Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle

Die deutsche Wirtschaft tritt weiter auf der Stelle, während Exporte sinken und Verbraucher sparen. Ökonomen hoffen zwar auf eine Trendwende, doch zentrale Branchen verlieren Dynamik. Hinter den nüchternen Zahlen zeigt sich eine Wirtschaft, die dringend neuen Schwung braucht – und deren Belastungen tiefer reichen als gedacht.
25.11.2025 09:53
Aktualisiert: 25.11.2025 09:53
Lesezeit: 2 min
Deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle
Bahnhofsbaustelle Stuttgart 21: Symbolbild des Stillstands. Die Fertigstellung des Bauprojekts Stuttgart 21 verzögert sich weiter, die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle. (Foto: dpa) Foto: Bernd Weißbrod

Deutsche Wirtschaft stagniert

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft lässt weiter auf sich warten: Nach einem Minus im Frühjahr zeigte sich auch im dritten Quartal kein Wachstum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt bestätigte.

Bereits im Schlussquartal 2025 könnte sich die Wirtschaftsleistung wieder etwas erhöhen, sodass Europas größte Volkswirtschaft im Gesamtjahr knapp am dritten Jahr ohne Wachstum vorbeischrammen würde. Für das nächste Jahr rechnen Ökonomen mit einem Ende der Flaute – auch wegen staatlicher Milliardeninvestitionen in Infrastruktur und Verteidigung.

Exporte schwächeln

Im Zeitraum Juli bis September investierten Unternehmen zwar mehr in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge, wie aus den jüngsten Daten des Wiesbadener Bundesamtes hervorgeht: Die Investitionen in Ausrüstungen nahmen zum Vorquartal um 1,1 Prozent zu.

Doch die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen "Made in Germany" sanken um 0,7 Prozent. Höhere US-Zölle belasten die Exportnation Deutschland. Auch das Geschäft auf dem chinesischen Markt läuft nicht mehr so gut.

"Die Konjunktur wurde im dritten Quartal von schwachen Exporten gebremst, während die Investitionen leicht zulegten", fasste die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand, zusammen.

Preissteigerungen bremsen Verbraucher

Gestiegene Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen dämpfen zudem den privaten Konsum. Erstmals seit dem Schlussquartal 2023 verringerte sich der private Konsum zum Vorquartal (minus 0,3 Prozent), weil Haushalte zum Beispiel weniger Geld in der Gastronomie ausgaben. Umfragen zufolge wollen viele Verbraucher selbst im üblicherweise umsatzstarken Weihnachtsgeschäft kürzertreten. Viele Einzelhändler bangen um ihre wirtschaftliche Existenz.

Der Arbeitsmarkt steht ohnehin unter Druck. In wichtigen Branchen wie der Automobilindustrie wurden binnen eines Jahres fast 50.000 Jobs gestrichen. Zudem fiel die Herbstbelebung auf dem deutschen Arbeitsmarkt schwach aus. Saisonal bedingt dürfte in den Wintermonaten Januar und Februar die Zahl der Arbeitslosen wieder auf mehr als drei Millionen steigen.

Drittes Rezessionsjahr wird wohl knapp vermieden

Trotz allem könnte die deutsche Wirtschaft 2025 knapp am dritten Jahr ohne Wachstum vorbeischrammen. Wirtschaftsinstitute, die Bundesregierung und auch die EU-Kommission rechnen mit einem Mini-Plus von etwa 0,2 Prozent. Allerdings würde Europas größte Volkswirtschaft damit im EU-Keller landen: In ihrer Herbstprognose sagt die EU-Kommission nur für Finnland mit 0,1 Prozent ein noch geringeres Wirtschaftswachstum voraus.

Im nächsten Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung von Ökonomen kräftiger zulegen - nicht zuletzt wegen staatlicher Milliarden für Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie für Verteidigung.

Rückenwind durch staatliche Milliarden schwächer als erwartet

Dabei kommt es jedoch auch darauf an, wie zielgerichtet das Geld eingesetzt wird. "Zwar sollten die beschlossenen Investitionsoffensiven helfen, Deutschland im Jahr 2026 zumindest wieder näher an den Wachstumsdurchschnitt der Eurozone heranzuführen und die rote Laterne abzulegen", ordnet Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck, ein. "Doch der Rückenwind fällt deutlich schwächer aus, als viele erwarten."

Einschätzungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge fließen von den bis 2029 vorgesehenen 271 Milliarden Euro im Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität rund 133 Milliarden in bereits geplante Maßnahmen. Greils Fazit: "Fast die Hälfte der Mittel erzeugt also keinen zusätzlichen Impuls."

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