Finanzen

Goldpreis aktuell: Märkte unter Druck – Sorgen um Zinsen und Angst vor Gold-Steuer

Der Goldpreis steht zwischen starken US-Daten, geopolitischer Unsicherheit und neuen Risiken in Europa unter Druck. Zinssorgen und und eine mögliche Gold-Steuer belasten zunehmend die Stimmung unter den Goldanlegern. Wo droht beim Goldpreis aktuell die größte Gefahr?
21.11.2025 11:04
Lesezeit: 2 min
Goldpreis aktuell: Märkte unter Druck – Sorgen um Zinsen und Angst vor Gold-Steuer
Der Goldpreis steht zum Wochenschluss unter Druck (Foto: iStockphoto.com/style-photography). Foto: style-photography

Goldpreis aktuell: Schwächerer Start nach starken US-Arbeitsmarktdaten

Der Goldpreis steht zum Wochenschluss unter dem Eindruck überraschend starker US-Arbeitsmarktdaten. Nachdem der viel beachtete Monatsbericht des US-Arbeitsministeriums wegen des Shutdowns verspätet erschienen war, zeigte er für September einen Zuwachs von 119.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft – mehr als doppelt so viel wie die erwarteten 50.000. Die Daten sorgten dafür, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte am 10. Dezember laut FedWatch-Tool auf nur noch 32,9 Prozent verringerte. Vor der Pressekonferenz von Fed-Chef Powell am 29. September lag dieser Wert noch deutlich über 90 Prozent.

Diese Unsicherheit an der Zinsfront wirkt sich spürbar auf den Markt aus. Der Goldkurs bewegt sich weiterhin in einem Seitwärtstrend, dessen untere Begrenzung knapp unter 3.950 Dollar verläuft. Ein nachhaltiges Unterschreiten dieser Marke könnte chartinduzierten Verkaufsdruck auslösen. Am Freitagmorgen gab der am aktivsten gehandelte Future auf Gold (Dezember) zeitweise um 28,30 auf 4.031,70 US-Dollar pro Feinunze nach – ein Verlust von annähernd 0,5 Prozent. Insgesamt beläuft sich das Wochenminus derzeit auf rund 1,3 Prozent.

Goldpreis-Kursentwicklung: Anleger suchen Sicherheit

Parallel dazu bleibt die Nervosität an den internationalen Börsen hoch. Trotz überraschend starker Zahlen von Nvidia geht es an den asiatischen Leitindizes erneut abwärts, auch Europa zeigt sich im Börsenhandel am Freitag schwach. Der DAX beispielsweise tendiert am Vormittag rund ein Prozent schwächer bei annähernd 23.030 Punkten (Stand 10:45 Uhr). Der Bitcoin-Kurs setzt seine Korrektur fort und büßt im frühen Handel kräftige 4,7 Prozent ein.

Die Jahresbilanz beim Goldpreis ist positiv, er notiert rund 50 Prozent höher als Anfang Januar. Verglichen mit dem Goldkurs zum Start ins Börsenjahr 2024 hat sich der Preis nahezu verdoppelt – bemerkenswert, zumal es bislang keine nennenswerten Korrekturen durch Gewinnmitnahmen gab. Die robuste Nachfrage stützt die Goldkurs-Entwicklung, die auch künftig stabil bleiben könnte. Von der Goldpreis-Kursentwicklung profitieren insbesondere große Produzenten wie Barrick Mining, Kinross Gold, Agnico Eagle Mines, Newmont oder Endeavour Mining. Neun der führenden Unternehmen sind im Best of Gold Miners Index vertreten, der im gestrigen Handel deutlich nachgab – für langfristig orientierte Anleger eine potenziell attraktive Einstiegsmöglichkeit. Die Gewinne der Konzerne könnten dank der weiterhin starken Goldpreise weiter sprudeln.

Charttechnik: Goldrally, Rücksetzer und kritische Marken

Charttechnisch bleibt der Markt allerdings fragil. Die Rally im Oktober führte den Goldpreis auf ein neues Allzeithoch bei 4.375 US-Dollar, exakt auf Höhe des langfristigen Kursziels. Danach setzte eine scharfe Verkaufswelle bis 3.879 US-Dollar ein. Zwar konnte sich der Preis erholen, scheiterte jedoch am Widerstand bei 4.256 Dollar pro Feinunze. In der vergangenen Woche begann eine zweite übergeordnete Verkaufswelle, die theoretisch das Ende der Korrektur einleiten könnte. Doch bislang fehlt der bullische Konter. Die Käuferseite tut sich schwer, den zurückeroberten Support bei 4.046 US-Dollar zu verteidigen. Damit steht die weitere Goldkurs-Entwicklung auf tönernen Füßen – eine Situation, die dem Markt zusätzliche Unsicherheit bringt.

Gold-Steuer: Italien sucht nach Einnahmequellen

Für zusätzliche Verunsicherung sorgt ein politischer Vorstoß aus Italien. Die Regierung von Giorgia Meloni sucht angesichts des angespannten Staatshaushalts nach neuen Einnahmequellen – und richtet den Blick nun auf privat gehaltenes Gold. Medienberichten zufolge wird die Einführung einer einmaligen Abgabe auf bislang nicht deklarierte Goldbestände geprüft. Von der Goldsteuer wären Schmuck, Münzen und kleine Goldbarren betroffen. Je nach Ausgestaltung könnte das Programm Einnahmen von bis zu zwei Milliarden Euro generieren.

Diskutiert wird eine verpflichtende Offenlegung verborgener Bestände, gefolgt von einer einmaligen Steuer auf Gold in Höhe von rund 12,5 Prozent. Diese Abgabe soll weniger eine Strafe darstellen, sondern eine dauerhafte Legalisierung bisher informeller Vermögenswerte ermöglichen. Damit rückt die Frage nach einer Gold-Steuer auch in anderen europäischen Ländern stärker in den Fokus. In Deutschland ist Anlagegold aktuell noch mehrwertsteuerfrei – und Verkaufsgewinne sind nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei. Das italienische Beispiel zeigt jedoch, wie wichtig saubere Dokumentationen und Kaufbelege sind, insbesondere mit Blick auf mögliche steuerliche Änderungen in Zukunft.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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