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Volvo EX60: Schwedens Antwort auf den BMW iX3 und den Mercedes GLC

Volvo will sich mit einem neuen Elektro-SUV im Premiumsegment strategisch neu ausrichten. Gelingt es dem Hersteller damit erstmals, Elektromobilität in dieser Klasse wirtschaftlich tragfähig zu machen?
31.01.2026 11:00
Lesezeit: 4 min
Volvo EX60: Schwedens Antwort auf den BMW iX3 und den Mercedes GLC
Der Volvo EX60 markiert den strategischen Einstieg des Herstellers in die profitable Elektromobilität im Premiumsegment der Elektro-SUVs. (Foto: Miloš Milač/Casnik Finance)

Volvos Antwort auf BMW iX3 und Mercedes-Benz GLC

Mit dem EX60 vollzieht Volvo den bislang wichtigsten strategischen Schritt auf dem Weg zur reinen Elektro-Marke. Der neue mittelgroße Elektro-SUV ist zunächst als Ergänzung konzipiert, soll später aber den XC60 ablösen, also jenes Modell, das weltweit bislang Volvos meistverkaufter Verbrenner ist.

Im Premiumsegment positioniert sich der EX60 direkt neben den jüngsten Rivalen BMW iX3 und Mercedes-Benz GLC. Das Management betont, der Wagen sei nicht einfach ein weiteres E-Modell, sondern die Basis der künftigen Modellpalette. Volvo setzt beim EX60 nicht nur auf Wachstum, sondern vor allem auf vergleichbare Margen wie bei Modellen mit klassischem Antrieb.

Genau daran seien die Elektrofahrzeuge des Herstellers bisher gescheitert, weshalb die Preisstrategie zu den zentralen Merkmalen des neuen Modells gehört. In Deutschland startet der EX60 bei 62.990 Euro. Damit liegt er unter dem preislich höher positionierten und leistungsstärkeren BMW iX3 und zugleich unter dem allradgetriebenen XC60 als Plug-in-Hybrid.

Drei Antriebe mit klarer Staffelung

Die Basisversion EX60 P6 mit Heckantrieb nutzt eine Lithium-Ionen-Batterie mit 83 Kilowattstunden. Sie versorgt einen Elektromotor mit 275 Kilowatt (374 PS) und 480 Newtonmetern, der bis zu 620 Kilometer Reichweite nach WLTP ermöglichen soll, bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 14,7 Kilowattstunden je 100 Kilometer. Darüber folgt der EX60 P10 mit Allradantrieb, 95 Kilowattstunden Batterie und zwei Elektromotoren mit zusammen 375 Kilowatt (503 PS) sowie 710 Newtonmetern. Volvo nennt bis zu 660 Kilometer WLTP-Reichweite und 15,7 Kilowattstunden je 100 Kilometer.

Dieser Antrieb ist zum Marktstart auch die einzige Option für die geländebetonte Variante EX60 Cross Country. An der Spitze steht der EX60 P12 mit zwei Elektromotoren und 500 Kilowatt (671 PS), kombiniert mit der bislang größten Volvo-Batterie mit 117 Kilowattstunden. Das System liefert 790 Newtonmeter, soll bis zu 810 Kilometer nach WLTP schaffen und im Schnitt 16 Kilowattstunden je 100 Kilometer verbrauchen. Diese Version nutzt den technischen Spielraum der neuen Plattform SPA3 am konsequentesten, einschließlich maximaler Ladeleistungen von bis zu 400 Kilowatt.

Neue Plattform und Fertigungstechnologie

Ein zentraler Baustein des Technologiewechsels ist die neue Plattform SPA3, flankiert von Produktionsinnovationen. Der EX60 ist das erste Volvo-Modell, das auf Megacasting setzt, wobei der hintere Teil der Fahrzeugstruktur als einzelner Aluminiumguss gefertigt wird.

Damit ersetzt Volvo mehrere hundert Einzelteile, reduziert die Masse des hinteren Fahrzeugbodens um bis zu 20 Prozent und erhöht die Materialausnutzung nach eigenen Angaben nahezu bis zur Vollständigkeit. Hinzu kommt die sogenannte Cell-to-Body-Konstruktion, bei der das Batteriepaket tragender Teil der Karosserie ist. Diese Lösung soll die Torsionssteifigkeit erhöhen, die Energiedichte um rund 20 Prozent verbessern und schnelleres Laden ermöglichen. Volvo verbindet die technische Architektur damit explizit mit dem Ziel, Effizienz und Kostenstruktur des Elektroantriebs zu verbessern.

Digitalisierung und Assistenzsysteme

Beim Innenraum und der Software setzt Volvo auf eine neue Generation digitaler Funktionen. Der EX60 ist das erste Modell der Marke mit der neuesten Qualcomm-Plattform Snapdragon Cockpit, die eine deutlich höhere Rechenleistung bereitstellen soll, mehr als 250 Billionen Operationen pro Sekunde. Das bildet laut Volvo die Grundlage für weiterentwickelte Assistenzsysteme und für eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Fahrzeugs über Daten aus der globalen Flotte. Das System Pilot Assist Plus ist als Ausbau bestehender Lösungen angelegt und zielt auf Funktionalität der Stufe 2+.

Genannt werden unter anderem automatisches Spurhalten und assistiertes Überholen bei Autobahngeschwindigkeit. Damit ordnet Volvo den EX60 klar in die aktuelle Wettbewerbslage ein, in der Software und Assistenz zunehmend über Differenzierung und Kundenbindung entscheiden.

Sicherheit, Produktionsstart und Ausblick

Beim Thema Sicherheit bleibt Volvo bei seiner traditionellen Positionierung und führt im EX60 erstmals einen adaptiven, intelligenten Sicherheitsgurt ein. Dieser soll sich in Echtzeit an Verkehrssituation und körperliche Merkmale der Insassen anpassen, gestützt auf Sensordaten des Fahrzeugs, mit dem Ziel, Verletzungen bei Unfällen und Gefahrensituationen weiter zu reduzieren.

Produziert wird der EX60 im Werk Torslanda bei Göteborg, der Start der Fertigung ist für April angekündigt. Erste Auslieferungen in Europa und den USA sollen im Sommer beginnen, während China vorerst als offene Frage genannt wird.

Neben der Standardausführung plant Volvo auch eine Cross-Country-Variante mit größerer Bodenfreiheit, breiterer Spur und stärkerer Offroad-Ausrichtung. Damit will der Hersteller nicht nur technologische Argumente liefern, sondern auch unterschiedliche Käuferprofile im Premium-SUV-Segment adressieren.

Volvos Position im deutschen Wettbewerb

Für Deutschland ist der EX60 vor allem ein Test, ob Volvo im Kernsegment der Premium-SUVs erstmals Elektro-Reichweite, Ladeleistung und Margenziel gleichzeitig unter einen marktfähigen Preis bringen kann. Gelingt das, steigt der Druck auf deutsche Hersteller, ihre eigenen elektrischen Mittelklasse-SUVs nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich auf ein neues Niveau zu heben.

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