Wirtschaft

Medienkrieg: Warum Paramount Skydance das Netflix-Angebot sprengt

Ein Übernahmekampf erschüttert die US-Medienbranche, weil Paramount Skydance das vermeintlich entschiedene Rennen um Warner Bros. Discovery neu eröffnet. Das überraschend aggressive Gegenangebot stellt nicht nur Netflix’ Strategiefähigkeit infrage, sondern verschärft die politische Debatte rund um Marktmacht und Regulierung. Wer verstehen will, wohin sich die globale Streaminglandschaft bewegt, muss diesen Machtkampf aufmerksam verfolgen.
10.12.2025 16:08
Lesezeit: 2 min
Medienkrieg: Warum Paramount Skydance das Netflix-Angebot sprengt
Der Bieterkampf um Warner Bros. Discovery eskaliert. (Foto: dpa | Fernando Gutierrez-Juarez) Foto: Fernando Gutierrez-Juarez

Paramount Skydance startet Frontalangriff im Bieterkampf mit Netflix

Paramount Skydance will sich im milliardenschweren Ringen um Warner Bros. Discovery nicht von Netflix überholen lassen. Der US-Medienspezialist unter Führung von David Ellison geht deshalb direkt an die Aktionäre des Konzerns und legt ein Übernahmeangebot vor, das nach eigener Darstellung deutlich attraktiver ist als das Gebot von Netflix. Das berichten die Kollegen von Børsen. Paramount Skydance bietet 30 Dollar je Aktie und will den gesamten Betrag in bar zahlen. Netflix hatte zuvor ein Angebot über 27,75 Dollar unterbreitet, das teils aus Bargeld, teils aus Netflix-Aktien bestehen sollte. Hinzu kommt, dass Paramount Skydance den gesamten Konzern Warner Bros. Discovery übernehmen will. Netflix plant lediglich den Erwerb des Kerngeschäfts und verlangt eine Ausgliederung der Kabelsparte, bevor eine Transaktion abgeschlossen werden könnte.

David Ellison erklärte in einer Mitteilung, das öffentliche Angebot entspreche exakt den Bedingungen, die Paramount Skydance zuvor dem Verwaltungsrat von Warner Bros. Discovery vorgelegt habe. Es sichere den Aktionären "eine deutlich höhere Bewertung und einen schnelleren Vollzug". Das Unternehmen lege das Angebot deshalb direkt den Anteilseignern vor, um ihnen "die Möglichkeit zu geben, im eigenen Interesse zu handeln und den Wert ihrer Aktien zu maximieren".

Höhere Bewertung, weniger Risiken: Paramount Skydance erhöht den Druck

Das Angebot bewertet Warner Bros. Discovery mit 108 Milliarden Dollar. Das entspricht nach heutigem Wechselkurs (Quelle: EZB, 09. Dezember 2025) rund 122 Milliarden Euro. Netflix hatte den Medienkonzern zuvor mit 82,7 Milliarden Dollar bewertet. Zudem verweist Paramount Skydance darauf, dass die Finanzierung gesichert sei. Nach Informationen von Marketwire habe das Unternehmen Kreditlinien über 54 Milliarden Dollar vereinbart. Die Aktionäre von Warner Bros. Discovery würden dadurch rund 18 Milliarden Dollar mehr erhalten als im Angebot von Netflix.

Ein weiterer Punkt betrifft die Struktur der Gegenleistung. Paramount Skydance betont, dass der gesamte Kaufpreis aus Bargeld bestehe. Der Wert hänge somit nicht vom Aktienkurs eines Drittunternehmens ab, wie es beim Netflix-Angebot der Fall wäre. Zusätzlich sei unklar, ob die US-Wettbewerbsbehörden einem solchen Deal überhaupt zustimmen würden. Mehrere Beobachter äußerten bereits Zweifel daran. Netflix würde im Erfolgsfall den direkten Rivalen HBO Max übernehmen, eine der größten Streamingplattformen in den Vereinigten Staaten. Das sorgt bereits für politischen Widerstand. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren nannte das mögliche Geschäft laut Reuters ein "wettbewerbsrechtliches Desaster", das Verbraucher belaste. Auch Präsident Donald Trump äußerte sich zu dem Vorgang. Er erklärte, dass die große Marktmacht von Netflix ein regulatorisches Problem darstellen könne, falls der Konzern Warner Bros. Discovery übernehmen wolle.

Ein Bietergefecht mit politischer Note und offenem Ausgang

Das jüngste Angebot ist bereits das sechste innerhalb von zwölf Wochen. Der Übernahmekampf spitzte sich am vergangenen Freitag zu, als Warner Bros. Discovery und Netflix gemeinsam verkündeten, Netflix habe den Bieterwettstreit gewonnen. Dies sorgte für Überraschung, denn Paramount Skydance galt lange als Favorit. Grund dafür waren unter anderem die engen Verbindungen von David Ellison zur Trump-Regierung, auch vermittelt durch seinen Vater Larry Ellison, Gründer von Oracle und bedeutender Unterstützer republikanischer Politik. Larry Ellison spielt zudem eine wichtige Rolle in Skydance Media, das im August dieses Jahres die Übernahme von Paramount abschloss. Kurz nach diesem Deal richtete David Ellison den Fokus auf Warner Bros. Discovery und löste damit die aktuelle Bieterschlacht aus. Warner Bros. Discovery selbst hatte zuvor angekündigt, Teile des Unternehmens wieder aufzuspalten. Der Konzern war 2022 aus der Fusion von Warner Media und Discovery hervorgegangen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-IPO könnte zum Wendepunkt für Weltraum-Aktien werden
07.06.2026

Die Vorfreude auf den Börsengang von SpaceX treibt Weltraum-Aktien auf immer neue Höhen. Doch gerade die größten Euphoriephasen an den...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögen schützen: Interessenskonflikte im Asset Management erkennen
07.06.2026

Vermögensverwalter betonen gerne ihre Unabhängigkeit und die Ausrichtung am Kundenwohl. Doch hinter den Kulissen wirken häufig Anreize,...

DWN
Immobilien
Immobilien Wende am Immobilienmarkt: Hier lohnt sich Wohneigentum wieder
07.06.2026

Der deutsche Immobilienmarkt kommt in Bewegung. Gerade Eigentumswohnungen werden wieder interessanter, allerdings bleiben die regionalen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Was die Chinesen in Europa alles aufkaufen
07.06.2026

Ein halbes Dutzend aufsehenerregender Übernahmen – welche haben am meisten wehgetan?

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Einsatz in Deutschland: KI bleibt in Unternehmen oft im Testlauf stecken
07.06.2026

Der Hype um Künstliche Intelligenz in der deutschen Wirtschaft ist groß. Doch der Schritt vom ersten Testlauf in den täglichen...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Mit ID. Polo und Cupra Raval beginnt die Elektro-Offensive von Volkswagen
07.06.2026

Volkswagen startet mit einer neuen Generation kompakter Elektroautos in einen der wichtigsten Wachstumsmärkte Europas. Die Erwartungen an...

DWN
Finanzen
Finanzen Ende des billigen Geldes: Wie Staaten den Preis des Krieges zahlen
07.06.2026

Der Krieg im Iran ist nicht nur ein Ölpreisschock. Er zeigt, wie verwundbar Staaten geworden sind, wenn Energiepreise, Inflation und hohe...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IEA-Bericht: Das Zeitalter der Elektrizität beginnt mit Rekordinvestitionen
06.06.2026

Die zweite Energiekrise in fünf Jahren verändert den globalen Energiemarkt. Strom, Netze, Batterien und Solarenergie rücken ins Zentrum...