US-Iran-Spannungen heben Ölpreis über die 70-Dollar-Marke
Zunehmende Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben die Ölpreise spürbar steigen lassen. Die Nordseesorte Brent überschritt erstmals seit September wieder die 70-Dollar-Marke je 159-Liter-Barrel und reagierte damit sensibel auf neue geopolitische Risiken.
Auslöser der Bewegung war eine erneute Zuspitzung im Verhältnis zwischen Washington und Teheran. An den Rohstoffmärkten wuchs die Sorge, dass ein militärischer Konflikt die globale Ölversorgung beeinträchtigen und zentrale Transportwege gefährden könnte.
Politischer Druck auf Teheran rückt Atomprogramm in den Fokus
US-Präsident Donald Trump hat den Druck auf die iranische Führung zuletzt deutlich erhöht. Sollte Teheran einem neuen Abkommen über sein Atomprogramm nicht zustimmen, stellte Trump ein militärisches Eingreifen der USA in Aussicht.
In den vergangenen Monaten hatten sich entsprechende Warnungen vor allem auf das Vorgehen der iranischen Führung gegen innenpolitische Proteste bezogen. Reuters berichtete unter Berufung auf zwei ungenannte US-Quellen, Washington habe zeitweise darauf hingearbeitet, politische Veränderungen im Iran zu begünstigen. Nach Einschätzungen von Bloomberg und Reuters liegt der Schwerpunkt nun jedoch klar auf dem Atomkonflikt.
Über sein eigenes soziales Netzwerk forderte Trump den Iran zu einem Einlenken auf und verwies auf die militärische Einsatzbereitschaft der USA in der Region. Zugleich wiederholte der US-Präsident seine Darstellung, wonach das iranische Atomprogramm bereits im Juni des vergangenen Jahres bei Angriffen auf drei nukleare Anlagen weitgehend zerstört worden sei.
Iran signalisiert Gesprächsbereitschaft und warnt vor Eskalation
Die iranische Führung reagierte mit einer abgestuften Stellungnahme. Einerseits erklärte Teheran seine grundsätzliche Bereitschaft zu Gesprächen, sofern diese auf gegenseitigem Respekt beruhten. Andererseits warnte der Iran vor einer entschlossenen Reaktion im Falle einer weiteren militärischen Zuspitzung.
Diese ambivalente Haltung verstärkte die Verunsicherung an den Energiemärkten. Investoren bewerteten das Risiko möglicher Störungen in einer der wichtigsten Förderregionen der Welt neu und passten ihre Positionierungen entsprechend an.
Ölpreise steigen trotz erwarteter Angebotsüberschüsse
Der Preis für Brent-Rohöl näherte sich daraufhin rasch der Marke von 70 Dollar je Barrel. Parallel dazu überschritt der Preis für die US-Sorte WTI die Schwelle von 65 Dollar je 159 Liter Barrel. Aktuell wird Brent bei rund 69,90 Dollar gehandelt, nachdem der Preis zu Jahresbeginn noch bei 59,96 Dollar gelegen hatte. Der jüngste Anstieg knüpft an eine Phase erhöhter geopolitischer Unsicherheit an.
Bereits zuvor hatten Faktoren wie ein jüngster US-Angriff auf Venezuela sowie Lieferstörungen in Kasachstan die Risikowahrnehmung an den Märkten erhöht. Die Spannungen mit dem Iran verstärkten nun zusätzlich die Sorge, dass ein militärischer Konflikt die Ölversorgung aus dem Nahen Osten beeinträchtigen könnte, der rund ein Drittel der weltweiten Produktion stellt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei möglichen Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus, einen zentralen Engpass im globalen Ölhandel.
Geopolitische Risikoprämie beeinflusst die Preisbildung
Auffällig ist, dass der Preisanstieg trotz der weit verbreiteten Erwartung erfolgte, dass das globale Ölangebot im laufenden Jahr die Nachfrage übersteigen dürfte. Fundamentale Angebotsdaten traten kurzfristig in den Hintergrund.
Nach Einschätzung von Bloomberg haben die Märkte inzwischen eine geopolitische Risikoprämie von rund drei bis vier Dollar je Barrel in die Rohölpreise eingepreist. Diese spiegelt weniger aktuelle Engpässe wider als vielmehr das Risiko plötzlicher Unterbrechungen infolge politischer Eskalationen.
Steigende Ölpreise und ihre Bedeutung für Deutschland
Für Deutschland haben höhere Ölpreise unmittelbare wirtschaftliche Folgen. Steigende Energie- und Kraftstoffkosten wirken sich auf Transportpreise, industrielle Produktionskosten und die Inflationsentwicklung aus.
In einer Phase verhaltener Konjunktur könnten anhaltend erhöhte Ölpreise den wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum weiter begrenzen. Zugleich unterstreicht die Entwicklung die strategische Bedeutung einer geringeren Abhängigkeit von geopolitisch instabilen Energieimporten.


