TSMC-Aktie: Ist diese Chiphersteller-Aktie unverzichtbar?
Es geht um den taiwanesischen Chipproduzenten TSMC, der für den KI-Boom unverzichtbar ist. TSMC vereint technologische Führungsstärke, enorme Skalenvorteile und außergewöhnliche Margen – ein seltenes Profil in der Industrie. Entsprechend ist auch die TSMC-Aktie in den vergangenen Monaten bereits stark gestiegen – und trotzdem sehen Analysten noch rund 30 Prozent Kurspotenzial.
In einem Markt, der sich gleichzeitig „zu teuer“ und „voller Chancen“ anfühlt, kommen Anleger immer wieder auf dieselbe Frage zurück: Welche Unternehmen gibt es, ohne die die Welt schlicht nicht funktionieren würde? Der taiwanische Chip-Gigant Taiwan Semiconductor Manufacturing Company – kurz TSMC – gehört für viele Aktienexperten in diese Kategorie. Gerade in Zeiten von künstlicher Intelligenz, Chip-Hunger und geopolitischen Spannungen steht die TSMC-Aktie wieder stärker im Fokus. TSMC verkauft keine Smartphones, baut keine Autos und entwickelt keine Software. Das Unternehmen macht etwas, das auf den ersten Blick langweilig klingt – aber strategisch entscheidend ist: TSMC produziert Chips für andere. Und genau darin liegt die enorme Chance für Anleger.
TSMC als Schlüsselspieler der Halbleiterindustrie
Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company ist der weltweit größte Auftragsfertiger für Halbleiter. Ein Blick auf die Kundenliste erklärt sofort, warum die TSMC-Aktie für viele Investoren als eine der wichtigsten Halbleiter-Aktien überhaupt gilt: Zu den Abnehmern gehören Apple, Nvidia, AMD, Qualcomm und zahlreiche weitere Tech-Giganten. Während klassische Chipkonzerne wie Intel traditionell sowohl entwickeln als auch fertigen, ist TSMC auf ein hochprofitables Geschäftsmodell spezialisiert: die reine Auftragsfertigung (Foundry-Modell). Das Unternehmen funktioniert wie eine Hightech-Gießerei, die Chips nach den Entwürfen anderer produziert – ohne auf dem Endmarkt mit den Kunden zu konkurrieren. Und genau das macht die TSMC-Aktie besonders attraktiv: TSMC verdient am globalen Chipboom, ohne das Risiko eines direkten Produktwettbewerbs mit Apple oder Nvidia tragen zu müssen.
Der Bau moderner Chipfabriken kostet heute zig Milliarden Dollar und dauert mehrere Jahre. Diese Eintrittsbarriere ist enorm – und sie wird besonders deutlich bei den fortschrittlichsten Fertigungsprozessen. Die Fähigkeit, Strukturen im Bereich von fünf Nanometern, drei Nanometern und perspektivisch zwei Nanometern zu produzieren, ist inzwischen so anspruchsvoll, dass der Markt faktisch auf wenige Player zusammenschrumpft.
Das Resultat: TSMC ist in vielen Bereichen nahezu unersetzlich – ein seltener Zustand in einer Branche, die sonst von Wettbewerb und Preisdruck geprägt ist. Für Investoren ist das ein zentraler Grund, warum die TSMC-Aktie als Premium-Wert unter den Chiphersteller-Aktien gilt.
Die Konkurrenz existiert oft nur auf dem Papier
Wer über Konkurrenz spricht, muss zuerst ein Missverständnis ausräumen: Viele Namen, die oft als Gegner genannt werden – etwa Nvidia, AMD oder Qualcomm – sind keine Wettbewerber von TSMC, sondern Kunden. Sie entwerfen Chips, fertigen sie aber nicht selbst. Auch das stärkt das Geschäftsmodell und macht die TSMC-Aktie für viele Anleger zur „Pick-and-Shovel“-Wette auf den Halbleiterboom.
Samsung: der einzige echte Herausforderer
Als ernstzunehmender Rivale wird am häufigsten Samsung Electronics genannt. Der koreanische Konzern ist der einzige Player, der sowohl die industrielle Größenordnung als auch die technischen Ambitionen hat, in derselben Liga zu spielen wie TSMC.
Allerdings war Samsungs Foundry-Geschäft in der Vergangenheit deutlich volatiler. Während TSMC bei Ausbeute, Produktionsstabilität und Profitabilität häufig als Benchmark gilt, konnten sich viele Kunden bei Samsung nicht in gleichem Maße auf gleichbleibende Qualität und hohe Stückzahlen verlassen. Mehrere große Auftraggeber testeten Samsungs 3-Nanometer-Prozesse – und kehrten anschließend wieder zu TSMC zurück.
