Politik

US-Rohstoffpolitik unter Druck: J.D. Vance spricht über neue Ansätze bei seltenen Erden

Die USA prüfen angesichts ihrer Abhängigkeit von China bei der Versorgung mit kritischen Rohstoffen neue außenwirtschaftliche Optionen. Wie realistisch sind gemeinsame Ansätze mit Europa und anderen Partnern angesichts politischer Spannungen?
06.02.2026 16:00
Lesezeit: 3 min
US-Rohstoffpolitik unter Druck: J.D. Vance spricht über neue Ansätze bei seltenen Erden
US-Vizepräsident J.D. Vance wirbt für eine engere Abstimmung mit Europa und weiteren Partnern, um die Abhängigkeit von China bei kritischen Rohstoffen zu verringern (Foto: dpa) Foto: Str

J. D. Vance setzt auf internationale Kooperation bei kritischen Rohstoffen

US-Vizepräsident J. D. Vance hat am Mittwoch eine bemerkenswerte Kurskorrektur vorgenommen. Im US-Außenministerium in Washington D. C. sprach er erstmals offen über eine vertiefte Zusammenarbeit mit Partnerstaaten bei der Versorgung mit kritischen Rohstoffen.

Anlass war das sogenannte Critical Minerals Ministerial, an dem Vertreter aus mehr als 50 Staaten und internationalen Organisationen teilnahmen. Im Zentrum der Gespräche stand die Frage, wie sich die starke Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten bei strategisch wichtigen Rohstoffen verringern lässt.

Vance trat dabei mit deutlich moderateren Tönen auf als bei früheren Auftritten. Er betonte, dass gerade im Rohstoffbereich gemeinsame Interessen bestünden, die eine engere Abstimmung zwischen den USA und ihren Partnern erforderlich machten.

Pläne für einen koordinierten Rohstoffmarkt

Der US-Vizepräsident kündigte an, dass Washington den Aufbau eines koordinierten Marktes für kritische Rohstoffe und seltene Erden anstrebt. Ziel sei es, die Versorgungssicherheit durch abgestimmte Handelsbeziehungen zu erhöhen.

Kern des Vorhabens soll der Einsatz gemeinsamer Zölle sein, mit denen verhindert werden soll, dass China Preise gezielt unter Druck setzt. Auf diese Weise soll der Einfluss Pekings auf den globalen Rohstoffmarkt begrenzt werden.

Kritische Mineralien sind für zahlreiche Schlüsselindustrien unverzichtbar, darunter die Elektronikindustrie, der Bau von Elektrofahrzeugen und die Rüstungsproduktion. Vance erklärte, der US-Markt verfüge zwar über ausreichende Größe, doch ein gemeinsamer Ansatz erhöhe die Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit deutlich.

Zu den anwesenden Delegationen zählten unter anderem Vertreter aus Japan, Indien, der Ukraine, Frankreich, Großbritannien und der Europäischen Union. Die breite Beteiligung unterstrich die strategische Bedeutung des Themas.

Belastetes Verhältnis zu europäischen Partnern

Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund eines angespannten transatlantischen Klimas. In den vergangenen zwölf Monaten hatten die USA handelspolitische Maßnahmen ergriffen, die auch Verbündete betrafen. Noch im vergangenen Jahr hatte Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz europäische Staaten scharf kritisiert. Zusätzlich sorgten jüngste Aussagen von Präsident Donald Trump für neue Irritationen.

Trump hatte öffentlich erklärt, die USA könnten Anspruch auf Grönland erheben und dabei auch militärische Mittel nicht ausschließen. Diese Aussagen haben das Vertrauen europäischer Regierungen weiter belastet.

Nach Angaben von Politico haben die Drohungen die Kooperationsbereitschaft in der EU spürbar gedämpft. Ein europäischer Diplomat erklärte, die Grönland-Frage überschattiere sämtliche Gespräche über kritische Rohstoffe.

Auch Christopher Vandome von der Denkfabrik Chatham House sieht strukturelle Probleme. Wer Souveränität und Völkerrecht infrage stelle, schwäche die eigene Position gegenüber genau jenen Partnern, die für alternative Lieferketten benötigt würden, schrieb er.

Steigender Handlungsdruck in Europa

Trotz der politischen Spannungen war die internationale Beteiligung an dem Treffen hoch. Mehr als 50 Staaten, darunter auch die Europäische Union, entsandten Vertreter nach Washington. Der Handlungsdruck ist auch auf europäischer Seite erheblich. Der Europäische Rechnungshof stellte kürzlich fest, dass die bisherigen Bemühungen zur Diversifizierung der Rohstoffversorgung bislang kaum Wirkung zeigen.

Nach Einschätzung der Prüfer reichen die aktuellen politischen Instrumente nicht aus, um die angestrebte Versorgungssicherheit bis 2030 zu gewährleisten. Die Abhängigkeit von wenigen Lieferländern bleibt damit bestehen.

Milliardenprogramme und strategische Vorräte

Die US-Initiative ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Verringerung der Abhängigkeit von China. Auslöser war ein zeitweiliger Importstopp seltener Erden aus China im vergangenen Jahr nach der Einführung hoher US-Zölle.

Zwar wurden die Restriktionen später teilweise gelockert, doch die Liefermengen erreichten nicht mehr das frühere Niveau. Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus vor einem Jahr setzt die Regierung verstärkt auf eine nationale Rohstoffstrategie. Milliardenbeträge flossen in die Förderung heimischer Bergbauprojekte sowie in direkte Beteiligungen an Minengesellschaften. Ziel ist der Aufbau belastbarer Lieferketten außerhalb chinesischer Kontrolle.

Zu Wochenbeginn kündigte Trump zudem den Aufbau eines strategischen Vorrats an kritischen Rohstoffen und seltenen Erden an. Finanziert werden soll das Projekt über ein Darlehen von 12 Milliarden US-Dollar, bereitgestellt durch die staatliche Export-Import-Bank und privates Kapital.

Auch die laufenden Gespräche zwischen den USA, Dänemark und Grönland beziehen sich laut Trump auf kritische Mineralien. Zwar verfügt Grönland über umfangreiche Vorkommen, doch Fachleute rechnen mit jahrzehntelangen Entwicklungszeiträumen. Nach Angaben von J. D. Vance haben mehrere Staaten die Rahmenvereinbarung bereits unterzeichnet. Welche Länder dies konkret sind, blieb offen.

Strategische Bedeutung für Deutschland und die Industrie

Für Deutschland besitzt die Debatte hohe wirtschaftliche Relevanz. Schlüsselindustrien wie Automobilbau, Maschinenbau und Energietechnologien sind in besonderem Maße auf verlässliche Rohstofflieferungen angewiesen.

Ein von den USA angestoßener Rohstoffverbund würde den Druck auf Europa erhöhen, eigene Strategien schneller umzusetzen. Für Deutschland stellt sich damit die Frage, wie eine engere transatlantische Abstimmung mit den bestehenden EU-Zielen vereinbar ist, ohne neue politische oder wirtschaftliche Abhängigkeiten zu schaffen.

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