Wirtschaft

Start-up-Finanzierung 2025 steigt wieder – Bayern überholt Berlin

Deutsche Start-ups profitieren 2025 von einem leichteren Zugang zu Investorengeldern. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft EY flossen insgesamt rund 8,4 Milliarden Euro Wagniskapital – gut 1,3 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Damit steigen die Finanzierungen für junge Unternehmen das zweite Jahr in Folge, nachdem sie 2022 und 2023 nach dem Corona-Boom deutlich eingebrochen waren. Besonders stark schnitt Bayern ab, das Berlin in puncto Investitionsvolumen überholt.
19.01.2026 13:44
Lesezeit: 2 min
Start-up-Finanzierung 2025 steigt wieder – Bayern überholt Berlin
Deutsche Start-ups erhielten 2025 rund 8,4 Milliarden Euro Wagniskapital. Bayern sichert sich mit 3,3 Milliarden Euro die Spitzenposition vor Berlin und dominiert die Top-Finanzierungsrunden (Foto: iStock). Foto: jacoblund

Dabei lag Bayern erneut vor der Gründermetropole Berlin. Start-ups aus Bayern sammelten demnach 2025 rund 3,3 Milliarden Euro ein, während Wachstumsfirmen aus Berlin auf knapp 2,7 Milliarden Euro kamen. EY sprach von einer „Wachablösung“, die sich manifestiere. Die beiden Bundesländer stehen laut den Angaben für mehr als 70 Prozent aller Start-up-Finanzierungen in Deutschland. Wagniskapital, mit dem sich Fonds und Konzerne an Start-ups beteiligen, ist entscheidend für Wachstum in der Gründerbranche.

„Berlin längst nicht abgeschrieben“

Bayern macht Berlin schon länger harte Konkurrenz bei Start-ups. Gerade in München, wo Gründer von der Nähe zu renommierten Universitäten und finanzstarken Investoren profitieren, haben sich viele Gründer angesiedelt. Schon 2024 lag Bayern EY zufolge bei den Finanzierungen knapp vor Berlin.

2025 wurden die drei größten Geldspritzen in Bayern verzeichnet. Am meisten warb Helsing aus München ein (600 Millionen Euro), die Firma ist auf KI für die Rüstungsbranche spezialisiert. Es folgten das Energie-Start-up Green Flexibility (400 Mio. Euro) und die Biotech-Firma Tubulis (344 Mio. Euro). Unter den Top-10-Finanzierungsrunden finden sich laut EY sieben Start-ups aus Bayern und zwei aus Berlin.

Bayern festige seine Position als dynamischer Start-up-Standort, sagte EY-Partner Thomas Prüver. Während der Schwerpunkt in Berlin stärker auf den etwas schwächelnden Bereichen Online-Handel und Finanzen liege, profitierten bayrische Start-ups von ihrem Fokus auf Tech und Rüstung sowie dem Boom um Künstliche Intelligenz. Die Hauptstadt sei aber längst nicht abgeschrieben und liege bei der Zahl der Finanzierungsrunden deutlich vor Bayern (218 zu 149). „Berlin bleibt weiterhin eine der führenden Start-up-Metropolen Europas und hat sich auch über die Grenzen des Kontinents hinaus einen hervorragenden Ruf aufgebaut, auch im Bereich Tech und KI.“

Deutschland bei Wagniskapital weit hinter USA

Die Lage der Start-up-Branche beurteilte Prüver vorsichtig positiv. Trotz globaler Krisen und der schwachen Konjunktur sei das Risikokapital deutlich gestiegen - wobei das erste Halbjahr deutlich stärker ausgefallen sei als das zweite. „Abzuwarten bleibt, ob das relativ schwache zweite Halbjahr nur ein Ausrutscher oder der Beginn eines erneuten Abschwungs war.“ Die Zahl der Finanzierungsrunden 2025 sank das vierte Jahr in Folge - um fünf Prozent auf 716.

Der Startup-Verband erklärte, bei den Gründungen stehe Deutschland gut da, es fehle aber an Wagniskapital, um Firmen großzumachen. „In den USA flossen 2025 pro Kopf mehr als 700 Euro in Start-ups, in Deutschland nicht einmal 90 Euro“, sagte Geschäftsführer Christoph Stresing. „Frankreich liegt bei über 100 Euro, Großbritannien bei fast 300 Euro.“ Die Politik müsse die Rahmenbedingungen verbessern und stärker privates Kapital von Investoren mobilisieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Deutsche im Iran: Pistorius bereit für Bundeswehreinsatz bei Waffenruhe
26.03.2026

Der Iran-Krieg alarmiert die Bundesregierung, weil die wirtschaftlichen Folgen weltweit spürbar werden. Verteidigungsminister Pistorius...

DWN
Politik
Politik USA verschärfen Ton gegenüber Teheran: Diplomatie unter maximalem Druck
26.03.2026

Washington droht dem Iran mit einer massiven Ausweitung der Militärschläge, falls die Führung in Teheran nicht einlenkt....

DWN
Politik
Politik EU und Ungarn: Spionageverdacht erschüttert Vertrauen in Europa
26.03.2026

Misstrauen breitet sich in der Europäischen Union aus und trifft einen ihrer eigenen Mitgliedstaaten. Der Verdacht, dass Ungarn...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...