Der Cybersecurity-Bericht des Weltwirtschaftsforums
Der Global Cybersecurity Outlook 2026 des Weltwirtschaftsforums, erstellt gemeinsam mit Accenture, analysiert die wichtigsten Entwicklungen, die die Cybersicherheitslage von Unternehmen und Staaten im laufenden Jahr prägen. Grundlage sind die Einschätzungen von 873 Führungskräften aus 99 Ländern, die konkrete Hinweise auf strategische Prioritäten, Investitionen und politische Handlungsoptionen liefern.
Dem Bericht zufolge verschärfen der zunehmende Einsatz von KI-Systemen, wachsende geopolitische Spannungen und ungleiche Sicherheitsstandards die globale Risikolage deutlich. Klassische Bedrohungsübersichten reichen für das Management von Cyberrisiken kaum noch aus, da strukturelle Abhängigkeiten und externe Einflussfaktoren stärker ins Gewicht fallen.
Cybersicherheit als Aufgabe der Unternehmensleitung
Cybersicherheit ist kein isoliertes IT-Thema mehr. Viele Risiken entstehen nicht durch einzelne technische Schwachstellen, sondern durch strategische Entscheidungen, internationale Verflechtungen und komplexe Organisationsstrukturen.
Für Unternehmensleitungen bedeutet dies, dass Cyberrisiken systematisch in übergeordnete Steuerungs- und Kontrollprozesse eingebunden werden müssen. Fragen der Lieferkettenstabilität, des Technologieeinsatzes und externer Abhängigkeiten wirken sich heute direkt auf die Sicherheitslage aus.
Geopolitische Konflikte als Treiber von Cyberangriffen
Ein zentrales Ergebnis des Berichts ist die wachsende Bedeutung geopolitischer Faktoren. Cyberangriffe stehen zunehmend im Zusammenhang mit staatlichen Interessen oder internationalen Konflikten und sind damit Teil politischer Machtauseinandersetzungen.
Rund zwei Drittel der befragten Organisationen berücksichtigen geopolitisch motivierte Angriffe inzwischen explizit in ihrem Risikomanagement. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung gezielter Desinformation zu, da digitale Kommunikationskanäle verstärkt zur politischen und wirtschaftlichen Einflussnahme genutzt werden.
Warum Ransomware an Relevanz verliert
Ransomware bleibt ein relevantes Risiko, verliert jedoch an strategischem Gewicht. Viele Unternehmen haben grundlegende Schutzmaßnahmen etabliert und ihre Reaktionsfähigkeit in den vergangenen Jahren spürbar verbessert.
Stärker in den Fokus rücken Risiken, die sich schneller entwickeln und unmittelbarer auf Geschäftsprozesse auswirken. Dazu zählen Schwachstellen in KI-Anwendungen, Cyberbetrug, Störungen internationaler Lieferketten sowie die wachsende Angriffsfläche durch vernetzte IT-Systeme, Produktionsanlagen und Sensortechnik.
Künstliche Intelligenz verändert Angriffsmuster und Abwehrstrategien
Künstliche Intelligenz gilt als wichtigste technologische Entwicklung für die Cybersicherheit im Jahr 2026. Nahezu alle Befragten erwarten innerhalb der kommenden zwölf Monate spürbare Auswirkungen auf ihre Sicherheitslage.
Angreifer nutzen KI, um Angriffe zu automatisieren, Täuschungen glaubwürdiger zu gestalten und Schwachstellen schneller zu identifizieren. Auf der Abwehrseite verbessert KI die Angriffserkennung, beschleunigt Priorisierungen und reduziert manuelle Prozesse. Voraussetzung ist jedoch eine klare Steuerung des KI-Einsatzes, um neue Risiken kontrollierbar zu halten.
Cyberbetrug als direktes Geschäftsrisiko
Cyberbetrug entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Risiko für Unternehmensleitungen. Fast drei Viertel der Befragten berichten, selbst oder im eigenen Umfeld von digitalen Betrugsfällen betroffen gewesen zu sein.
Phishing, Identitätsdiebstahl, manipulierte Zahlungsfreigaben und fingierte Kundenkonten sind längst Teil des operativen Alltags. Die Ursachen liegen meist nicht in fehlendem Problembewusstsein, sondern in unklaren Prozessen, komplexen Freigabestrukturen und unzureichender Kontrolle von Zugriffsrechten.
Resilienz entscheidet über die Folgen von Cybervorfällen
Organisationen mit hoher Widerstandsfähigkeit unterscheiden sich vor allem durch klare Zuständigkeiten und eine aktive Rolle der Unternehmensleitung. Sicherheitsfragen sind dort fest in Entscheidungsprozesse integriert und nicht auf einzelne Fachabteilungen beschränkt.
Besonders deutlich zeigt sich dies in der Lieferkette. Während grundlegende Anforderungen häufig erfüllt werden, fehlen oft gemeinsame Notfallübungen und abgestimmte Wiederanlaufpläne mit Partnern. Da sich Cybervorfälle zunehmend über Unternehmensnetzwerke ausbreiten, wird das Sicherheitsniveau von Geschäftspartnern Teil des eigenen Risikos.
Unterschiedliche Sicherheitsniveaus in den Sektoren
Der Bericht zeigt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bereichen. Unternehmen aus dem privaten Sektor erreichen im Durchschnitt höhere Sicherheitsniveaus und investieren kontinuierlicher in Schutzmaßnahmen.
Öffentliche und internationale Organisationen erfüllen häufig lediglich Mindestanforderungen. Besonders ausgeprägt ist der Nachholbedarf bei Nichtregierungsorganisationen, bei denen unzureichende Schutzmaßnahmen häufiger auftreten und zusätzliche Risiken für verbundene Netzwerke entstehen.
Technologische Einflussfaktoren der nächsten zwölf Monate
Für die kommenden zwölf Monate werden künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen als wichtigste Einflussfaktoren genannt. An zweiter Stelle folgen Cloudtechnologien, da viele Organisationen zunehmend von gemeinsam genutzten Infrastrukturen abhängig sind.
Quantentechnologien gewinnen an Aufmerksamkeit, spielen aktuell jedoch noch keine operative Rolle. Autonome Systeme, dezentrale Anwendungen und weltraumbezogene Technologien werden als langfristige Risikofaktoren eingeordnet, ohne kurzfristig entscheidend zu sein.
Cybersicherheit als wirtschaftlicher Faktor für Deutschland
Für deutsche Unternehmen gewinnt Cybersicherheit zunehmend wirtschaftliche Bedeutung. Die enge internationale Vernetzung, komplexe Lieferketten und der hohe Automatisierungsgrad erhöhen die Abhängigkeit von stabilen digitalen Systemen.
Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und des breiten Einsatzes von KI-Anwendungen wird Cybersicherheit in Deutschland immer stärker zu einer Voraussetzung für verlässliche Geschäftsbeziehungen, industrielle Stabilität und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

