Politik

Klimagipfel unter Druck: Deutschland fordert ambitioniertere Ziele

Die Gespräche auf der Weltklimakonferenz befinden sich in einer entscheidenden Phase – doch aus Sicht des deutschen Umweltministers reicht der bisherige Fortschritt nicht aus. Er fordert spürbar mehr Einsatz, damit der Gipfel zu einem wirklich wirkungsvollen Ergebnis kommt.
21.11.2025 13:10
Lesezeit: 2 min

Kurz vor dem geplanten Abschluss der Weltklimakonferenz in Brasilien fehlen aus Sicht von Umweltminister Carsten Schneider noch wichtige Punkte für ein gutes Ergebnis. „Wir wollen, dass wir den klaren Ausstiegsfahrplan haben aus fossilen Energien“, sagte der SPD-Politiker. Angesichts der derzeitigen Prognosen zur Erderwärmung seien zudem deutlich stärkere und glaubwürdige Pfade zur Minderung klimaschädlicher Treibhausgase nötig.

Eigentlich soll der Gipfel am Abend (18.00 Uhr Ortszeit; 22.00 Uhr MEZ) enden. In den vergangenen Jahren gingen die Treffen jedoch fast immer in die Verlängerung - das ist dieses Jahr noch wahrscheinlicher geworden, weil die Verhandlungen ausgerechnet in der kritischen Phase am Donnerstag wegen eines Feuers mehrere Stunden unterbrochen werden mussten.

Ausstieg aus der klimaschädlichen Verbrennung

Wie Deutschland pochen auch die EU und Dutzende weitere Staaten auf einen Plan für den Ausstieg aus der klimaschädlichen Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Das wird von anderen Staaten aber blockiert. Eine einstimmige Entscheidung ist nötig.

Deutschland schickte mit anderen Staaten einen Brief an die brasilianische Konferenzleitung, in dem ultimative Nachbesserungen an den zuletzt veröffentlichten Textentwürfen gefordert werden. „Wir müssen ehrlich sein: In seiner jetzigen Form entspricht der Text nicht den minimalen Anforderungen für ein glaubwürdiges Ergebnis dieser Konferenz“, heißt es darin. „Wir können kein Ergebnis unterstützen, dass keinen Fahrplan enthält für eine geordnete und gerechte Abkehr von fossilen Brennstoffen.“ Diese Erwartung teilten die große Mehrheit der rund 200 Staaten in Belém, die Wissenschaft und auch „die Menschen, die unsere Arbeit aufmerksam verfolgen“. Das Vermächtnis der Präsidentschaft, das die COP30 zu einem Meilenstein machen werde, hänge eher von der Qualität als von der Geschwindigkeit des Ergebnisses ab, heißt es warnend.

Unterbeleuchtet: Wechselwirkungen zwischen Klima und Natur

Besorgniserregend sei auch das Fehlen eines Fahrplans zur Bewältigung der Wechselwirkungen zwischen Klima und Natur, insbesondere zur Eindämmung der Entwaldung, heißt es weiter in dem Brief. „Dies nicht zu berücksichtigen, signalisiert, dass selbst bei den unstrittigsten Fragen keine Einigung erzielt werden kann.“ Nötig seien daher neue Vorschläge der Präsidentschaft. Zu den Unterzeichnern gehören auch Frankreich, Großbritannien, Kenia sowie mehrere kleine Inselstaaten, die wegen des steigenden Meeresspiegels vom Untergang bedroht sind.

Schneider sagte dem Sender Bayern 2: „Das, was bisher von gerade den starken Emittenten an Reduktionszielen vorgelegt wurde, das ist noch nicht optimal, das reicht nicht aus, um auf Richtung 1,5 Grad Erderhitzung zuzusteuern.“. Er setze sich auch dafür ein, dass das Thema CO2-Bepreisung im Abschlussdokument verbindlich erläutert werde, damit mehr Länder dabei mitziehen.

Auch EU-Klimakommissar Hoekstra äußerte sich enttäuscht über den Text, der nun vorliege. Man sei bereit, Ehrgeiz bei der Bereitstellung von Klimahilfen zur Anpassung an die Erderwärmung zu zeigen. Doch müsse sich dies im Rahmen bereits bestehender Beschlüsse zu künftigen Finanzflüssen bewegen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Shein an der Börse: Wer bei Fast Fashion jetzt vorn liegt
05.09.2026

Der chinesische Konzern Shein hat sich an der Börse den größten Namen der Fast Fashion angeschlossen. Doch wie läuft es bei seinen...

DWN
Politik
Politik 37 Jahre alt und rund 15 Milliarden Euro schwer: Das ist Mario Draghis neuer Partner
05.09.2026

Der frühere EZB-Chef und ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Draghi hat sich mit einem irischen Tech-Milliardär...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahn-Sanierung ohne monatelange Vollsperrungen: VCD legt Gegenentwurf vor
05.09.2026

Die Bahn will ihr marodes Schienennetz mit groß angelegten Generalsanierungen zuverlässiger machen. Doch das bisherige Konzept bringt...

DWN
Finanzen
Finanzen Restaurant-Aktien: Zwei Wachstumswetten für die nächsten 20 Jahre
05.09.2026

Tech-Aktien gelten als erste Adresse für spektakuläres Wachstum. Doch zwei Restaurantketten aus den USA könnten Anlegern langfristig...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deepal S05 im Test: Der Chinese, der keiner sein will
05.09.2026

Der Deepal S05 kommt aus China, trägt aber deutlich europäische Züge. Entworfen wurde der Elektro-SUV in Turin, und genau das merkt man...

DWN
Politik
Politik Landtagwahl in Sachsen-Anhalt: Was Sie über die Sachsen-Anhalt-Wahl wissen sollten
05.09.2026

Sachsen-Anhalt steht vor einer Wahl, deren Folgen weit über Magdeburg hinausreichen könnten. Die AfD liegt vorn, mögliche Mehrheiten...

DWN
Finanzen
Finanzen Anleihen: Warum Schulden so teuer sind wie lange nicht
05.09.2026

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen großer Volkswirtschaften sind auf Niveaus gestiegen, die teils seit der Finanzkrise nicht mehr...

DWN
Technologie
Technologie Biometrie-Panne: Die gefährlichste Rolle ist der Zwilling
05.09.2026

Manche Dinge sind offenbar selbst für die klügsten Systeme eine zu große Herausforderung. Und dies ist eine Glosse genau über diese...