Wirtschaft

Konjunkturtrübung: Ifo-Index sinkt überraschend – Hoffnungen auf Erholung schwinden

Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich unerwartet eingetrübt: Im November fiel das Ifo-Geschäftsklima auf 88,1 Punkte und verfehlte damit die Prognosen der Analysten. Selbst die Erwartungen an die milliardenschweren Investitionen der Politik können die Skepsis in den Unternehmen nur in wenigen Branchen aufhellen. Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest zweifelt die deutsche Wirtschaft zunehmend an einer baldigen Erholung.
24.11.2025 15:15
Lesezeit: 2 min

Ökonomen verweisen auf Unsicherheit, ob die Milliardenausgaben des Staates wirklich in zusätzliche Investitionen für Infrastruktur und Verteidigung fließen. Das von der Bundesregierung aufgelegte Infrastrukturprogramm scheine keine Euphorie mehr zu entfachen, sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. „Zu viele Mittel fließen nicht in zusätzliche Investitionen, sondern werden für andere Ausgaben verwendet.“

„Von Konjunktureuphorie für 2026 kann kaum Rede sein“

Zwar habe sich der Ifo-Index im bisherigen Jahresverlauf verbessert, doch der absolute Stand deute darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft nur verhalten wachsen werde. Von Konjunktureuphorie für 2026 könne kaum die Rede sein.

„In den Prognosen von Instituten, Banken und Bundesregierung wird im kommenden Jahr eine Konjunkturbelebung von bis zu einem Prozent für die deutsche Wirtschaft erwartet“, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. „Die einzigen, die dies anscheinend nicht so sehen, sind die Unternehmen selber. Hier herrscht immer noch Stagnationsstimmung vor.“

Tourismus frohlockt, Handel enttäuscht vom Weihnachtsgeschäft

Ausschlaggebend für den Rückgang des Ifo-Index war eine schlechtere Einschätzung der künftigen Geschäfte. Insbesondere in den Industriebetrieben bekamen die Erwartungen einen deutlichen Dämpfer. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer etwa verwies auf stagnierende Auftragseingänge in der Industrie. „Ohne das Schuldenpaket würde kaum ein Volkswirt für das kommende Jahr mehr Wachstum prognostizieren.“

Immerhin: Die rund 9.000 befragten Unternehmen haben die aktuelle Lage etwas positiver eingeschätzt als im Vormonat. Eine bessere Stimmung zeigte sich auch im Bereich Dienstleistungen, dank einer deutlichen Verbesserung zudem in der Tourismusbranche.

Im Handel und der Bauwirtschaft verzeichnete das Institut dagegen Stimmungsrückgänge. „Insbesondere der Einzelhandel zeigte sich zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts enttäuscht“, schrieb das Ifo. Am Bau bleibe die schwache Nachfrage ein bestimmender Engpass.

Hoffen auf Erholung 2026

Die deutsche Wirtschaft steckt tief in der Krise, in den beiden vergangenen Jahren schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt. Für 2025 erwarten führende Ökonomen erwarteten allenfalls ein Mini-Wachstum.

Zwar war die deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn gewachsen, etwa, weil Unternehmen aus Angst vor US-Zöllen Geschäfte vorzogen. Im Frühjahr folgte aber schon wieder ein Minus und im Sommer eine Stagnation.

Zum Jahresende hält die Bundesbank eine leichte Erholung für möglich. Erst im kommenden Jahr erwarten Ökonomen wieder ein spürbares Wirtschaftswachstum dank der geplanten Milliardenausgaben der Bundesregierung.

Der exportstarken deutschen Wirtschaft machen die erhöhten US-Zölle unter Präsident Donald Trump zu schaffen, auch das Geschäft mit China läuft nicht mehr so rund wie früher. Die Volksrepublik bereitet hiesigen Unternehmen zunehmend Konkurrenz, etwa bei Elektroautos. Gestiegene Preise etwa für Lebensmittel bremsen zudem den privaten Konsum; Umfragen zufolge wollen viele Verbraucher im Weihnachtsgeschäft sparen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Milliardenloch bei der Arbeitslosenversicherung: Kommen höhere Beiträge?
25.08.2026

Im Juli gab es über drei Millionen Menschen, die arbeitslos gemeldet sind. Damit liegt die Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent. Tendenz...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bei VW wächst der Druck auf Blume
25.08.2026

Bei Volkswagen wächst die Unruhe: Tausende Jobs und vier Werke stehen auf dem Spiel, doch die Belegschaft fühlt sich vom Vorstand im...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien: Investoren suchen jetzt Gewinner in China und kaufen diese Werte
25.08.2026

Mit dem chinesischen Aktienmarkt sind mehrere Risiken verbunden. Doch zwei Schwergewichte unter den Investoren sehen in Chinas...

DWN
Finanzen
Finanzen Eli Lilly, Novo Nordisk & Co.: Superpillen werden die Wirtschaft verändern - doch wer verdient daran?
25.08.2026

Medikamente zur Gewichtsregulierung gelten als einer der größten Wachstumsmärkte der kommenden Jahrzehnte. GLP-1-Präparate könnten...

DWN
Immobilien
Immobilien Steuerfalle Immobilienerbe: Entscheidend ist der Todestag
25.08.2026

Der Umzug war vorgesehen, die Wohnung sollte bald zum gemeinsamen Zuhause werden. Doch dann starb der Eigentümer unerwartet. Seine Witwe...

DWN
Technologie
Technologie Elon Musk und die KI: Wer regiert bald die Welt?
25.08.2026

Elon Musk warnt vor KI, Bürgerkrieg und dem Aufstieg neuer Supermächte – doch zugleich verkörpert er selbst die beispiellose Macht der...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutz-Aktie: Analysten sehen noch viel Luft nach oben
25.08.2026

Die Deutz-Aktie springt auf ein Dreimonatshoch – und zwei Analysten sehen noch deutlich mehr Potenzial. Die geplante FFG-Übernahme...

DWN
Politik
Politik Schuldenberg: Verliert Deutschland seine Kreditwürdigkeit?
25.08.2026

Die deutsche Wirtschaft bleibt trotz aller Krisen robust und wächst im dritten Quartal in Folge. Doch auch die Schulden wachsen - und...