Finanzen

Fed-Zinsentscheid: US-Notenbank senkt erneut US-Leitzins - Folgen für Deutsche?

Der jüngste Fed-Zinsentscheid der US-Notenbank bewegt Wechselkurse, Finanzmärkte und deutsche Geldbeutel. Doch wem nützt der niedrigere US-Leitzins wirklich, und wer zahlt langfristig die Zeche, wenn Arbeitsmarkt, Inflation und Eurokurs aufeinanderprallen?
11.12.2025 06:48
Lesezeit: 1 min
Fed-Zinsentscheid: US-Notenbank senkt erneut US-Leitzins - Folgen für Deutsche?
).Der Vorsitzende der Federal Reserve Jerome Powell: Die US-Notenbank senkt zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins (Foto: dpa). Foto: Jacquelyn Martin

Fed-Zinsentscheid: Was der US-Leitzins für Deutschland bedeutet

Die Besorgnis um den schwachen Arbeitsmarkt hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zu einer dritten Zinssenkung in diesem Jahr bewogen. Sie befürchtet weiter ein Abflauen der Beschäftigung, sodass die hartnäckige Inflation auf erhöhtem Niveau in den Hintergrund geriet. Damit ist gemeint, dass sich das Beschäftigungswachstum verlangsamen oder Arbeitsplätze abgebaut werden könnten. Für viele Europäer ist das eine gute Nachricht.

So können sich Deutsche und Bürger anderer Euroländer, die eine Reise in die USA planen oder beim Online-Shopping in Dollar bezahlen, über den Fed-Zinsentscheid freuen: Nach der Bekanntgabe der Zinssenkung stieg der Euro gegenüber dem Dollar auf den höchsten Stand seit Mitte Oktober. Wer in die Vereinigten Staaten reist, bekommt etwas mehr für sein Geld geboten. Von dem besseren Tauschverhältnis profitieren deutsche und europäische Unternehmen, die in die Vereinigten Staaten exportieren.

Das Nachsehen haben dagegen die US-Amerikaner, für die Reisen ins Ausland teuer werden. Für Importe, die nicht in Dollar beglichen werden, zahlen US-Unternehmen nun mehr als noch am Tag zuvor.

Dritte Zinssenkung im Rahmen des Fed-Zinsentscheid

Der Zentralbankrat der US-Notenbank hatte am Mittwochnachmittag (Ortszeit) das Zinsniveau um 0,25 Punkte auf eine Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent herabgesetzt. Eine Mehrheit von Volkswirten hatte das erwartet. Seit September 2024 hat die US-Notenbank damit den US-Leitzins um 1,75 Prozentpunkte gelockert.

Allerdings gestaltete sich der Fed-Zinsentscheid in den vergangenen Monaten zunehmend schwieriger: Während Fed-Chef Jerome Powell in der Vergangenheit in vielen Fällen noch einstimmige Beschlüsse präsentieren konnte, kam es zuletzt immer wieder zu Abweichlern. In seiner Dezember-Sitzung stimmten nur neun der zwölf stimmberechtigten Mitglieder für eine Zinssenkung um einen Schritt - also 0,25 Prozentpunkte.

Experten uneins, wohin die Fed 2026 steuert

Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner zeigte sich darüber besorgt. So seien im Zinsgremium "deutliche Risse" entstanden. Zugleich sagte er mit Blick auf das neue Jahr: "Die Latte für weitere Zinssenkungen liegt höher, wie Fed-Chef Powell signalisierte. Wir erwarten weiterhin auf der nächsten Sitzung eine Zinspause."

An den Finanzmärkten werden im Durchschnitt zwei weitere Zinssenkungen um insgesamt 0,5 Prozentpunkte erwartet. Der Fed-Zentralbankrat gab sich vorsichtiger und signalisierte im Fed-Zinsentscheid nur eine Zinssenkung für das nächste Jahr.

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, rechnet in der noch verbleibenden Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell bis Mai 2026 mit einer weiteren Zinssenkung. "Zum einen wird die US-Wirtschaft weiterhin solide wachsen, zum anderen dürften die Zölle deutlicher auf die Preisentwicklung durchschlagen als es bislang der Fall war", argumentierte er. Dies spreche gegen weitere deutliche Zinssenkungen und begrenzt den Spielraum beim Fed-Zinsentscheid.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Deutsche im Iran: Pistorius bereit für Bundeswehreinsatz bei Waffenruhe
26.03.2026

Der Iran-Krieg alarmiert die Bundesregierung, weil die wirtschaftlichen Folgen weltweit spürbar werden. Verteidigungsminister Pistorius...

DWN
Politik
Politik USA verschärfen Ton gegenüber Teheran: Diplomatie unter maximalem Druck
26.03.2026

Washington droht dem Iran mit einer massiven Ausweitung der Militärschläge, falls die Führung in Teheran nicht einlenkt....

DWN
Politik
Politik EU und Ungarn: Spionageverdacht erschüttert Vertrauen in Europa
26.03.2026

Misstrauen breitet sich in der Europäischen Union aus und trifft einen ihrer eigenen Mitgliedstaaten. Der Verdacht, dass Ungarn...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...