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Rüstungsindustrie in Europa: 10 Unternehmen mit stabilen Renditen

Europäische Verteidigungsunternehmen profitieren von stabilen Aufträgen und steigenden Investitionen. Technologische Kompetenz und lokale Partnerschaften sichern ihre Position im Markt. Welche Unternehmen profitieren besonders von diesem Trend und welche Chancen eröffnen sich für Anleger?
09.11.2025 17:21
Lesezeit: 3 min
Rüstungsindustrie in Europa: 10 Unternehmen mit stabilen Renditen
Steigende Investitionen stärken Europas Rüstungsbranche und eröffnen Chancen für Anleger (Foto: dpa) Foto: Leszek Szymanski

10 Rüstungsunternehmen, die Ihre Aufmerksamkeit verdienen

Rheinmetall, Leonardo und Indra zählen zu den attraktivsten europäischen Unternehmen im Verteidigungssektor. Analysten des Trigon Brokerage House sehen die Branche als Hauptprofiteur milliardenschwerer öffentlicher Investitionen.

Allein im Jahr 2026 sollen 150 Milliarden Euro aus dem EU-Programm SAFE und 108 Milliarden Euro aus dem deutschen Haushalt als Aufträge in den Verteidigungssektor fließen. Der Fokus liegt auf europäischen Firmen, entsprechend der Politik, lokale Produkte und Dienstleistungen zu bevorzugen. Analysten erwarten, dass dies die Kurse der Unternehmen stützen wird.

Stabile Nachfrage sichert Perspektiven

Laut Łukasz Rudnik entstand der Bericht, um den Bedürfnissen von Investoren gerecht zu werden, da ausländische Aktien zunehmend in Portfolios von Investmentfonds und Pensionskassen vertreten sind. Ziel sei es, Firmen zu identifizieren, die von zusätzlichen Geldern profitieren.

Der Verteidigungssektor sei neben der Energiewende einer, der in den kommenden zwei bis drei Jahren keine Sorgen um Aufträge haben sollte. Zudem sei er weniger konjunkturanfällig als Bauwesen oder Automobilindustrie. Polnische Unternehmen tauchen im Bericht nicht auf, da nur wenige börsennotierte Firmen diesem Sektor zugeordnet werden können.

Europa mit starkem Aufholpotenzial

Das größte Potenzial für erhöhte Staatsausgaben sehen die Analysten in Deutschland, das historisch geringe Defizite aufweist und im europäischen Vergleich relativ wenig verschuldet ist. Auch die nordischen Länder und einige östliche Staaten wie Polen bieten Chancen.

Dagegen gelten Länder wie Frankreich oder Großbritannien als schwieriger zu stimulieren. Piotr Chodyra, Mitautor des Berichts, betont, dass die Auftragsbücher großer Unternehmen oft das Zwei- bis Achtfache ihrer Jahresumsätze umfassen. Einzelaufträge können in manchen Quartalen die Quartalserlöse übersteigen. Die Kurse europäischer Unternehmen stiegen stark, die Medianrendite der 20 größten Firmen betrug 94 Prozent, während amerikanische Unternehmen 30 Prozent erreichten. Dennoch besteht ein Bewertungsabschlag von etwa 20 Prozent gegenüber US-Unternehmen.

Fokus auf nationale Champions

Chodyra prognostiziert eine verstärkte Entwicklung nationaler Champions in Raumfahrt- und Verteidigungstechnologien. Die größten Anteilseigner und Abnehmer der größten europäischen Firmen sind bereits Regierungen oder nationale Akteure.

So stammen etwa die Erlöse von Leonardo größtenteils aus Italien, ähnlich bei französischen oder deutschen Unternehmen. Auch in Polen sei eine ähnliche Entwicklung zu erwarten, inklusive Konsolidierungen kleinerer Unternehmen durch größere Player zur Erweiterung von Kompetenzen.

Rohstoffabhängigkeiten als Risiko

Das größte Risiko für den Sektor sehen Experten in kritischen Rohstoffen, insbesondere seltenen Erden, die überwiegend in China konzentriert sind. Der Aufbau einer unabhängigen Wertschöpfungskette sei schwierig, da ein Großteil der Verarbeitung, Trennung und Raffination aus China kommt.