Intel: Umbau mit Risiko
Auch Intel taucht immer wieder als möglicher Konkurrent auf, wenn es um die Zukunft der Halbleiter-Aktien geht. Der US-Konzern versucht seit einiger Zeit, sich neu zu positionieren: weg vom reinen Hersteller für eigene Prozessoren – hin zum Auftragsfertiger für Dritte. Diese Transformation wird durch staatliche US-Förderprogramme und große Eigeninvestitionen gestützt.
Doch Intel kämpft weiterhin mit einem Vertrauensproblem, das aus dem technologischen Rückstand der vergangenen Jahre resultiert. Gleichzeitig erfordert der Umbau Investitionen in gewaltiger Größenordnung – und die Umstellung der Produktion auf einen „offenen Dienstleistungsmodus“ ist extrem komplex.
China: SMIC als strategische Alternative
In China ist SMIC (Semiconductor Manufacturing International Corporation) der ambitionierteste Spieler. Trotz westlicher Sanktionen kann SMIC dank massiver staatlicher Subventionen und eines riesigen Heimatmarkts technologisch Schritt halten – zumindest in bestimmten Segmenten. Für chinesische Unternehmen bietet SMIC damit eine strategische Alternative. Gleichzeitig kann SMIC vor allem im Bereich günstiger Consumer-Chips Marktanteile gewinnen und indirekt Druck auf TSMC ausüben.
Nach Daten von TrendForce lag der Marktanteil von TSMC im Auftragsfertigungsmarkt zuletzt bei knapp 71 Prozent, Samsung bei rund sieben Prozent, SMIC bei etwa fünf Prozent. Intel spielt global weiterhin eine Nebenrolle und fällt in die Kategorie „Sonstige“, die zusammen weniger als drei Prozent Marktanteil umfasst. Die Schlussfolgerung: Wer auf eine dominante Chiphersteller-Aktie setzen will, landet fast zwangsläufig bei der TSMC-Aktie.
Starke Zahlen: TSMC liefert Wachstum und Stabilität
Der taiwanische Konzern legte zuletzt neue Quartalszahlen vor – und bestätigte seine operative Stärke. Chips, die in 7-Nanometer-Technologie oder kleiner gefertigt werden, machten 77 Prozent des Umsatzes im Wafergeschäft aus. Für das Gesamtjahr 2025 lag ihr Anteil bei 74 Prozent, im Jahr zuvor bei 69 Prozent. TSMC plant, 2026 noch stärker auf Produkte zu setzen, die auf 2-Nanometer-Technologie basieren. Die Massenproduktion wurde im vorangegangenen Quartal gestartet. Gleichzeitig sollen die Investitionen hoch bleiben: Für 2026 erwartet das Unternehmen Kapitalkosten von 52 bis 56 Milliarden Dollar, nach 40,9 Milliarden Dollar im Jahr 2025.
Beim Umsatz übertraf TSMC die Erwartungen: Das Unternehmen erzielte 33,73 Milliarden Dollar, Analysten hatten im Schnitt 32,75 Milliarden Dollar erwartet. Auch der Nettogewinn lag über den Prognosen – und TSMC meldete bereits das achte Quartal in Folge mit Gewinnwachstum im Jahresvergleich. Die Einnahmen stiegen um 20,5 Prozent, der Gewinn sogar um 35 Prozent. Wichtig dabei: TSMC ist längst kein „junges“ Wachstumsunternehmen mehr – aber eben auch kein Konzern, dessen beste Jahre vorbei sind. Laut LSEG-Daten soll das geringste Quartalswachstum beim Umsatz in diesem Jahr dennoch bei mindestens 24 Prozent liegen.
Zum Jahresende 2025 lag die operative Marge bei über 50 Prozent, die Nettomarge bei rund 45 Prozent – ein außergewöhnlich hoher Wert für ein Industrieunternehmen. Für Anleger ist das ein starkes Argument, warum die TSMC-Aktie sowohl als Wachstums- als auch als Qualitätsinvestment gilt – und warum sie unter den großen Halbleiter-Aktien heraussticht. Das Management betonte zudem klar: Die KI-getriebene Nachfrage – vor allem nach Hochleistungsrechnen und Rechenzentrumschips – kompensiert die zyklischen Schwächen in der klassischen Unterhaltungselektronik.
Bewertung: Ist die TSMC-Aktie schon zu teuer?
