Unternehmen

ZF verkauft Fahrerassistenzgeschäft: 3.750 Mitarbeiter wechseln

ZF zieht die Reißleine. Mit dem Verkauf seines Fahrerassistenzgeschäfts an die Samsung-Tochter Harman trennt sich der angeschlagene Zulieferer von einem zentralen Zukunftsfeld. Der Schritt soll Milliarden-Schulden drücken und den Konzern wieder handlungsfähig machen. Doch der Preis ist hoch: Tausende Mitarbeiter wechseln den Arbeitgeber, und der Umbau des Traditionsunternehmens geht in eine neue, heikle Phase.
23.12.2025 14:34
Lesezeit: 1 min

Strategische Neuausrichtung: Verkauf des Adas-Geschäfts

Der finanziell angeschlagene Autozulieferer ZF Friedrichshafen verkauft sein Geschäft mit Fahrerassistenzsystemen (Adas) an die Samsung-Tochter Harman. Mit der geplanten Übernahme der Geschäftseinheit durch den Innenraum-Spezialisten habe das Stiftungsunternehmen mit Sitz am Bodensee einen wichtigen Meilenstein in der strategischen Neuausrichtung erreicht, teilte Vorstandschef Mathias Miedreich mit. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Als Unternehmenswert wurden 1,5 Milliarden Euro vereinbart.

Mitarbeiterwechsel und Abgrenzung der Geschäftsbereiche

Im Zuge des Verkaufs werden voraussichtlich 3.750 ZF-Mitarbeiter zu Harman wechseln. Übertragen werde das ZF-Geschäft mit smarten Kameras, Radartechnologie und Fahrerassistenz-Softwarefunktionen. Die Bereiche Elektronik für Fahrwerktechnik und Passive Sicherheitstechnik verbleiben beim deutschen Konzern. Auch in der Nutzfahrzeugsparte setzt ZF seine Aktivitäten im Bereich Fahrerassistenz und autonomes Fahren fort.

Erlös für Schuldenabbau

Die Transaktion ermögliche es dem Zulieferer, seine Ressourcen stärker auf Kerntechnologien wie Fahrwerk, Antrieb, Nutzfahrzeug und industrielle Anwendungen zu konzentrieren, in denen man global führend sei, sagte Miedreich. Harman-Manager Christian Sobottka erklärte, die Übernahme der ZF-Einheit sei ein strategischer Schritt, um eine besser vernetzte Zukunft mit intelligenteren und sichereren Fahrzeugen zu ermöglichen, die auf die Bedürfnisse von Fahrern und Passagieren reagierten.

Mit dem Erlös aus dem Verkauf möchte ZF seine Schulden signifikant reduzieren, wie Finanzvorstand Michael Frick mitteilte. ZF war in den vergangenen Jahren auf Einkaufstour – und das hat viel Geld gekostet. Insbesondere die Übernahmen des Bremsenspezialisten Wabco und des Zulieferers TRW müssen noch verarbeitet werden.

Die Schulden beliefen sich Ende September auf gut 10,6 Milliarden Euro. In Zeiten der Niedrigzinsphase war die Finanzierung vergleichsweise günstig. Aktuell muss das Unternehmen jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Zinsen zahlen. Geld, das an anderer Stelle fehlt und nicht in Zukunftsprodukte investiert werden kann.

Schleppende Fahrzeugproduktion drückt Aufträge

ZF steckt mitten im Umbau. Das Unternehmen bietet neben Getrieben unter anderem auch Antriebe, Lenksysteme, Bremsen, Sicherheitstechnik und Fahrwerkskomponenten an. Der Konzern leidet wegen der gedämpften Fahrzeugproduktion unter ausbleibenden Aufträgen der Hersteller und dem schleppenden Wandel zur E-Mobilität.

Das Unternehmen machte zuletzt Millionenverluste. Bis Ende 2028 sollen in Deutschland bis zu 14.000 Stellen gestrichen werden. Tausende Jobs sind bereits weggefallen. Auch die Arbeitszeit vieler Mitarbeiter wurde verkürzt.

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