Wirtschaft

Chinas Wirtschaft: Schwächstes Quartalswachstum seit Corona-Ende

Die chinesische Wirtschaft hat zum Jahresende erneut an Dynamik eingebüßt und damit die Erwartungen von Fachleuten und Regierung bestätigt. Nach Angaben des Statistikamts in Peking wuchs das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 Prozent. Für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt bedeutet das das geringste Quartalswachstum seit dem Ende der Corona-Lockdowns vor drei Jahren. In den drei Quartalen zuvor hatte das Plus noch 5,4, 5,2 und 4,8 Prozent betragen.
19.01.2026 09:21
Lesezeit: 2 min

Für das Gesamtjahr meldeten die Statistiker ein Wachstum von 5,0 Prozent. Damit wurde das von der Regierung ausgegebene Ziel von "rund fünf Prozent" erreicht. Gestützt wurde die Konjunktur durch den Außenhandel. Trotz anhaltender Spannungen mit den USA und neuer handelspolitischer Unsicherheiten profitierten chinesische Unternehmen von starken Ausfuhren in andere Regionen.

Wachstum dürfte sich weiter abschwächen

Ökonomen sehen darin Anzeichen für eine unausgewogene Entwicklung. Während der Exportboom die Wirtschaft stützt, belasten ein angespannter Arbeitsmarkt und fallende Immobilienpreise die Kauflaune der Verbraucher. Hinzu kommen hohe Schulden vieler Lokalregierungen, die den Spielraum für große Konjunkturprogramme begrenzen.

Für das laufende Jahr wird weitgehend mit einer Fortsetzung dieses Musters gerechnet. Internationale Organisationen bleiben zurückhaltend. Die Weltbank rechnet für 2026 mit einem Wachstum von rund 4,4 Prozent, der Internationale Währungsfonds geht von etwa 4,5 Prozent aus. Die US-Investmentbank Goldman Sachs zeigt sich etwas optimistischer und erwartet ein Plus von 4,8 Prozent. Grundlage dafür seien jedoch weiterhin vor allem robuste Exporte, nachdem chinesische Unternehmen ihre Absatzmärkte außerhalb der USA ausgeweitet hätten.

Neuer Fünfjahresplan gibt den Kurs vor

Zugleich warnt Goldman Sachs vor anhaltenden strukturellen Problemen. Der Aufbau einer konsum- und dienstleistungsgetriebenen Wirtschaft werde "Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern", schrieb die China-Chefökonomin Hui Shan in einer aktuellen Analyse. Zudem habe der Immobiliensektor noch keinen Tiefpunkt erreicht, und ein schwacher Arbeitsmarkt dämpfe weiter die Kauflaune der Haushalte.

Richtungsweisend wird der neue Fünfjahresplan für den Zeitraum 2026 bis 2030, der auf dem Volkskongress im März verabschiedet werden soll. Im Mittelpunkt stehen dabei technologische Innovationen. Die Führung um Staats- und Parteichef Xi Jinping drängt insbesondere auf Fortschritte bei Halbleitern, Künstlicher Intelligenz und fortgeschrittener Industrieproduktion, um die Abhängigkeit von ausländischer Technologie weiter zu verringern.

Konsolidierung abgeschlossen?

Die Deutsche Handelskammer in China äußerte sich zurückhaltend. "Unsere Mitglieder haben im vergangenen Jahr zwar eine leichte Verbesserung der Geschäftslage gespürt, doch von einem Aufschwung kann man nicht sprechen", teilte Maximilian Butek, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Ostchina, mit. Gerade im intensiven Wettbewerbsumfeld dämpfe der Preisdruck die Geschäftsaussichten deutscher Unternehmen in China. Zugleich hofften die Unternehmen auf strukturelle Maßnahmen, die Einkommen erhöhten und die soziale Absicherung stärkten, um die Kaufbereitschaft anzukurbeln.

Etwas zuversichtlicher äußerte sich der chinesische Ökonom Huang Weiping von der staatlichen Volksuniversität in Peking. Nach seiner Einschätzung habe sich Chinas Wirtschaft nach dem starken Druck der vergangenen Jahre in einer Phase der Konsolidierung befunden, die nun im Wesentlichen abgeschlossen sein dürfte. Zudem sei 2026 das erste Jahr des neuen Fünfjahresplans. Man wolle "einen guten Start hinlegen und umfassend Kraft entfalten".

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