Wirtschaft

Neun von zehn Haushaltshilfen werden schwarz beschäftigt

Fast vier Millionen Haushalte setzen auf Schwarzarbeit – warum viele die Anmeldung umgehen und wie viel Geld dabei wirklich fließt.
30.12.2025 13:36
Lesezeit: 2 min

Schwarzarbeit in deutschen Haushalten

Neun von zehn Haushalte mit Haushaltshilfe beschäftigen diese schwarz. Das entspricht rund vier Millionen Haushalten in Deutschland. Die Zahlen stammen aus einem neuen Bericht des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Die Gründe für eine illegale Beschäftigung sind vielfältig: Laut einer Umfrage, die im Auftrag des IW Mitte des Jahres durchgeführt wurde, gab ein Viertel der Befragten an, die Haushaltshilfe wolle aus verschiedenen Gründen keine Anmeldung. Rund 15 Prozent setzten ihre Haushaltshilfe schwarz ein, weil sie eine legale Beschäftigung für zu teuer hielten. Acht Prozent nannten bürokratische Hürden als Grund, warum eine Anmeldung scheitere.

Umsatz in Milliardenhöhe

Der häufigste Grund, den fast 35 Prozent der Befragten angaben, ist, dass die Haushaltshilfe lediglich Nachbarschaftshilfe leiste und deshalb nicht anmeldepflichtig sei. Laut IW werde der Begriff der Nachbarschaftshilfe jedoch überdehnt: Oft handele es sich bei den Tätigkeiten tatsächlich um anmeldepflichtige Arbeit.

Laut IW kostet eine Haushaltshilfe, die illegal oder auf Minijobbasis beschäftigt wird, je nach Region, Berufserfahrung und Zuverlässigkeit zwischen 15 Euro und 25 Euro pro Stunde. Unterm Strich ergab sich daraus für das Jahr 2023 ein Umsatz in Milliardenhöhe: 8,63 Milliarden Euro wurden für das regelmäßige oder gelegentliche Beschäftigen einer Hilfe bezahlt, ohne dass Steuern entrichtet wurden. Diese Summe dürfte laut IW bis zum Jahr 2025 noch gestiegen sein.

Boom von Schwarzarbeit bei Abschaffung von Minijobs

Etwa ein Viertel der Befragten gibt an, dass die Haushaltshilfe keine Anmeldung will. Weitere 15 Prozent halten eine legale Beschäftigung für zu teuer – obwohl sie bei Anmeldung bei der Minijobzentrale dank Steuererleichterungen oft weniger zahlen als bei Schwarzarbeit. Denn Haushalte können Kosten für Putzen, Einkaufen, Gartenarbeit oder Kinderbetreuung von der Steuer abziehen. Nur acht Prozent klagen über Bürokratie.

Aus der Unions-Bundestagsfraktion kamen zuletzt Forderungen, Minijobs abzuschaffen. IW-Experte Dominik Enste warnt jedoch vor einem solchen Schritt: "Wer Minijobs abschafft, sorgt für einen massiven Zuwachs an Schwarzarbeit." Wichtig sei es stattdessen, Haushaltshilfen in den legalen Arbeitsmarkt zu integrieren. "Minijobs eröffnen vielen den Zugang zu regulärer Arbeit und erleichtern die Integration", so der Studienautor. Ein Gutscheinmodell wie in Schweden könne den Zugang zu legaler Beschäftigung erleichtern und illegale Geldströme verhindern.

Befugnisse der Behörden sind begrenzt

Im November hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) im Kampf gegen illegale Beschäftigung mehr Befugnisse einräumt. Mittels Künstlicher Intelligenz und mehr Digitalisierung könnten auffällige Betriebe schneller identifiziert werden.

Laut IW fallen private Haushalte jedoch durchs Raster. Mehr Kontrollen im privaten Raum seien wegen der Unverletzlichkeit der Wohnung, die in Artikel 13 des Grundgesetzes geregelt ist, nicht möglich.

Dem Bericht zufolge werden Privathaushalte oft nicht als regulärer Arbeitsort betrachtet. Auch bei einer Langzeitbeschäftigung mit einem hohen Maß an Vertrauen vermeiden die Beteiligten eine vertragliche Bindung. Ebenso würden Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall oder im Urlaub als ungewöhnlich oder unerwünscht wahrgenommen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Upvest: Der unsichtbare Riese hinter Revolut, N26 und Co.
17.07.2026

Die Schnittstellen-Technologie von Upvest etabliert sich zusehends zum Standard im europäischen Wertpapierhandel. Nach N26 und Revolut...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes-Aktie: Autobauer investiert eine Milliarde Euro in Ungarn – Strategie gegen chinesische Konkurrenz?
17.07.2026

Mercedes hat eine Milliarde Euro in Ungarn investiert. Nach dem Ausbau soll das Werk in Kecskemét jährlich mehrere hunderttausend Autos...

DWN
Politik
Politik EU-Kritik an Deutschland: Mängel bei Pressefreiheit und Lobby-Transparenz
17.07.2026

Rüge aus Brüssel für die Bundesregierung: Im neuen Rechtsstaatsbericht bescheinigt die EU-Kommission Deutschland anhaltende Defizite....

DWN
Politik
Politik Bahn und Länder im Streit: Netzagentur erzwingt Platz für Fernverkehrs-Konkurrenz
17.07.2026

Ein Machtwort mit Folgen für das deutsche Schienennetz: Die Bundesnetzagentur zieht ihren vorläufigen Beschluss durch und verpflichtet...

DWN
Technologie
Technologie Chinas KI-Vorstoß: Moonshot AI setzt US-Giganten wie OpenAI unter Druck
17.07.2026

China startet seinen Angriff auf die globale KI-Spitze. Mit dem Start-up Moonshot AI bringt das Land ein neues Modell auf den Markt, das es...

DWN
Politik
Politik Kurskorrektur in Brüssel: EU-Kommission plant Lockerung beim Emissionshandel
17.07.2026

Um Europas Unternehmen angesichts hoher Energiepreise und internationaler Konkurrenz zu entlasten, will die EU-Kommission das zentrale...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo-Aktie auf Talfahrt: Einbruch im China-Geschäft - Volvo Cars verfehlt Erwartungen
17.07.2026

Hoher Preiskampf in China und steigende Rohstoffkosten machen dem schwedischen Autobauer Volvo Cars schwer zu schaffen. Nach...