Technologie

So optimiert KI in Belgien die Landwirtschaft: Schwankende Ernten prognostizieren? Kein Problem!

Die Landwirtschaft muss Erträge effizient planen und Schwankungen ausgleichen, wobei KI zunehmend Entscheidungen auf verlässlicher Basis unterstützt. Doch wie lassen sich unvorhersehbare Ernten präzise vorhersagen, um Verkauf und Produktion optimal zu steuern?
08.11.2025 08:35
Lesezeit: 2 min
So optimiert KI in Belgien die Landwirtschaft: Schwankende Ernten prognostizieren? Kein Problem!
KI hilft der Landwirtschaft, Ernteerträge, etwa bei Erdbeeren, präzise vorherzusagen und Verkauf sowie Produktion effizient zu steuern (Foto: dpa) Foto: Andreas Arnold

Belgier nutzen künstliche Intelligenz zur Prognose von Ernteerträgen

Das belgische Unternehmen Möbius hat eine Lösung entwickelt, die mithilfe von künstlicher Intelligenz vorhersagt, wann und in welchen Mengen landwirtschaftliche Erzeugnisse verfügbar sein werden.

Für die Genossenschaft Coöperatie Hoogstraten wurde das System zunächst an Erdbeeren getestet. Dabei lag die Prognosegenauigkeit bei etwa 90 Prozent, was es dem Handel ermöglichte, Verkaufsaktionen sehr erfolgreich umzusetzen. Cynthia Hadinoto und Jonathan Aelterman von Möbius erklären: „Ein Händler muss jede Woche entscheiden, wie stark er bestimmte Produkte bewirbt, wann Kampagnen starten und wie viel Lagerbestand er behält. Durch die Kombination verschiedener Datenquellen haben wir ein KI-Modell entwickelt, das die Gesamtmengen Tage, Wochen und sogar Monate im Voraus recht präzise vorhersagen kann.“

Erdbeeren als besonders anspruchsvolle Kultur

In Coöperatie Hoogstraten lag der Schwerpunkt zunächst auf Erdbeeren. Die Technologie ist jedoch auch für andere Erzeugnisse einsetzbar. Jonathan Aelterman betont: „Bei Erdbeeren handelt es sich nicht nur um eine der empfindlichsten Kulturen, die in möglichst kurzer Zeit vom Feld in die Regale gelangen muss, sondern auch um eine der unvorhersehbarsten.“

Die Produktionsmengen bei Erdbeeren schwanken stark von Jahr zu Jahr. Jede Saison bringt neue Spitzen und Tiefpunkte, und selbst kleine Wetteränderungen haben großen Einfluss auf den Ertrag. Deshalb ist es besonders schwierig, verlässliche Prognosen zu erstellen.

Künstliche Intelligenz als Werkzeug zur Entscheidungsunterstützung

Werden Erntemengen unterschätzt, drohen Überschüsse und sinkende Preise. Eine Überschätzung kann leere Regale und massive Umsatzeinbußen nach sich ziehen. Aelterman erklärt: „Alles dreht sich um Vorhersagbarkeit. Die zentrale Frage war: Was, wenn wir das Unvorhersehbare vorhersagen könnten? Hier kommen künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen ins Spiel.“ Ähnliche Erntemengen-Roboter werden auch an der Fakultät für Elektrotechnik der Universität Ljubljana entwickelt. Welche Aufgaben diese Roboter künftig in Tomaten-Gewächshäusern übernehmen könnten, wird in einem gesonderten Artikel behandelt.

Cynthia Hadinoto ergänzt: „Durch die Kombination verschiedener interner und externer Datenquellen haben wir ein KI-Modell entwickelt, das die Gesamtmengen recht genau vorhersagen kann. Traditionell würden Promotionen oder Zielbestände auf Basis von Vorjahresdaten oder Bauchgefühl geplant. Wetterbedingungen, Ernteerträge und Marktdynamik ändern sich jedoch ständig. Das KI-System integriert all diese Informationen und aktualisiert sie täglich, sodass Entscheidungen auf der Grundlage der neuesten Entwicklungen getroffen werden. Maschinelles Lernen nutzt historische Daten, um Muster zu erkennen und zukünftige Entwicklungen vorherzusagen. Das Modell lernt kontinuierlich, sodass sich seine Genauigkeit stetig verbessert.“

Von der Wettervorhersage zur Geschäftsentwicklung

Jonathan Aelterman beschreibt den Ansatz: „Mit der Anwendung können wir Prognosen bis zu sieben Wochen im Voraus erstellen. Die Vorhersagen werden täglich mit den neuesten Daten aktualisiert.

