Wirtschaft

Niedriglohn in Deutschland: 6,3 Millionen Menschen von Niedriglohnarbeit betroffen

Millionen Menschen arbeiten im Niedriglohnsektor. Neue Zahlen zeigen, wo Niedriglohnarbeit besonders konzentriert ist – und warum der Abstand zwischen Arm und Reich kaum schrumpft.
05.12.2025 10:05
Lesezeit: 1 min
Niedriglohn in Deutschland: 6,3 Millionen Menschen von Niedriglohnarbeit betroffen
Eine Putzfrau hält Kleingeld in ihrer Hand: 6,3 Millionen verdienen weniger als 14,32 Euro pro Stunde (Foto: dpa). Foto: Patrick Pleul

6,3 Millionen Beschäftigte im Niedriglohn

In Deutschland ist inzwischen jeder sechste Arbeitsplatz mit Niedriglohn bezahlt. Besonders stark trifft es die Niedriglohnarbeit im Gastgewerbe, wo mehr als die Hälfte der Stellen darunter fällt.

Der Anteil von Jobs im Niedriglohnsektor ist zuletzt nicht weiter gesunken. Im April 2025 lagen 6,3 Millionen Beschäftigungsverhältnisse beim Stundenlohn höchstens bei 14,32 Euro, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Damit machten solche Jobs 16 Prozent aller Beschäftigungen aus – genau wie ein Jahr zuvor. Im April 2014 hatte der Anteil noch 21 Prozent betragen; vor allem 2022 und 2023 war er zurückgegangen.

Wie wird der Niedriglohnsektor definiert?

Die Grenze für Niedriglohn wird regelmäßig neu berechnet. Zum Niedriglohnsektor zählen alle Arbeitsverhältnisse ohne Auszubildende, deren Bruttostundenverdienst unter zwei Dritteln des mittleren Wertes liegt. Im April 2025 lag diese Schwelle bei 14,32 Euro, 2024 bei 13,79 Euro. Zusätzlich gilt der gesetzliche Mindestlohn: Er beträgt im laufenden Jahr 12,82 Euro und soll zum Jahreswechsel auf 13,90 Euro steigen.

Der Rückgang des Niedriglohnsektors seit 2014 sei vor allem ein Ergebnis des Mindestlohns, sagte Dorothee Spannagel vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. "Er hat vielen Menschen mehr Geld in die Tasche beschert und Lohnungleichheiten verringert."

Gastgewerbe als Zentrum des Niedriglohnsektors

Im Gastgewerbe gehören weiterhin mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Jobs zum Niedriglohnsektor, so die Behörde. Niedrige Entgelte sind auch in der Land-, Forst und Fischereiwirtschaft verbreitet, dort liegt der Anteil bei 45 Prozent. In Kunst, Unterhaltung und Erholung erhält gut jede und jeder Dritte (36 Prozent) einen Niedriglohn, also oft im unteren Bereich.

Konstant blieb außerdem die Lohnspreizung, also der Abstand zwischen Geringverdienern (untere 10 Prozent der Lohnskala) und Besserverdienenden (oberste 10 Prozent). Pro Stunde kamen Letztere auf 39,65 Euro und damit auf das 2,95-fache Entgelt der Geringverdienenden, die durchschnittlich 13,46 Euro verdienten.

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