Wirtschaft

Russland übernimmt ausländische Markenrechte: Mehr als 300 Brands gefährdet

Ausländische Marken geraten in Russland zunehmend unter Druck, seit viele Unternehmen ihre Aktivitäten im Land eingestellt haben. Wie können internationale Firmen ihre Rechte schützen, wenn lokale Akteure bekannte Marken übernehmen wollen?
30.11.2025 05:45
Lesezeit: 2 min
Russland übernimmt ausländische Markenrechte: Mehr als 300 Brands gefährdet
Ausländische Marken sind in Russland bedroht, da lokale Unternehmen deren Rechte übernehmen und bekannte Labels gefährden (Foto: iStock.com, blacktomb) Foto: blacktomb

Russland übernimmt ausländische Marken: Gefährdung bekannter Labels

Ausländische Unternehmen, die sich nach dem Angriff auf die Ukraine aus Russland zurückgezogen haben, geraten zunehmend ins Visier von Firmen, die deren bekannte Marken übernehmen wollen. Allein im vergangenen halben Jahr wurden 124 Anträge auf Annullierung von Markenrechten genehmigt. Für rund 300 weitere Marken besteht weiterhin eine Bedrohung.

In Russland reichen Antragsteller Klagen ein, um die Rechte an Marken aufzuheben, die über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren nicht genutzt wurden. Betroffen sind bereits Marken wie Amazon, Nokia, Victoria's Secret, Ericsson, Xiaomi und Dyson. Der Grund: Diese Unternehmen verkaufen bestimmte Produktgruppen in Russland nicht mehr.

Mehr als 300 Marken bedroht

Seit Anfang 2024 sind über 300 ausländische Unternehmen von der Gefahr betroffen, ihre Markenrechte in Russland zu verlieren. Dazu zählen bekannte Namen wie Giorgio Armani, Calvin Klein und Amazon, wie Bloomberg unter Berufung auf Gerichtsunterlagen berichtet.

Zu Beginn des Krieges hatten über tausend ausländische Firmen ihre Aktivitäten in Russland ganz oder teilweise eingestellt. Nach russischem Zivilgesetzbuch gilt das ausschließliche Recht an einer Marke grundsätzlich für zehn Jahre. Die Gültigkeit kann jedoch entzogen werden, wenn die Marke drei Jahre in Folge nicht genutzt wird.

Klagen gegen Markenrechte im Detail

Für einige Marken wurden Dutzende Klagen von der in Hongkong ansässigen Firma Multigoods Production Ltd., die Elektronik unter den Marken Suprai und Orion herstellt, eingereicht. Ein Teil dieser Klagen wurde bereits akzeptiert. So blieb die Marke Victoria's Secret in Russland nicht für Bekleidung geschützt, sondern für Schmuck, Uhren, Sonnenbrillen, Koffer, Handtaschen, Regenschirme und weitere Produktgruppen.

Manche Anträge erscheinen schwer nachvollziehbar. So erhielt das Patentamt Rospatent einen Antrag, die rechtliche Absicherung der Marke „Maksim Galkin“ aufzuheben. Würde dem stattgegeben, hätte der Komiker Maksim Galkin keine exklusiven Rechte mehr an seinem eigenen Namen.

Chinesische und russische Unternehmer streiten um Markenrechte

Die Streitigkeiten um Markenrechte betreffen sowohl chinesische als auch russische Unternehmer. Derzeit wird beispielsweise der Antrag des Moskauer Optik-Kettenbetreibers Aikraft gegen die Luxottica Group, Eigentümer der Marke Ray-Ban, geprüft.

Russische Firmen, die die Starbucks-Filialen übernommen haben, fordern die Aufhebung der Schutzrechte von sieben Marken des Unternehmens vorzeitig. Bislang waren diese Versuche jedoch erfolglos. Laut Rospatent wurden im Jahr 2024 insgesamt 15.534 Anträge ausländischer Unternehmen auf Verlängerung der Markenregistrierungen registriert.

