Wirtschaft

Hoffnung auf den Aufschwung: Kann 2026 die Wirtschaftswende bringen?

Nach mehreren Jahren der Stagnation und anhaltend schlechter Stimmung in vielen Branchen richtet sich der Blick der deutschen Wirtschaft nach vorn. Für 2026 gibt es erste Anzeichen einer möglichen Erholung – doch Ökonomen mahnen zur Vorsicht und verweisen auf erhebliche Risiken, die einen nachhaltigen Aufschwung bremsen könnten.
27.12.2025 08:43
Lesezeit: 3 min
Hoffnung auf den Aufschwung: Kann 2026 die Wirtschaftswende bringen?
Ein Lkw mit Container fährt nach dem Beladen aus einem Terminal. Löst die Regierung Merz den Reformstau? (Foto: dpa). Foto: Jan Woitas

Aufschwung auf „wackeligen Beinen“

Die gute Nachricht: Es soll bergauf gehen. Allerdings nur etwas. 0,9 Prozent bis 1,3 Prozent Wachstum wird je nach Prognose erwartet - wobei viel Unsicherheit bleibt. Deutschlands führende Wirtschaftsforschungsinstitute warnten im September anlässlich ihrer Gemeinschaftsdiagnose: Die deutsche Wirtschaft stehe nach wie vor auf „wackeligen Beinen“. Auch die „Wirtschaftsweisen“ erwarten im kommenden Jahr keinen breit angelegten Aufschwung.

Getrieben werden dürfte das Wachstum 2026 maßgeblich durch Sondereffekte: staatliche Milliardenausgaben für Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie für Verteidigung. Zudem fallen mehr Feiertage auf ein Wochenende, so dass es 2026 mehr Arbeitstage gibt.

Löst die Regierung Merz den Reformstau?

Hohe Energiekosten, steigende Sozialabgaben, langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren, zu viel Bürokratie – Verbände und Ökonomen mahnen immer wieder: Ohne tiefgreifende Reformen wird es nichts werden mit einem wirklichen Aufschwung hierzulande.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte einen „Herbst der Reformen“ angekündigt. Die schwarz-rote Koalition streitet aber um zentrale Vorhaben wie das Rentenpaket. In der Wirtschaft wächst die Ungeduld. „Alle in der Koalition brauchen mehr Ambition“, sagt Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger.

Die IKB Deutsche Industriebank schrieb Ende November, maßgeblich für den Erfolg seien nicht nur höhere staatliche Investitionen, „sondern vor allem ein Stimmungsaufbruch unter den Unternehmen“. Im November verschlechterte sich die Stimmung in den 9.000 Unternehmen, die das Münchner Ifo-Institut regelmäßig befragt. „Die deutsche Wirtschaft zweifelt an einer baldigen Erholung“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Export fällt als Motor aus

Die aggressive Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump trifft eine ohnehin geschwächte Exportnation Deutschland. Maschinenbau, Chemie, Elektro: Seit Jahren verlieren deutsche Hersteller auf den Weltmärkten an Wettbewerbsfähigkeit. „Die deutschen Exportmarktanteile sanken seit 2017 und entwickelten sich im internationalen Vergleich seit 2021 besonders schwach“, analysierte die Bundesbank im Sommer.

Der Befund ist umso alarmierender, da fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland vom Export abhängt. Schon 2024 wurden weniger Waren „Made in Germany“ ins Ausland verkauft als ein Jahr zuvor. Für das laufende Jahr prognostiziert der Außenhandelsverband BGA 2,5 Prozent Rückgang.

Und die Aussichten sind trüb: „Viele der neuen US-Zölle sind so hoch, dass Geschäfte schlichtweg unmöglich werden – für zahlreiche deutsche Exporteure bedeutet das faktisch den Verlust des US-Marktes“, sagt der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel (BGA), Dirk Jandura.

Investiert der Staat an den richtigen Stellen?

Für die Jahre 2026 bis 2028 soll ein staatlich subventionierter, niedrigerer Industriestrompreis eingeführt werden. Zudem will die Bundesregierung zum 1. Juli 2026 die Ticketsteuer in der Luftfahrtbranche senken. Es geht um eine Größenordnung von etwa 350 Millionen Euro zugunsten der Luftverkehrsindustrie in Deutschland. Geplant sind auch eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Speisen in der Gastronomie von 19 Prozent auf 7 Prozent zum 1. Januar 2026 sowie eine Ausweitung der Mütterrente.

Nach Ansicht der „Wirtschaftsweisen“ Monika Schnitzer wird hierbei Geld an Gruppen verteilt, „die es nicht unbedingt brauchen, aber die besonders laut danach rufen“. Die Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung betonte, man müsse sich „schon fragen, warum man für so etwas Geld ausgibt. Das wird das Wachstum nicht beschleunigen.“

Auch die zusätzlichen staatlichen Milliardeninvestitionen für die Infrastruktur könnten nach Einschätzung von Ökonomen für weniger Rückenwind sorgen als erhofft. Einschätzungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge fließen von den bis 2029 vorgesehenen 271 Milliarden Euro im Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität rund 133 Milliarden in bereits geplante Maßnahmen - sie werden also keinen zusätzlichen konjunkturellen Impuls erzeugen.

Inflation hält sich hartnäckig über zwei Prozent

Zwar ist die große Teuerungswelle mit Höchstwerten von fast neun Prozent Inflation ausgelaufen, die Deutschland nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine erfasst hatte. Doch viele Preise sind deutlich höher als vor ein paar Jahren: Lebensmittel in Deutschland haben sich seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 um mehr als ein Drittel (37 Prozent) verteuert.

Nach Einschätzung von Volkswirten müssen sich Verbraucher in Deutschland vorerst mit Teuerungsraten oberhalb der Zwei-Prozent-Marke abfinden. Je höher die Inflationsrate, umso geringer die Kaufkraft der Menschen.

Arbeitsmarkt unter Druck

Gestiegene Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen bremsen den privaten Konsum. Das könnte auch Arbeitsplätze kosten: Vor allem im Einzelhandel stieg zuletzt der Anteil der Unternehmen, die ihre wirtschaftliche Existenz akut bedroht sehen, wie eine Umfrage des Ifo-Instituts ergab.

Der Arbeitsmarkt ist ohnehin unter Druck. In wichtigen Branchen wie der Automobilindustrie wurden binnen eines Jahres fast 50.000 Jobs gestrichen. Zudem fiel die Herbstbelebung auf dem deutschen Arbeitsmarkt schwach aus. Saisonal bedingt dürfte in den Wintermonaten Januar und Februar die Zahl der Arbeitslosen hierzulande wieder auf mehr als drei Millionen steigen.

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