Wirtschaft

Handelsriesen setzen Verbraucher unter Druck – Gutachten kritisiert Marktmacht

Steigende Lebensmittelpreise sorgen bei vielen Verbrauchern für Unmut – und laut einem aktuellen Gutachten der Monopolkommission liegt der Grund dafür bei der wachsenden Marktmacht großer Handels- und Lebensmittelkonzerne. Besonders Landwirte profitieren immer weniger, während Händler und Hersteller ihre Position zunehmend ausbauen.
21.11.2025 13:45
Lesezeit: 1 min

Wegen steigender Preise und der Bauernproteste hatte die damalige Bundesregierung die Kommission im vergangenen Jahr beauftragt, die Lebensmittellieferkette unter die Lupe zu nehmen. Das Gremium ist unabhängig und berät die Politik zu Wettbewerbspolitik, Wettbewerbsrecht und Regulierung.

Laut Statistischem Bundesamt kosteten Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke im Oktober in Deutschland 37 Prozent mehr als 2020. Die Gewinnmargen von Händlern und Herstellern stiegen seit über zehn Jahren, kritisiert Duso. Im gleichen Zeitraum hätten sich die Verbraucherpreise stärker erhöht als in vielen anderen EU-Ländern. Zudem fänden sich auch Hinweise, dass Kostensenkungen nicht an Kunden weitergegeben wurden.

Übernahme von Kaiser's Tengelmann schädlich für Wettbewerb

Die Schere zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen geht dem Gutachten zufolge immer weiter auseinander. So seien etwa die Preise für Milcherzeugnisse im Supermarkt in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die Erzeugerpreise.

Rund 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels werden von Edeka, Rewe, der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi kontrolliert. "Die hohe Marktkonzentration und steigende Preisaufschläge auf Lebensmittel durch Hersteller und Einzelhandel sind besorgniserregend", sagte Duso. Der Wettbewerb sei geschwächt.

Die Monopolkommission fordert eine strengere Kontrolle künftiger Zusammenschlüsse. Fusionen könnten die Verbraucherpreise demnach weiter in die Höhe treiben. Die 2016 erfolgte Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka hat den Experten zufolge negative Folgen gehabt. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte dem Deal zugestimmt. "Der verbleibende Wettbewerb in den Lieferketten muss dringend geschützt werden", heißt es im Gutachten.

Molkereiriesen fusionieren

Anlass zur Besorgnis sieht das Gremium auch darin, dass die Händler zunehmend selbst Lebensmittel produzieren und direkt mit Landwirten verhandeln - das verschaffe ihnen zusätzliche Macht. Eigenmarken haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Wegen der gestiegenen Preise griffen Verbraucher häufiger danach.

In der Nahrungsmittelindustrie sieht die Kommission den Wettbewerb ebenfalls schwinden. Als Beispiel wird die geplante Fusion von Arla Foods und der DMK Group genannt. Dadurch würde die größte Molkereigenossenschaft Europas entstehen.

Das Beratergremium hält es für sinnvoll, entschiedener gegen Machtmissbrauch vorzugehen. Die zunehmende Marktkonzentration mache eine effektivere Aufsicht nötig. Duso fordert zudem bessere Bedingungen für die Landwirtschaft. Bürokratie müsse abgebaut werden. Kriterien für Agrarsubventionen sollten sich stärker an Produktivität, Innovation und Nachhaltigkeit ausrichten.

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