Politik

„Reichsbürger“-Verfahren: Prinz Reuß wird zu Vorwürfen sprechen

Der mutmaßliche „Reichsbürger“ Heinrich XIII. Prinz Reuß wird zu den Vorwürfen eines geplanten „Staatsstreichs“ Stellung nehmen. Reuß' Verteidiger kündigte auch weitere Haftprüfungsanträge an. Dabei geht es um die Verhältnismäßigkeit der Haftfortdauer in Anbetracht von Reuß' Alter von 74 Jahren.
10.12.2025 12:04
Lesezeit: 2 min
„Reichsbürger“-Verfahren: Prinz Reuß wird zu Vorwürfen sprechen
Für die Staatsanwaltschaft gilt Heinrich XIII. Prinz Reuß als Rädelsführer im Frankfurter Terrorprozess um mutmaßliche sogenannte Reichsbürger. (Foto: dpa) Foto: Boris Roessler

Anwalt: Reuß wird zu Vorwürfen im Terrorprozess sprechen

Für die Staatsanwaltschaft gilt Heinrich XIII. Prinz Reuß als Rädelsführer im Frankfurter Terrorprozess um mutmaßliche sogenannte Reichsbürger. Wie wird Reuß sich dazu äußern?

Der Hauptangeklagte Heinrich XIII. Prinz Reuß sieht sich nach den Worten seines Anwaltes im Terrorprozess um mutmaßliche sogenannte Reichsbürger nicht als Rädelsführer. Er wolle schildern, wie er in die Gesamtsituation hingeraten sei, sagte sein Verteidiger vor Verhandlungsbeginn am Oberlandesgericht Frankfurt. „Aus Sicht unseres Mandanten ist es so, dass er nicht irgendwelche Menschen sich gesucht hat, sondern dass er mehr oder weniger gesucht und – in Anführungsstrichen – gefunden wurde.“

Die Einlassung werde aus mehreren Teilen bestehen, zum einen aus dem Verlesen einer vorbereiteten Erklärung, zum anderen aber auch aus Erklärungen in freier Rede. „Da geht es um Dinge, wie stehe ich zu Krieg und Gewalt und so weiter. Wir haben da so eine Mischung vorbereitet.“

Verteidiger: Reuß will nicht alles bestreiten

Reuß' Verteidiger kündigte weitere Haftprüfungsanträge an. «Wir hoffen natürlich auch, durch eine Äußerung, die nicht nur alles bestreiten wird, das will ich jetzt schon gleich klarstellen, auch auf das Gericht einzuwirken.» Es gehe um die Verhältnismäßigkeit der Haftfortdauer in Anbetracht von Reuß' Alter von 74 Jahren, seiner tatsächlichen Rolle «und in Anbetracht der Tatsache, dass schlussendlich keine wirkliche Straftat passiert ist», sagte der Anwalt.

Heinrich XIII. Prinz im Dezember 2022 verhaftet und im Dezember 2023 vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main angeklagt.

Lebensgefährtin von Reuß wurde bereits aus Haft entlassen

Die Bundesanwaltschaft wirft den insgesamt neun in Frankfurt angeklagten Leuten vor, Mitglied einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein beziehungsweise diese unterstützt zu haben. Ziel sei es gewesen, die bestehende Staatsordnung gewaltsam zu beseitigen und durch eine eigene, bereits in Grundzügen ausgearbeitete Staatsform zu ersetzen.

Die Angeklagte Vitalia B., Lebensgefährtin von Reuß, wurde bereits Anfang Dezember aus der Haft entlassen, die übrigen acht Angeklagten bleiben aber in Untersuchungshaft. Das Gericht sah es nicht mehr als verhältnismäßig an, die Frau weiter in U-Haft zu nehmen. Dabei wurde die im Raum stehende Straferwartung berücksichtigt und der Umstand, dass die Frau bereits drei Jahre in U-Haft saß.

Verfahren in drei Städten

Mit zwei parallel laufenden Verfahren in München und Stuttgart müssen sich insgesamt 26 mutmaßliche Verschwörer in dem Komplex um die mutmaßliche sogenannte Reichsbürger-Gruppierung um Heinrich XIII. Prinz Reuß verantworten. Bis zum Urteil gilt für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

Sogenannte Reichbürger erkennen die Bundesrepublik Deutschland und ihre Institutionen nicht an und behaupten, dass das Deutsche Reich (1871–1945) fortbestehe.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU und Philippinen einigen sich auf Freihandelsabkommen
22.09.2026

Neue Chancen für Maschinen, Arzneimittel und Schweinefleisch: Die Europäische Union und die Philippinen haben sich auf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Evonik-Aktie: Chemiekonzern streicht 3.200 Stellen
22.09.2026

Evonik streicht 3.200 Stellen und will allein in Deutschland 2.150 Jobs abbauen. Der Chemiekonzern setzt zugleich auf Wachstum in Asien und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Onboarding neuer Mitarbeiter: Darauf kommt es an
22.09.2026

Die Vorstellungsgespräche sind geschafft, es wurde sich für einen passenden Bewerber entschieden und dieser hat ebenfalls zugesagt. Damit...

DWN
Politik
Politik Folge der Zerstörung: Saudis liefern kein Öl mehr nach Europa
22.09.2026

Saudi Aramco liefert im Oktober kein Öl an europäische Partner. Huthi-Angriffe auf eine wichtige Pipeline haben die Versorgung des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quereinstieg wird zum Karrieremodell: Wo Quereinsteiger gefragt sind
22.09.2026

Ein neuer Job, ein anderer Berufsweg, neue Perspektiven: Für immer mehr Menschen in Deutschland ist der Quereinstieg eine attraktive...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Zölle treiben Stahlkunden zurück nach Europa
22.09.2026

Nachdem die EU die Bedingungen für Stahlimporte verschärft hat, hat sie einen Teil der Kunden zu europäischen Herstellern...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tesla FSD im Test: Wenn das Auto versteht, was um es herum geschieht
22.09.2026

Tesla bringt sein Full-Self-Driving-System nach Europa und zeigt auf einer Testfahrt, wie weit automatisiertes Fahren inzwischen ist. Der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
21.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...