Erfolge und Ablehnungen bei der Markenverlängerung

Einige Unternehmen hatten Erfolg: KFC, das sich aus Russland zurückgezogen hatte, konnte seine Markenrechte bis 2036 verlängern. Dagegen wurde der Antrag von Renault SA abgelehnt. Ein Unternehmenssprecher erklärte, dass ein Markenschutzantrag lediglich eine Vorsichtsmaßnahme sei, da aktuell keine Rückkehr nach Russland geplant sei.

Im April 2022 beendete der schwedische Telekommunikationsausrüster Ericsson seine Beziehungen zu Russland. Dennoch reichte der russische Anbieter von Klimaanlagen R-Klimat im März 2024 eine Klage ein, um die Schutzrechte der Marke Ericsson für Heiz-, Kühl- und Lüftungsgeräte aufzuheben. Dem Antrag wurde stattgegeben. Zuvor hatte R-Klimat die Marke Ericsson bereits für Bekleidungsprodukte registriert.

Auswirkungen auf Deutschland

Unternehmen registrieren demnach ein breites Spektrum an Produkten, selbst solche, die sie gar nicht herstellen, um die Marken später verkaufen zu können. Ein besonders aktives Unternehmen ist erneut Multigoods, das zahlreiche Klagen für Marken wie Bershka, Michelin, Jaguar Land Rover oder Hugo Boss eingereicht hat.

Für deutsche Unternehmen bedeutet diese Entwicklung eine zunehmende Unsicherheit auf dem russischen Markt. Firmen, die sich bereits zurückgezogen haben, müssen ihre Markenrechte aktiv schützen, um mögliche Verluste zu verhindern. Gleichzeitig zeigt sich, dass der Markenschutz für internationale Unternehmen in Russland strategisch überwacht werden muss, da lokale Akteure aggressive Übernahmeversuche starten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Getreidehandel: Drohen steigende Lebensmittelpreise wegen des Seekriegs im Schwarzen Meer?
26.07.2026

Die Kämpfe auf dem Schwarzen Meer haben längst wirtschaftliche Folgen weit über die Region hinaus. Reedereien ändern ihre Routen,...

DWN
Technologie
Technologie 242 Stunden im Minus: Darum läuft Deutschlands Strommarkt aus dem Takt
26.07.2026

Immer häufiger fällt der Börsenpreis für Strom unter null. Der billige Überschuss kostet Deutschlands Steuerzahler und Industrie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ein Nobelpreisträger erklärt: Niedrige Geburtenraten töten das Wirtschaftswachstum nicht
26.07.2026

Sinkende Geburtenraten gelten oft als Gefahr für Wachstum und Wohlstand. Doch Nobelpreisträger Daron Acemoglu kommt zu einem anderen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmensmedien: Wer nur Inhalte postet, hat den Kampf um Kunden bereits verloren
26.07.2026

Unternehmen produzieren Podcasts, Videos und LinkedIn-Beiträge, doch das Publikum bleibt aus. Der Grund: Viele behandeln Inhalte wie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geldpolitik wurde unter Greenspan zur Macht über die Märkte
26.07.2026

Alan Greenspan konnte mit einem Halbsatz Märkte beruhigen oder verunsichern. Fast zwei Jahrzehnte lang galt der Fed-Chef als Dirigent der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lohntransparenz: Nordea legt Gehälter offen und verändert die Machtverhältnisse
26.07.2026

Was geschieht, wenn Beschäftigte plötzlich erkennen können, ob ihr Gehalt am oberen oder unteren Ende der vorgesehenen Spanne liegt? Die...

DWN
Panorama
Panorama Hitzefalle Spielplatz: Wie Städte für mehr Schatten sorgen wollen
26.07.2026

Die Sommer werden heißer, und viele Spielplätze geraten an ihre Grenzen. Fehlender Schatten und aufgeheizte Flächen erschweren das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Britische Wirtschaft: Die Heimat des Kapitalismus steckt in der Wachstumsfalle
26.07.2026

Großbritannien wechselt seine Regierungschefs, doch die Wirtschaft bleibt stehen. Seit der Finanzkrise wächst die Heimat des Kapitalismus...