Wirtschaft

Keine Lust aufs Lernen: Beschäftigte wenden sich Weiterbildungen ab

Immer weniger Beschäftigte in Deutschland planen, sich beruflich weiterzubilden. Laut einer aktuellen Erhebung der Bertelsmann-Stiftung hat nur noch etwa die Hälfte der Arbeitnehmer vor, innerhalb des kommenden Jahres eine Qualifizierung anzugehen. Vor fünf Jahren lag dieser Anteil deutlich höher.
24.11.2025 09:51
Aktualisiert: 24.11.2025 09:51
Lesezeit: 1 min

Insbesondere Beschäftigte mit umfangreichen Bildungserfahrungen sind laut Studie offen für eine Weiterbildung. Umgekehrt sind unter denjenigen, die aktuell keine Bereitschaft zur Weiterbildung zeigen, besonders viele Geringqualifizierte. Damit würden bestehende Ungleichheiten im Lebenslauf verstärkt, so die Autoren.

Um genauer zu beleuchten, warum Berufstätige sich nicht weiter fortbilden wollen, hatte die Stiftung im Frühjahr mehr als 2.600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Alter zwischen 25 und 64 zu ihren Plänen und Erfahrungen im Hinblick auf Weiterbildung befragt.

Viele Befragte glauben nicht an Nutzen einer Weiterbildung

Viele derjenigen, die zurzeit kein Interesse an beruflicher Weiterbildung zeigen, geben an, darin keinen Nutzen zu sehen: 30 Prozent sagten, dadurch kein höheres Gehalt zu erwarten, knapp 27 Prozent glauben nicht an bessere Aufstiegschancen und 23,8 fühlten sich zu alt, um von der Weiterbildung zu profitieren.

Menschen mit Plänen für eine Weiterbildung empfinden dagegen häufig den fehlenden Überblick über das Angebot als Problem. Rund ein Drittel von ihnen wünscht sich bessere Informationen, welche Weiterbildung passen könnte.

Große Hürden sehen alle Befragten zudem in den Kosten und im Zeitaufwand. Knapp zwei Drittel der Beschäftigten benennen auch eine oder mehrere Barrieren in der Unternehmenskultur. Besonders häufig wird kritisiert, dass Weiterbildungen in den Unternehmen als persönliche Angelegenheit und nicht als Teil der Arbeit gesehen werden.

Wandel der Arbeitswelt macht Weiterlernen dringlicher

Durch die Digitalisierung und andere technologische Entwicklungen sei es noch einmal dringlicher geworden, dass Beschäftigte kontinuierlich und stärker neue Kompetenzen erwerben, so die Autoren. "Der technologische Wandel nimmt immer mehr Geschwindigkeit auf, gleichzeitig stagniert die Bereitschaft zur Weiterbildung. Das ist eine Hypothek für den Wirtschaftsstandort Deutschland", sagt Martin Noack, Studienautor und Weiterbildungsexperte der Bertelsmann-Stiftung.

Um die Situation zu verbessern, schlagen die Experten vor, dass Informationsangebot besser zu bündeln. Zudem sollten Beschäftigte in ihren Weiterbildungsplänen auch finanziell unterstützt werden, etwa durch einen bundesweiten Berufsbildungsscheck, der Kosten sozial gestaffelt deckt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Neues Heizgesetz: Chancen für die Wärmewende oder Kostenfalle?
11.06.2026

Die Debatte um das neue Heizgesetz spaltet die Politik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht im...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schwarz-Gruppe wächst: 300 neue Standorte für Lidl und Kaufland
11.06.2026

Die Schwarz-Gruppe treibt ihr Wachstum weiter voran. Im Geschäftsjahr 2025/26 vergrößerten Lidl und Kaufland ihr Filialnetz weltweit um...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB reagiert auf Iran-Krieg: Erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren
11.06.2026

Wegen des inflationstreibenden Ölpreisschocks infolge des Iran-Kriegs hebt die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder an. Der wichtige...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Wer wird Weltmeister? Prognosen widersprechen sich deutlich
11.06.2026

Spanien, Frankreich, England, Argentinien, die Niederlande? Während die Wettmärkte auf die bewährten Favoriten setzen, erwarten einige...

DWN
Technologie
Technologie Frequenzstreit: Aus für das Antennenfernsehen ab 2031?
11.06.2026

In wenigen Jahren enden zentrale Nutzungsrechte für Funkfrequenzen. Telekommunikationskonzerne fordern diese schon heute vehement ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Selbst die Chinesen waren erstaunt, wie schnell diese Fabrik errichtet wurde
11.06.2026

Wir haben uns die Produktion des elektrisch angetriebenen BMW iX3 angesehen, die auf 400 Hektar ehemaliger Ackerflächen am Rande der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tante Enso greift bei Tegut zu
11.06.2026

Die Supermärkte von Tegut stehen zum Verkauf. Für einen Teil davon ist die Zukunft nun geklärt. Das Bundeskartellamt hat grünes Licht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kieler Forscher senken Wachstumsprognose für 2027
11.06.2026

Der Iran-Krieg trifft die deutsche Wirtschaft stärker als bislang erwartet und dämpft den erhofften Aufschwung. Während staatliche...