Der Markt hat TSMC zuletzt deutlich belohnt. Der Kurs stieg in den vergangenen zwölf Monaten um rund 55 Prozent, seit Jahresbeginn um knapp zehn Prozent. Auf Basis der letzten zwölf Monate liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei etwa 35. Für 2026 erwarten Analysten jedoch einen Rückgang auf rund 20. Auch das Verhältnis EV/EBITDA soll von fast 20 im Jahr 2025 auf etwa 14 bis Ende 2026 sinken.
Der PEG-Wert (Bewertung im Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum) liegt bei 0,84, soll 2026 auf 0,81 und 2027 sogar auf 0,65 fallen. Die Eigenkapitalrendite (ROE) beträgt 24 Prozent und könnte dieses Jahr auf 26 Prozent steigen. Besonders auffällig: Von 43 Analysten, die Bloomberg erfasst, empfehlen 41 den Kauf der Aktie. Zwei raten zum Halten, niemand zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel auf Sicht von zwölf Monaten liegt bei 2.261 Dollar – was ein Aufwärtspotenzial von rund 30 Prozent impliziert.
Damit bleibt die TSMC-Aktie für viele Marktbeobachter eine der überzeugendsten Chiphersteller-Aktien im globalen Tech-Sektor.
Risiken: Geopolitik und Zyklen bleiben der Unsicherheitsfaktor
So stark die Fundamentaldaten sind: Die größten Risiken liegen dort, wo keine Kennzahl wirklich hilft – in der Geopolitik. Das Herz der Produktion schlägt in Taiwan. Die Spannungen zwischen China und dem Westen sind längst kein abstraktes Hintergrundrauschen mehr, sondern ein dauerhaftes strategisches Risiko. Selbst ohne militärische Eskalation kann die Unsicherheit Lieferketten belasten, Versicherungsprämien erhöhen und langfristige Kundenentscheidungen beeinflussen. TSMC versucht, dieses Risiko durch Fabriken in den USA und Japan zu streuen. Doch realistisch bleibt: Der Großteil der modernsten Fertigung wird in den kommenden Jahren weiterhin in Taiwan stattfinden. Dieses Restrisiko lässt sich nicht „wegmodellieren“ – und es gilt auch für jede andere globale Halbleiter-Aktie, die stark von Taiwan abhängt.
Ein weiteres Risiko ist die typische Zyklik der Halbleiterbranche. TSMC investiert jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge. Wenn Nachfrageprognosen danebenliegen oder KI-Investitionen kurzfristig abkühlen, könnten Margen unter Druck geraten. Das würde zwar das Geschäftsmodell nicht zerstören – könnte aber Gewinn und Kurs der TSMC-Aktie kurzfristig deutlich belasten. Hinzu kommt technologisches Risiko: Je kleiner die Strukturen werden, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Produktionsschritte komplexer, teurer oder verzögert werden. TSMC hat historisch starke Fertigungsqualität gezeigt – doch auch der Marktführer stößt irgendwann an physikalische Grenzen.
Sollten Anleger die TSMC-Aktie jetzt kaufen?
Wollen Sie die TSMC-Aktie kaufen? Dann tauchen Sie auch einmal tief in das Geschäftsmodell ein, denn die Welt braucht die Produkte von TSMC jedes Jahr mehr – und echte Wettbewerber liegen technologisch klar zurück. Auf der anderen Seite sollten Sie bei einer Kaufentscheidung immer an Ihr gesamtes Portfolio denken, Ihr Wertpapierdepot sollte gut diversifiziert sein und nicht zu stark technologieorientiert sein. Nehmen Sie sich etwas Zeit, um das Timing und die Entscheidung für ein TSMC-Investment genau zu prüfen. Aber klar ist: Wer eine dominante Chiphersteller-Aktie sucht und auf den Megatrend KI setzen will, kommt an der TSMC-Aktie kaum vorbei.
Die TSMC-Aktie bleibt damit eine der spannendsten Halbleiter-Aktien für Anleger, die langfristig auf strukturelles Wachstum, Marktführerschaft und hohe Margen setzen möchten. Aber die TSMC-Aktie ist gleichzeitig auch eine der wichtigsten Wetten auf künstliche Intelligenz, Rechenzentren und den globalen Chip-Hunger. Das Unternehmen vereint technologische Führungsstärke, enorme Skalenvorteile und außergewöhnliche Margen – ein seltenes Profil in der Industrie. Gleichzeitig ist der Kurs bereits deutlich gestiegen, weshalb die Bewertung kein Schnäppchen mehr ist. Entscheidend sind zwei Risiken: die geopolitische Lage rund um Taiwan und die zyklische Natur der Halbleiterbranche. Wer langfristig denkt, findet Qualität – wer kurzfristig einsteigt, braucht Timing und Risikopuffer.