Rudnik bewertet hingegen eine kurzfristige Verlagerung von Aufträgen zu US-Unternehmen als unwahrscheinlich. Deutschland hat bereits über 150 große Rüstungsprojekte genehmigt, von denen nur acht Prozent in die USA fließen. Große Projekte wie neue Kampfflugzeuge werden in Europa entwickelt.

Die attraktivsten Aktien im Sektor

Rheinmetall profitiert am stärksten von europäischen Rüstungsausgaben. Rund 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment. Das Unternehmen produziert militärische Fahrzeuge, Waffen, Munition und entwickelt gleichzeitig Luftabwehr, Detektoren und Luftfahrtelektronik. Das Auftragsvolumen beträgt rekordverdächtige 63 Milliarden Euro. Der Gewinn soll 2026 um über 50 Prozent steigen, besonders durch Aufträge aus Deutschland, Skandinavien und der Region.

Leonardo verfügt über führende Kompetenzen in Drohnen- und Anti-Drohnen-Technologien. Das Unternehmen bietet komplette Systeme, nicht nur einzelne Komponenten, was hohe Margen ermöglicht. Strategische Beteiligungen an Firmen wie Hensoldt, Avio, MBDA oder Thales Alenia stärken die Position im europäischen Verteidigungsmarkt. Indra Sistemas aus Spanien notiert mit deutlichem Abschlag, profitiert aber von Übernahmen im Luft- und Verteidigungssegment. Der EBITDA-Anteil soll von 40 auf über 60 Prozent im kommenden Jahr steigen. Das Unternehmen ist stark in Cyberabwehr und Luftverkehrsmanagement engagiert, unter anderem mit Radarsystemen an zahlreichen Flughäfen.

Weitere interessante Unternehmen

Dessault Aviation produziert Kampfflugzeuge Rafale, Businessjets Falcon und Spezialflugzeuge. Das Auftragsvolumen beträgt 48,3 Milliarden Euro, unterstützt durch Indienaufträge für 26 Rafale-M-Flugzeuge. Exail Technologies fokussiert auf Unterwasserdrohnen, Sonarsysteme und autonome maritime Systeme. In der ersten Jahreshälfte 2025 erzielte das Unternehmen 171 Millionen Euro Umsatz aus dem maritimen und verteidigungsrelevanten Segment, rund 78 Prozent des Gesamtumsatzes. Exosens bietet Inertialnavigationssysteme, Bewegungssensoren und Plattformen für Raketen, U-Boote und Flugzeuge. Das Unternehmen profitiert von wachsender Nachfrage nach Drohnenverstärkung, Anti-Drohnen-Systemen und Überwachungstechnologien.

Kongsberg Gruppen liefert Raketen- und Marinesysteme, autonome Plattformen sowie elektronische Verteidigungssysteme. Das Auftragsvolumen stammt überwiegend aus Europa, das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 beträgt 33,4. Saab ist bekannt für den Kampfjet Gripen und produziert auch U-Boote, Radarsysteme und Raketen. Das Auftragsvolumen erreichte im zweiten Quartal 198 Milliarden SEK, nahezu das Dreifache der Umsätze der letzten zwölf Monate. Thales liefert Luftfahrtelektronik, Radarsysteme und Satelliten. Verteidigungs- und Dual-Use-Technologien machen 53 Prozent des Umsatzes aus, Cybersecurity 20 Prozent. Das Auftragsvolumen beträgt 50 Milliarden Euro, prognostiziertes Umsatzwachstum 6–7 Prozent, operative Marge 12,2–12,4 Prozent, Gewinnsteigerung 17 Prozent 2026.

Theon International bietet Nachtsicht- und Wärmebildsysteme an, beherrscht den europäischen Markt mit über 50 Prozent Anteil und liefert an 71 Länder, darunter 26 NATO-Staaten. Durch die Übernahme von Kappa Optronics sollen die Marktanteile weiter ausgebaut werden.

Die Bedeutung für Deutschland

Der europäische Verteidigungssektor steht vor einem strukturellen Aufschwung, gestützt durch hohe öffentliche Investitionen und stabile Auftragsbücher. Deutschland profitiert besonders von dieser Entwicklung, dank niedriger Verschuldung und starkem industriellen Know-how. Für deutsche Anleger ergeben sich Chancen auf eine nachhaltige Beteiligung an einem wachsenden Markt, der weniger konjunkturanfällig ist und technologisch auf höchstem Niveau agiert.

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