Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft wächst 2025 leicht trotz Zollstreit

Nach zwei Rezessionsjahren hat Europas größte Volkswirtschaft im vergangenen Jahr wieder ein kleines Plus erzielt. Ein wirklicher Aufschwung lässt allerdings noch auf sich warten.
15.01.2026 10:44
Aktualisiert: 15.01.2026 10:44
Lesezeit: 2 min

Aufschwung auf Pump

Deutschland ist knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum vorbeigeschrammt und setzt nun auf einen von staatlichen Milliardeninvestitionen getragenen Aufschwung. Für 2025 errechnete das Statistische Bundesamt auf vorläufiger Basis ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Im Jahr 2023 (minus 0,9 Prozent) und 2024 (minus 0,5 Prozent) war Europas größte Volkswirtschaft in die Rezession gerutscht.

Investitionen und Arbeitstage treiben Konjunktur

Im neuen Jahr dürften Milliardenausgaben für Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie Investitionen in Verteidigung für etwas Auftrieb sorgen. Zugutekommen dürfte der Konjunktur zudem, dass 2026 mehr Arbeitstage anfallen, weil mehr Feiertage auf ein Wochenende fallen.

Einen spürbaren Aufschwung erwarten viele Ökonomen jedoch erst ab 2027, wenn die gewaltigen Summen, die der Staat investiert, ihre volle Wirkung entfalten. Damit die Lockerung der Schuldenbremse und die so ermöglichten Ausgaben kein Strohfeuer erzeugen, seien Reformen zwingend erforderlich.

Jahresendspurt 2025

Zum Jahresende 2025 nahm die deutsche Wirtschaft bereits etwas Fahrt auf. Auf Basis vorläufiger Daten schätzen die Wiesbadener Statistiker, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent zulegte.

"Das Wachstum beruht vor allem auf den gestiegenen Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates", sagte die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand, bei der Vorlage der Daten in Berlin.

"Demgegenüber gaben die Exporte erneut nach. Die Exportwirtschaft sah sich heftigem Gegenwind ausgesetzt durch die höheren US-Zölle, die Euro-Aufwertung und die stärkere Konkurrenz aus China." Nach Angaben der Statistiker sanken die Exporte 2025 im dritten Jahr in Folge (minus 0,3 Prozent). Zudem halte die Investitionsschwäche an, erklärte Brand. Sowohl in Ausrüstungen als auch in Bauten wurde weniger investiert.

Staatsdefizit sinkt

Der deutsche Staat gab im vergangenen Jahr erneut mehr Geld aus, als er einnahm. Nach vorläufigen Daten belief sich das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung auf rund 107 Milliarden Euro.

Dennoch hielt Deutschland die europäische Verschuldungsregel ein: Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung betrug das Defizit 2,4 Prozent. 2024 waren es 2,7 Prozent.

Der europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt erlaubt den EU-Staaten ein Haushaltsdefizit von höchstens drei Prozent und eine Gesamtverschuldung von maximal 60 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Selbst die Chinesen waren erstaunt, wie schnell diese Fabrik errichtet wurde
11.06.2026

Wir haben uns die Produktion des elektrisch angetriebenen BMW iX3 angesehen, die auf 400 Hektar ehemaliger Ackerflächen am Rande der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tante Enso greift bei Tegut zu
11.06.2026

Die Supermärkte von Tegut stehen zum Verkauf. Für einen Teil davon ist die Zukunft nun geklärt. Das Bundeskartellamt hat grünes Licht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kieler Forscher senken Wachstumsprognose für 2027
11.06.2026

Der Iran-Krieg trifft die deutsche Wirtschaft stärker als bislang erwartet und dämpft den erhofften Aufschwung. Während staatliche...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX, Anthropic und OpenAI in Ihrem ETF-Fonds? Vielleicht schneller, als Sie denken
11.06.2026

Während Tesla ein ganzes Jahrzehnt gebraucht hat, um in den S&P 500 und damit in passiv verwaltete ETF-Fonds aufgenommen zu werden,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Endgame? Kiel Report sieht Wirtschaft Russlands immer stärker unter Druck
11.06.2026

Die russische Wirtschaft galt lange als überraschend widerstandsfähig gegenüber Sanktionen und Kriegsfolgen. Ein neuer "Kiel Report" des...

DWN
Panorama
Panorama "Würdevoll absteigen": Zehn Vorschläge zur Neuorientierung des Westens
11.06.2026

Der Westen verliert seinen jahrhundertelangen Führungsanspruch – und Politikwissenschaftler Daniel Marwecki fordert, diese Realität...

DWN
Technologie
Technologie Sanders fordert KI-Revolution: 50 Prozent für die Bürger
11.06.2026

US-Senator Bernie Sanders fordert den wohl radikalsten Eingriff in die KI-Branche seit ihrem Aufstieg: Die Hälfte der größten...

DWN
Politik
Politik Regierungserklärung: Merz fordert zu Reformbereitschaft auf
11.06.2026

Deutschland verliert Jobs, Unternehmen kämpfen mit Kosten und Bürokratie – für Friedrich Merz ist die Zeit des Zögerns vorbei. Der...