland hat nach dem Importstopp russischen Pipeline-Gases seine Abhängigkeit verschoben – hin zu Flüssigerdgas und globalen Lieferketten, die zunehmend von geopolitischen Faktoren geprägt sind. Sollte sich Exxon erneut in Russland engagieren, könnte dies langfristig zu einer Normalisierung des Energiehandels mit Moskau führen – auch wenn Berlin derzeit auf Distanz bleibt. Für deutsche Unternehmen, die im Schatten der Sanktionen auf Zugang zu Rohstoffen verzichten mussten, wäre eine solche Entwicklung strategisch brisant.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldgedeckte Digitalwährungen als Brücke zwischen Sachwerten und Finanztechnologie

Steigende Inflation, geopolitische Unsicherheiten und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Anforderungen an moderne Formen...

avtor1
Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

DWN
Technologie
Technologie Dokumentenanalyse mit KI: Was Unternehmen jetzt beachten sollten
19.06.2026

KI revolutioniert die Dokumentenanalyse und stellt Unternehmen, Verwaltungen und Beschäftigte vor eine neue Arbeitsteilung. Welche Rolle...

DWN
Politik
Politik Kanzler auf Sparkurs: Merz fordert drastische Kürzungen beim EU-Budget
19.06.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz drängt beim EU-Gipfel auf ein deutliches Abspecken des künftigen Finanzrahmens ab 2028. Den aktuellen,...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-USA-Abkommen: Diese Aktien profitieren am meisten vom Friedensvertrag
19.06.2026

Sollte der Friedensvertrag zwischen den USA und dem Iran dauerhaft Bestand haben, werden Anleger einen Kurswechsel vornehmen und sich auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs: Kryptowährungen gehören der Vergangenheit an – oder sind sie doch die Zukunft?
19.06.2026

Der Bitcoin-Kurs hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert verloren, die Skepsis bei vielen Privatanlegern bleibt groß. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krieger ohne Besatzung: KI-Panzer erobern das Schlachtfeld der Zukunft
19.06.2026

Die Rüstungsindustrie setzt auf unbemannte Landsysteme: Auf der Pariser Messe Eurosatory zeigen Konzerne wie Rheinmetall und Renk autonom...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fed-Zinsentscheid: Trumps Zinshoffnung zerbricht
19.06.2026

Die Fed sollte eigentlich den Weg für sinkende Zinsen öffnen. Stattdessen verschärft sie den Ton, hebt ihre Inflationsprognose an und...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 30: Die Woche im Rückblick – KW 25
19.06.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in sieben Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Eklat in Brüssel: Merz bremst EU-Ratspräsident nach geheimem Russland-Vorstoß aus
19.06.2026

Ein diplomatischer Alleingang von EU-Ratspräsident António Costa hat beim Brüsseler Gipfel für schweren Zoff gesorgt. Costa hatte ohne...