Man kann dies mit einer Wetter-App vergleichen, nur dass sie für Geschäftsentscheidungen genutzt wird.“ Bei Coöperatie Hoogstraten ist das System seit April im Einsatz, und die Ergebnisse sind vielversprechend. Die Prognosen lagen in etwa 90 Prozent der Fälle richtig.

Praktische Erfolge und wirtschaftlicher Nutzen

Im Mai konnte der prognostizierte Produktionshöhepunkt genau erkannt werden. Die Genossenschaft startete rechtzeitig eine Verkaufsaktion bei einem großen Handelsunternehmen, das während der Aktion zehnmal mehr Erdbeeren verkaufte als üblich.

Jonathan Aelterman erklärt: „Nicht nur das, die frischen Erdbeeren wurden zu 50 Prozent über dem durchschnittlichen Marktpreis verkauft. Das war ein Gewinn sowohl für die Produzenten als auch für die Händler.“

Künstliche Intelligenz verbessert Planung und Verkauf in der Landwirtschaft

Die Einführung von künstlicher Intelligenz in der Landwirtschaft zeigt, wie digitale Werkzeuge die Planungssicherheit und Wirtschaftlichkeit erhöhen können. Auch in Deutschland könnten ähnliche Systeme den Erzeugern helfen, Angebot und Nachfrage besser abzustimmen, Produktionsspitzen zu nutzen und Verluste durch Fehleinschätzungen zu vermeiden. Dies wäre ein wichtiger Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Agrarwirtschaft in einem zunehmend volatilen Marktumfeld zu sichern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rheinmetall-Aktie unter Druck: Umsatz steigt stark, Prognose sinkt
05.11.2026

Rheinmetall wächst kräftig und steigert Umsatz sowie operatives Ergebnis deutlich. Trotzdem senkt Deutschlands größter Rüstungskonzern...

DWN
Politik
Politik Pflegereform 2027: Linnemann kündigt Nachbesserungen bei Sparplänen an
05.11.2026

Die Pflegereform nimmt im Bundestag konkrete Formen an. Gesundheitsminister Carsten Linnemann will Milliarden einsparen und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektroflugzeug Vaeridion: EU und Investoren geben über 120 Millionen Euro
05.11.2026

Das Münchner Flugzeug-Startup Vaeridion erhält mehr als 120 Millionen Euro für die Entwicklung seines Elektroflugzeugs „Microliner“....

DWN
Finanzen
Finanzen Dax steigt leicht: Rheinmetall-Aktie bricht nach Prognosesenkung ein
05.11.2026

Der Dax legt am Donnerstag leicht zu, bleibt aber unter seinem Rekordhoch. Deutlich schlechter läuft es für die Rheinmetall-Aktie: Nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bosch verschärft Sparkurs: Weitere 750 Stellen fallen weg
05.11.2026

Am Bosch-Standort Abstatt sollen bis Ende 2029 weitere 750 Arbeitsplätze wegfallen. Der Konzern verweist auf die schwache Nachfrage in...

DWN
Politik
Politik Abschied von russischer Spurweite: Ukraine rückt näher an EU
05.11.2026

Die Ukraine will ihr Bahnnetz stärker an die EU anbinden und plant zwei weitere Infrastrukturprojekte an ihren Westgrenzen. Neue Gleise...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Handwerk wird teurer: Steigende Kosten treffen bald auch die Kunden
05.11.2026

Energie, Baustoffe, Löhne – die Kostenbelastung im Handwerk wächst und treibt die Preise nach oben. Warum der Aufschwung in der...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
05.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...